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Ohne Ankündigung: Twitter entlässt offenbar Tausende Leiharbeiter

Die Entlassungswelle bei Twitter geht weiter. Firmenchef Elon Musk streitet sich derweil öffentlich mit Entwicklern und Politikern.

Artikel veröffentlicht am ,
Twitter-Chef Elon Musk (Bild: Dado Ruvic/Reuters)

Nach der Übernahme durch Tesla-Chef Elon Musk trennt sich Twitter offenbar von zahlreichen weiteren Mitarbeitern. Der Kurznachrichtendienst habe rund 4.400 seiner 5.500 Leiharbeiter entlassen, berichtet der Journalist Casey Newton unter Berufung auf Unternehmenskreise. Die Entlassungen hätten vermutlich bedeutsame Auswirkungen auf die Moderation von Inhalten und die zentrale Infrastruktur, die den Dienst am Laufen halte.

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Nach Angaben Newtons wurden die betroffenen Mitarbeiter nicht vorab informiert. Sie hätten jedoch ihre Zugänge zur internen Kommunikation über Slack sowie zu ihren Firmen-E-Mails verloren. Die zuständigen Manager seien ebenfalls nicht von ihren Vorgesetzten informiert worden.

Anfang November hat Musk bereits die Hälfte der festangestellten Mitarbeiter entlassen. Seitdem hat er mit Versuchen, mehr Umsatz für Twitter zu generieren, eher für Verwirrung gesorgt. So hat das Unternehmen die erst kürzlich eingeführte Abo-Verifizierung wieder ausgesetzt, nachdem es zu einer Welle gefälschter Accounts von Marken und Prominenten gekommen war.

Android-App zu langsam?

Währenddessen liefert sich Musk öffentliche Diskussionen mit aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern über angeblich zu hohe Ausgaben und schlecht funktionierende Dienste. So behauptete der Twitter-Chef, das Unternehmen habe in den vergangenen zwölf Monaten für jedes kostenlose Mittagessen in der Firmenzentrale mehr als 400 US-Dollar ausgegeben. Dem widersprach die zuständige Mitarbeiterin: "Dies ist eine Lüge. Ich habe dieses Programm bis vor einer Woche geleitet, als ich gekündigt habe, weil ich nicht für Elon Musk arbeiten wollte. Für Frühstück und Mittagessen haben wir 20 bis 25 Dollar pro Tag und Person ausgegeben."

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Darüber hinaus behauptete Musk, die Android-App für Twitter funktioniere schlecht. "Nebenbei, ich möchte mich dafür entschuldigen, dass Twitter in vielen Ländern superlangsam ist. Die App macht >1000 schlecht gebündelte RPCs, nur um eine Timeline zu rendern!" Android-Entwickler Eric Frohnhoefer entgegnete: "Ich habe ~6 Jahre lang an Twitter für Android gearbeitet und kann sagen, das stimmt nicht."

Auf Musks Nachfrage, wie viele Remote Procedure Calls (RPC) die App aufrufe, antwortete Frohnhoefer: "Die App ruft null RPC Calls auf."

US-Senator droht Musk

Problematischer für Musk könnte hingegen der öffentlich ausgetragene Streit mit dem demokratischen Senator Ed Markey werden. Dieser beschwerte sich darüber, dass ein Reporter der Washington Post einen Fake-Account unter seinem Namen mit einem "blauen Haken" hatte anlegen können. "Ich bitte um Antworten von Elon Musk, der den Profit über die Menschen und seine Schulden über die Verhinderung von Desinformation stellt. Twitter muss erklären, wie es dazu gekommen ist und wie man verhindern kann, dass es wieder passiert", twitterte Markey.

Musk machte sich anschließend über Markey lustig und schrieb: "Vielleicht deshalb, weil Ihr echter Account wie eine Parodie aussieht?". Woraufhin Markey drohte: "Eines Ihrer Unternehmen steht unter einer FTC-Zustimmungserklärung. Gegen ein anderes ermittelt die NHTSA wegen der Tötung von Menschen. Und Sie verbringen Ihre Zeit damit, sich online zu streiten. Bringen Sie Ihre Unternehmen in Ordnung. Oder der Kongress wird es tun."

Markey spielte damit zum einen auf eine Vereinbarung der Verbraucherschutzbehörde FTC mit Twitter an, die im Mai 2022 getroffen worden war. Zum anderen untersucht die US-Verkehrsbehörde NHTSA seit einiger Zeit tödliche Unfälle, bei denen Teslas sogenannter Autopilot eingeschaltet war.

Nachtrag vom 14. November 2022, 18:05 Uhr

Das Magazin Business Insider veröffentlichte inzwischen die E-Mail, in der Twitter den Leiharbeitern die Entlassung mitteilte. Darin heißt es: " Wie Ihnen vermutlich bekannt ist, hat Twitter seine Prioritäten neu gesetzt und Einsparungen vorgenommen, um sich in dieser Zeit der eingeschränkten Ressourcen besser fokussieren zu können. Bitte erlauben Sie uns, Ihnen im Namen Ihres Arbeitgebers mitzuteilen, dass Ihre Beschäftigung bei Twitter als Teil der Neuausrichtung und der Einsparungen beendet wurde."