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Ola Källenius: Mercedes-Chef fordert radikalen Kurswechsel in Deutschland

Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius sieht Deutschland wegen hoher Energiepreise, erdrückender Arbeitskosten und verfehlter EU-Politik in Gefahr.
/ Andreas Donath
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Ola Källenius mit einem elektrischen Prototyp von Mercedes-Benz (Bild: Mercedes-Benz)
Ola Källenius mit einem elektrischen Prototyp von Mercedes-Benz Bild: Mercedes-Benz

Ola Källenius macht seinem Ärger Luft. In einem Interview mit dem Spiegel(öffnet im neuen Fenster) beschreibt der Mercedes-Chef die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen 10 bis 15 Jahre als Irrweg. Seine Sorge gelte nicht nur dem eigenen Konzern, sondern dem gesamten Standort Deutschland.

Die Rechnung geht für Mercedes nicht mehr auf. Der Konzern verkauft nur 10 bis 12 Prozent seiner Fahrzeuge in Deutschland, investiert hier aber mehr als die Hälfte seines Kapitals. Källenius vergleicht die Situation mit einer Fußballmannschaft, die vor der WM behauptet, genug zu trainieren – während alle anderen doppelt so viel tun.

Energie, Steuern und Arbeitskosten als Hauptprobleme

Die Energiepreise seien seit 2022 stark gestiegen. Deutschland habe zugleich mit die höchsten Arbeitskosten weltweit, so der Manager. Jahrzehntelang habe die Industrie das durch Produktivitätssteigerungen ausgleichen können. Diese Strategie funktioniere nicht mehr, so Källenius.

Källenius wolle keine asiatischen Verhältnisse, aber Deutschland müsse wieder attraktiv für Investitionen werden. Sonst fließe das Kapital in andere Länder ab. Der Mercedes-Chef, der auch Präsident des europäischen Autoindustrieverbandes ACEA ist, sieht eine direkte Verbindung zwischen wirtschaftlicher Schwäche und politischem Rechtsruck.

Die Botschaft von Källenius: Wirtschaftliche Stärke ist seiner Meinung nach Voraussetzung für alles andere – auch für die Dekarbonisierung. Ohne Wettbewerbsfähigkeit wird Europa nach und nach seine ökonomische Position verlieren. Und ohne ökonomische Stärke bleibe auch der Klimaschutz auf der Strecke.

Die Autoindustrie kämpft seiner Meinung nach an mehreren Fronten gleichzeitig. In China herrscht ein Wettbewerb mit über 100 Anbietern – historisch einmalig. Der Zollkonflikt zwischen USA und Europa belastet die Ergebnisse zusätzlich. Trotzdem bleibt Amerika für Mercedes ein Wachstumsmarkt.

EU-Vorschriften kontraproduktiv

Die EU hat Ende 2025 das Verbrenner-Aus gelockert. Källenius zeigt sich zunächst erleichtert. Die geplanten Regelungen für Firmenflotten hält er aber dennoch für kontraproduktiv: Bis 2030 sollen Flotten größtenteils auf Elektroantrieb umstellen. Zwei Jahre später würden dann zu viele Gebrauchtwagen-E-Autos auf zu wenig private Nachfrage treffen. Die Folge: sinkende Restwerte, längere Haltedauer, einbrechende Nachfrage. Viele mittelständische Zulieferer hätten nicht genug Reserven, um diese Phase zu überstehen.

Der Mercedes-Chef fordert einen Systemwechsel. Statt Verpflichtungen und Strafen brauche es marktbasierte Anreize und massive Infrastrukturinvestitionen. Europa mache in allen Branchen die gleichen methodischen Fehler – ob Chemie, Stahl oder Autos.

Die neue Handelspolitik der EU sieht er positiv. Die Abkommen mit Mercosur-Staaten und Indien würden große Wirtschaftsräume schaffen. Kurzfristig bleiben aber Nordamerika, Europa und China dominant. Trotz des harten Wettbewerbs sieht Mercedes in China weiterhin Wachstumschancen.


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