Ohne Fahrerwunsch: Tesla FSD übernimmt in Gefahrensituationen das Steuer
Tesla rollt in den USA ein Update für sein Full Self-Driving (Supervised) aus, das selbst dann aktiv werden kann, wenn der Fahrer das System gar nicht eingeschaltet hat. Die neue Version FSD v14.3.9 führt laut Teslas KI-Team sogenannte aktive Sicherheitsfunktionen ein(öffnet im neuen Fenster), die über die bisherige automatische Notbremsung hinausgehen: Das System kann selbstständig lenken, um Hindernissen auszuweichen, wenn reines Bremsen nicht mehr ausreicht.
FSD schaltet sich selbst wieder an
Neben Kollisionsgefahren soll das System auch dann eingreifen, wenn der Fahrer stark abgelenkt wirkt oder wenn FSD versehentlich deaktiviert wurde. In beiden Fällen meldet sich die Software unaufgefordert zurück, ohne dass der Fahrer sie explizit aktiviert hat. Wie Tesla Notfälle von alltäglichen Fahrsituationen unterscheidet, erklärte das Unternehmen nicht. Auch die Frage, ob sich die Funktion komplett abschalten lässt, bleibt offen.
Grenze zwischen Assistenz und Übernahme verwischt
Bisher lief FSD nur auf ausdrücklichen Fahrerwunsch. Mit dem Update arbeitet ein Teil der v14-Software, die Tesla seit April 2026 anbietet, nun ständig im Hintergrund und wartet auf Einsatzmöglichkeiten. Das ist brisant, denn frühere FSD-Versionen neigten laut Berichten zu unbegründeten Ausweichmanövern. Zudem gibt es bei Teslas Autopilot seit Jahren – wie bei anderen Fahrzeugmarken auch – das sogenannte Phantom-Bremsen. Damit sind plötzliche Bremsungen ohne erkennbaren Grund gemeint, die durch Fehlinterpretationen der Sensordaten entstehen. Ein ungewolltes Bremsen ist ärgerlich, aber meist beherrschbar. Ein unerwarteter Lenkeingriff bei Tempo 100 dagegen kann weitaus gefährlichere Folgen haben.
Sicherheitsgewinn oder Kontrollverlust?
Ausweichassistenten sind an sich keine Tesla-Exklusivität; andere Hersteller bieten ähnliche Systeme seit Jahren an. Wer bewusst den manuellen Modus wählt, erwartet zumindest bisher, dass diese Entscheidung respektiert wird wenn keine unmittelbare Kollisionsgefahr besteht. Ob Tesla-Besitzern die Deaktivierung erlaubt oder sie zumindest über jeden Eingriff informiert, ist bislang unbekannt.
Rechtlich wirft das Update neue Fragen auf: Wenn ein Level-2-Assistenzsystem den menschlichen Fahrer überstimmt und dennoch ein Unfall passiert, könnte die Haftung stärker beim Hersteller liegen als bei den Fahrern. Wie sich das in der Praxis bewerten lässt, ist offen.
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