Rechtliche und technische Hürden sind hoch
Dass überschüssiger Strom auch in Wasserstoff umgewandelt werden muss, steht im Grunde außer Frage. Es ist nicht nur eine sinnvolle Ergänzung zu chemischen Speichern, Pumpspeicherwerken und anderen Ideen.
Das kleine Molekül eignet sich zudem für eine längere Aufbewahrung, dient als Grundlage für synthetische Kraftstoffe und wird in der chemischen Industrie, die in vielen europäischen Ländern von Bedeutung ist, als Rohstoff benötigt. Entscheidend ist vor allem die Frage, wo der Wasserstoff umgewandelt wird.
Für Aquaventus und Robert Seehawer liegt es nahe, nicht nur die Windkraftanlagen direkt im offenen Meer zu errichten, sondern auch die Elektrolyseure, schlussendlich riesige Anlagen mit der Leistung mehrerer Großkraftwerke. Erstens wäre dort ausreichend Platz, zweitens wäre ein Transport der Energie auf zwei Wegen – per Kabel und per Pipeline – sinnvoller, als nur eine Methode einzusetzen.
Im Gesetz nicht vorgesehen
Am Ende könnte ein komplettes Netzwerk aus Pipelines entstehen, das die Anrainerstaaten von Großbritannien über Dänemark und Norwegen sowie die Niederlande und Deutschland versorgt und verbindet. Vorgesehen ist das im Windenergie-auf-See-Gesetz(öffnet im neuen Fenster) bisher nicht.
Laut dem Gesetz stehen die Elektrolyseure an Land, angeschlossen an große Stromtrassen. Hier werden eine neue Planung nötig sein, neue Konzepte zur Aufteilung der Offshore-Gebiete und Festlegungen, wie die Energie genutzt werden kann. Eine Frage wäre, ob die direkte Stromübertragung Vorrang vor der Speicherung in Form von Wasserstoff hätte. Auch der Austausch der beteiligten Länder untereinander müsste geregelt werden.
Elektrolyse auf See ist keine Standardtechnik
Schließlich gibt es keinen funktionstüchtigen Elektrolyseur, den man einfach nur auf einer Plattform im Meer installieren könnte. Noch laufen auch dazu Forschungsprojekte, die sich mit der autarken Offshore-Wasserstoff-Elektrolyse(öffnet im neuen Fenster) beschäftigen.
Es gibt erste praktische Versuche, die sich allerdings erst in nächster Zeit in den Bereich von einigen Megawatt bewegen – nicht einmal ein Tausendstel der künftig nötigen Kapazität. Andererseits existiert die Technik(öffnet im neuen Fenster) zumindest, die in kleinem Rahmen Wasserstoff, teilweise auch synthetische Rohstoffe erzeugen kann. Der industrielle Maßstab fehlt aber noch.
Es geht auch teurer
Der Ausbau der Technik, überhaupt der Ausbau der Windkraft in der Nordsee, ist ein anderes Thema. Selbst 20 Jahre sind ein ambitionierter Zeitraum, um neben den Windkraftanlagen noch Hochspannungsleitungen, Umspannwerke, Offshore-Elektrolyseure und ein Pipelinenetzwerk für Wasserstoff zu errichten; das Ganze noch dazu koordiniert über die Grenzen der EU hinaus.
Das Unterfangen könnte sich lohnen. Die äußerst optimistischen 500 GW Gesamtleistung könnten pro Jahr so viel Strom liefern wie 150 Atomreaktoren, mehr als alle europäischen Kernkraftwerke derzeit bereitstellen. Zumal der Neubau eines Kernreaktors in Europa in den vergangenen Jahren teuer geworden ist.
Am Ende könnte das Projekt auf die Frage hinauslaufen, ob heimische Energiequellen genutzt werden sollen oder ob auf Importe gesetzt wird. Die Auswahl an lokalen Quellen ist begrenzt, aber der Wind aus der Nordsee ist eine davon.
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