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Ohne Genehmigung: xAI betreibt Mega-Rechenzentrum mit Notstromgeneratoren

Das Stromnetz hinkt dem Ausbau von KI - Rechenzentren hinterher. xAI behilft sich mit Generatoren - ohne Genehmigung und auf Kosten der Umwelt und Anwohner.
/ Johannes Hiltscher
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In Memphis nutzt xAI mobile SMT130 Generatoren. Jeder besteht aus zwei LKW-Containern. (Bild: Solar Turbines)
In Memphis nutzt xAI mobile SMT130 Generatoren. Jeder besteht aus zwei LKW-Containern. Bild: Solar Turbines

Dieselgeneratoren sind bei Rechenzentren kein ungewöhnlicher Anblick ; sie dienen dazu, Stromausfälle zu überbrücken. Unüblich ist allerdings, dass sie fester Bestandteil der Energieversorgung sind.

Anders sieht das bei dem Rechenzentrum von Elon Musks xAI bei Memphis im US-Bundesstaat Tennessee aus: Die 100.000 H100-GPUs des Supercomputers Colossus laufen nur, weil vier mit Erdgas betriebene mobile Generatoren die Stromversorgung unterstützen, wie das Magazin Forbes(öffnet im neuen Fenster) berichtet.

Das scheint kein Einzelfall zu sein, auch andere Betreiber großer Rechenzentren sollen mobile Generatoren bevorzugen. Beim aktuellen KI-Wettrennen setzen alle auf immer größere Clustercomputer, hauptsächlich mit Nvidia-GPUs. Die benötigen viel Energie - oft mehr, als das bestehende Netz bereitstellen kann. Neue Leitungen zu legen, eine Übergabestation oder ein Kraftwerk zu bauen, kann Jahre dauern. So lange will aber keiner warten, um der Konkurrenz keinen Vorsprung zu geben.

Bei xAI ist die Sache besonders brisant, denn das Unternehmen hat die Generatoren aufgestellt, ohne die erforderliche Genehmigung einzuholen. Die Emissionen der für den temporären Einsatz gedachten Geräte sind deutlich höher als bei stationären Gaskraftwerken, insbesondere der Ausstoß an Stickoxiden und Formaldehyd. Letzteres gilt als wahrscheinlich krebserregend, weshalb solche Generatoren nur mit Genehmigung der örtlichen Gesundheitsbehörde in Betrieb genommen werden dürfen.

xAI will mehr Generatoren aufstellen

Forbes griff Berichte lokaler Medien auf, die bereits im August 2024 berichteten(öffnet im neuen Fenster) und von einer zeitlich begrenzten Nutzung ausgingen. Dennoch wäre eine behördliche Genehmigung für die Aufstellung erforderlich gewesen.

Die hat xAI im Januar 2025 beantragt und möchte sie rückwirkend ausgestellt bekommen. Erteilt hat die Gesundheitsbehörde sie laut Forbes bislang nicht, die Generatoren laufen dennoch weiter. Insgesamt sollen 15 betrieben werden, da der lokale Netzbetreiber statt der erwarteten 300 MW vor Abschluss eines laufenden Netzausbaus lediglich eine Anschlussleistung von 150 MW bereitstellen kann.

Die Formaldehydemissionen der Generatoren sollen knapp unterhalb von zehn Tonnen pro Jahr liegen, darüber wäre eine strengere Überwachung erforderlich. Angesichts des Verhaltens von US-Präsident Donald Trump könnte es aber auch passieren, dass diese Regeln abgeschwächt oder ganz gestrichen werden. Zumindest setzt xAI ein optionales Kontrollsystem zur Verringerung des Ausstoßes von Stickoxiden ein.

Genug Strom für eine Mittelstadt

Alle 15 geplanten Generatoren könnten gemäß Forbes mehr als 50.000 US-Haushalte mit Strom versorgen. Es handelt sich um regelrechte Kleinkraftwerke: Auf einem Bild des Daily Memphian ist zu sehen, dass es sich um SMT130-Gasturbinen ( Datenblatt, PDF(öffnet im neuen Fenster) ) von Solar Turbines handelt. Jede Einheit besteht aus zwei etwa 14 m langen LKW-Containern und kann eine elektrische Leistung von 16 MW liefern. Entsprechend sollen sie die fehlenden 150 MW zum Betrieb von Colossus liefern.

Auch bei einem zweiten Rechenzentrum bei Memphis scheint xAI wieder teilweise auf gasbetriebene Generatoren zu setzen, obwohl die nicht nur Umwelt und Gesundheit belasten, sondern auch die Bilanz von xAI. Der damit erzeugte Strom ist teurer als aus dem öffentlichen Netz oder aus eigenen Kraftwerken. Die mobilen Generatoren sind weniger effizient, auch sollen Firmen, die diese Maschinen vermieten, die Preise bereits verteuert und die Produktion ausgeweitet haben. Im Rennen um die KI-Krone scheinen für den kurzfristigen Einsatz gedachte Lösungen zum Normalfall zu werden und deren negative Auswirkungen nebensächlich zu sein.


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