Offline: Admins der Piratenpartei im Warnstreik

Das hat es in der deutschen Parteiengeschichte noch nicht gegeben. Ehrenamtliche Mitarbeiter legen einen Teil der Parteieninfrastruktur lahm, um von Führung und Mitgliedern einen besseren Umgang untereinander zu verlangen. "Wir hatten einen Deal: Wir halten euch den Rücken frei von Verwaltungskram und ihr macht gute Politik. Dieser Deal wurde einseitig gekündigt" , schreiben die für Verwaltung und Technik zuständigen Mitglieder der Piratenpartei auf der Webseite, auf der sie ihren Warnstreik vorstellen(öffnet im neuen Fenster) . Die Admins haben Teile der Infrastruktur der Partei lahmgelegt, darunter Mailinglisten, das Wiki, Etherpads und das Mumble-System für Audio-Chats.
Die Aktion richtet sich ausdrücklich nicht nur gegen den Bundesvorstand, sondern auch gegen die Basis. Die Mitarbeiter von Verwaltung und Technik erwarten unter anderem eine "Diskussionskultur ohne Mobbing, Drohungen und Hetzjagden" , mehr Solidarität untereinander und "mehr Beschäftigung mit Themen anstelle von Gate-Tourismus" . Damit ist wohl auch das sogenannte Bombergate gemeint, um das es in den vergangenen Tagen Streit gegeben hatte.
Streit um Protestaktion in Dresden
Dabei ging es um eine Protestaktion in Dresden. Dort hatten Mitte Februar 2014 zwei Frauen – bei denen nicht ganz klar ist, ob sie zur Femen-Gruppe gehören oder nicht – unter anderem dem britischen General gedankt, der im Februar 1945 das Flächenbombardement auf die Stadt mit mehr als 20.000 Toten befehligt hatte. Offenbar, so der Berliner Kurier(öffnet im neuen Fenster) , war die Berliner Piraten-Politikerin und Europakandidatin Anne Helm an der Aktion beteiligt. Seitdem gibt es in der Partei erbitterte Debatten zwischen linken und liberalen Mitgliedern.
Im Netz wird der Warnstreik der Piraten kontrovers diskutiert. Unter dem Hashtag #Orgastreik(öffnet im neuen Fenster) gibt es neben den unvermeidlichen Scherzbeiträgen viele ernsthafte Meinungsäußerungen. Bei denen scheinen sich Zustimmung und Ablehnung zur Aktion die Waage zu halten. Mitglieder weisen besonders auf einen Punkt hin: "Wir sind gegen Infrastrukturabschaltung überall auf der Welt aus politischen Gründen. Aber wir machen es" , so ein Pirat(öffnet im neuen Fenster) .