Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Office fürs iPad: Der neue Masterplan von Microsoft

Microsoft löst sich von den Fesseln seines Betriebssystems: Statt von Windows spricht der neue Microsoft-Chef Satya Nadella vom iPad - und stellt das lang erwartete Office-Paket für das Apple-Tablet vor.
/ Axel Postinett (Handelsblatt)
142 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Microsoft-Chef Satya Nadella bei der Vorstellung von Office für iPad (Bild: Josh Edelson/AFP/Getty Images)
Microsoft-Chef Satya Nadella bei der Vorstellung von Office für iPad Bild: Josh Edelson/AFP/Getty Images

Satya Nadella hält, was Steve Ballmer versprochen hat. Microsoft wird unter seiner Führung zur globalen Cloud-Company und befreit seine Produkte von den Fesseln des Betriebssystems Windows. Seit heute gibt es speziell für Apples Tablet iPad angepasste Versionen der Erfolgsprogramme Word, Excel und Powerpoint.

Gerüchte darüber gab es schon lange, eine Version für das iPhone ist bereits erhältlich. Aber Nadella sendet eine klare Botschaft damit, dass er die Vorstellung der iPad-Apps nach 52 Tagen im Amt zu seinem ersten öffentlichen Auftritt macht. "Die nächsten zehn bis 15 Jahre werden nicht mehr durch die Form von Computern geprägt werden, die wir schätzen und lieben gelernt haben" , stellt er zu Beginn lakonisch fest. Eine schöne Umschreibung für den Niedergang der PCs, von denen Microsoft so lange profitiert hat. Jetzt bestimmt er den Hintergrund für Nadellas Masterplan. Microsoft will überall sein.

Auf jedem Gerät verfügbar sein

Es ist ein neues Microsoft, das der 46-Jährige vorstellt, der schon seit 22 Jahren bei Microsoft ist. Es ist ein Microsoft der leisen Töne. Vorbei die polternde Hemdsärmeligkeit eines Steve Ballmer. Ruhig und verbindlich, in Jeans und schwarzem Polo-Hemd stellt sich der CEO mit den indischen Wurzeln der Öffentlichkeit. Er will mit Microsoft die Schnittstelle zwischen mobilen Endgeräten und Internet besetzen.

Wenn die Kunden dabei mit Windows-Geräten arbeiten, umso besser, wenn nicht, auch egal: "Wir werden sicherstellen, dass Office auf jedem Tablet, jedem Smartphone, jedem PC und im Internet verfügbar ist." Ein dramatischer Wandel im Vergleich zu früher, wo das Office-Paket als stärkstes Zugpferd für den Verkauf von Windows-Geräten gesehen wurde. Im Hintergrund verbindet dann Microsofts Internetspeicher Onedrive (früher Skydrive) alle Angebote: "Eine Internet-Cloud für jedermann auf jedem Gerät" , lautet die Devise.

Die iPad-Apps stehen zum kostenlosen Download in Apples iTunes App Store zur Verfügung. Damit lassen sich alle Office-Dokumente, die zum Beispiel auf einem PC oder mit einer Office-Version auf Apples Mac-Computern erstellt wurden, lesen. Wer auf dem iPad Dokumente erstellen oder bearbeiten will, muss zusätzlich ein Internet-Abonnement für Office abschließen, für knapp 10 US-Dollar pro Monat oder 99 US-Dollar pro Jahr.

Microsoft greift Apple im eigenen Territorium an

Die kostenlose Lesefunktion alleine wird schon für eine schnelle Verbreitung der App sorgen. In Millionen Büros und Arbeitszimmern ist Windows weltweit bereits auf diversen Computern und Laptops installiert. Wer darauf eine Powerpoint-Präsentation erstellt, der kann sie jetzt mit seinem iPad vorführen. Microsoft greift Apple damit im eigenen Territorium an.

In weiser Voraussicht hatte Apple bereits seine eigene Bürosoftware iWorks kostenlos gemacht, um den erwarteten Ansturm aus Redmond besser abfedern zu können. Für Nadella ist es der Einstieg in einen Massenmarkt. Alleine 26 Millionen iPads hat Apple im vergangenen Quartal verkauft, die Microsoft-eigenen Tablets namens Surface wollten nach Erhebungen von Marktforschern gerade mal eine Million Kunden kaufen.

Für Apple sind das keine guten Nachrichten. CEO Tim Cook muss nicht nur den Cloud-Computing-Markt besetzen, sondern auch den Geschäftskundenbereich. Mit den Geräten ist ihm letzteres gelungen. Aber bei den Internetdiensten hängt Apple hinterher und droht jetzt ganz den Anschluss zu verlieren.

"Haben bei Windows eine massive Agenda vor uns"

Natürlich sind die Microsoft-Angebote, egal ob Office, Skype, E-Mail oder Onedrive, alle an ein Nutzerkonto bei Microsoft gebunden. Stück für Stück erobert Nadella so die Apple-Welt. Auf jedem Gerät läuft eine Microsoft-App, und im Hintergrund laufen alle Informationen über Microsofts Internet-Server. Das ist Nadellas Ziel, und das kann weder Apple noch Google mit seiner Bürosoftware gefallen.

Zum Schluss der Präsentation kommt aber auch noch Windows zum Zuge. "Wir haben da eine massive Agenda vor uns" , erklärt Nadella und verweist auf die Hausmesse Build in der kommenden Woche. Dort werde es Neuigkeiten geben. "Wir werden innovativ sein" , verspricht er. Aber das heißt nicht, dass es in Zukunft irgendwelche Zurückhaltungen oder eine Vorzugsbehandlung für Windows geben wird, stellt er klar. Er hat den offenen Kampf jeder gegen jeden eröffnet - extern, aber auch intern.

Das wird sich natürlich im Bereich Hardware niederschlagen. Hier will Nadella weiter "aggressiv" gegen die Wettbewerber antreten. "Wir freuen uns auf Nokia" , erklärt er auf Nachfrage in San Francisco. Die Übernahme soll noch im ersten Halbjahr abgeschlossen werden. Tablets und Smartphones sind heute neben der Spielekonsole Xbox One im Repertoire Microsofts. Immer mehr Analysten fordern jedoch eine Abspaltung der Konsumelektronik und eine Fokussierung Microsofts auf den Business-Bereich, aus dem auch die Masse des Umsatzes kommt. Ersteres will Nadella offenbar noch nicht, aber letzteres ist bereits angelaufen.


Relevante Themen