Offshore-Windparks: BP-Tochter pokert um Milliarden und verzögert Ausbau
Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung(öffnet im neuen Fenster) versucht das Unternehmen Jera Nex BP, ersteigerte Flächen in Nord- und Ostsee wieder zurückzugeben. Das deutete sich bereits im Mai an und soll sich den Recherchen zufolge nun bestätigt haben.
Das Tochterunternehmen des britischen Mineralölkonzerns BP ersteigerte im Jahr 2023 Flächen in der Nordsee für 6,8 Milliarden Euro. Noch immer schreibt das Unternehmen auf seinen Webseiten(öffnet im neuen Fenster), dass das Projekt mit einer Gesamtleistung von 4 Gigawatt (GW) in Entwicklung sei.
Mittlerweile soll mit der Bundesregierung über eine Rückgabe verhandelt worden sein, allerdings erfolglos. Dem Windenergie-auf-See-Gesetz zufolge lassen sich ersteigerte Flächen nicht zurückgeben. Demnach müsste Jera Nex BP die gesamte Summe, die größtenteils für den Netzausbau verplant ist, zahlen. 1,5 Milliarden Euro sollen schon überwiesen beziehungsweise als Sicherheit hinterlegt sein.
Verzögerung wird teuer
Sollte das Unternehmen den Ausbau weiter verzögern, könnten erhebliche Mehrkosten entstehen. Dem Bericht zufolge würde der ab 2032 fehlende Strom im deutschen Netz den Großhandelspreis je GW in Summe um 500 bis 600 Millionen Euro erhöhen. Bei 4 GW wären dies mindestens 2 Milliarden Euro pro Jahr.
Hinzu kommt, dass die Netzbetreiber für den nötigen Netzanschluss mit 20 bis 30 Milliarden Euro planen. Eine Investition, die sich nur auszahlt, wenn die Windkraftleistung wie geplant ausgebaut wird.
Laut Süddeutscher Zeitung gibt es zwei realistische Wege aus der verfahrenen Situation: Die Bundesregierung könnte die Flächen zurücknehmen und erneut versteigern, vermutlich zu einer deutlich niedrigeren Summe.
Übersichtlicher Preis pro Kilowattstunde
Oder man warte ab, bis Jera Nex BP wegen eines festen Anschlusstermins mit dem Bau beginnen müsste. Käme das Unternehmen seiner Pflicht nicht nach, ließe sich das Projekt wieder entziehen. Der Ausbau des Offshore-Windparks, der so viel Strom produzieren soll wie ein großer Atomreaktor, würde sich dann um mehrere Jahre verzögern. Bleibt es dabei, dass die BP-Tochter das Projekt nicht weiter verfolgen will, drohen Zusatzkosten in Milliardenhöhe.
Die Gründe dafür bleiben unklar. Möglich ist, dass man bei BP die Entwicklung der Großhandelspreise für Strom anders eingeschätzt hat, als es tatsächlich eingetreten ist. Seit 2023 sanken diese im Schnitt leicht(öffnet im neuen Fenster). Dabei würden die Investition von 6,8 Milliarden Euro in eine Erzeugungsleistung von 4 GW für jede Kilowattstunden gerade einmal 2 Cent Zusatzkosten verursachen.
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