Office-App fürs iPad ausprobiert: Alles in einem und eines für alles
Wenn es um Produktivitätssoftware auf iOS-Geräten geht, führt wohl in vielen Fällen an Microsofts Office-Apps nichts vorbei. Word, Excel und Powerpoint sind in vielen Unternehmen als der Standard für Textverarbeitung und Tabellenkalkulation etabliert. Doch warum wir dafür jeweils eigene Programme installieren, uns jedes Mal neu anmelden und umständlich zwischen ihnen hin- und herwechseln müssen, haben bisher wohl die wenigsten verstanden.
Wohl auch deshalb hat Microsoft die Office-App veröffentlicht. Diese kombiniert die bekannten Applikationen Word, Excel und Powerpoint in einer uniformen Benutzeroberfläche und ergänzt das sogar noch um weitere recht nützliche Produkte wie Microsoft Lens. Wir haben uns die App angeschaut.
Drei Programme in einem
Um es kurz zu machen: Es verändert sich nicht allzu viel. Wir melden uns noch immer mit unserem privaten oder geschäftlichen Microsoft-Konto an und können direkt mit dem Bearbeiten von Dokumenten und Tabellen loslegen.
Etwas anders ist der Einstieg allerdings schon, denn zum Start der App werden zunächst alle bisher verwendeten Dateien und Projekte in einem Dashboard angezeigt. Die Office-App synchronisiert zudem Freigaben von anderen Microsoft-365-Konten, die uns zur Verfügung stehen.
Gerade auf dem iPad Pro, welches mit 12,9 Zoll doch recht viel Platz auf dem Bildschirm hat, finden wir allerdings wichtige Schaltflächen – etwa für das Erstellen neuer Dokumente – noch etwas klein. Wir müssen mit dem Finger oder optional mit der Maus schon recht präzise treffen, um Falscheingaben zu vermeiden.
Auch wenn wir neue Dokumente erstellen – das geht über das kleine Plus-Symbol in der rechten unteren Ecke – bekommen wir ein zu kleines Menü präsentiert. Das lässt sich mit dem Finger recht unkomfortabel bedienen, während das Auswahlmenü nicht einmal 10 Prozent des gesamten Bildschirms einnimmt. Hier kann Microsoft definitiv noch einiges verbessern. Das Vergrößern von GUI-Elementen dürfte recht schnell gehen und wenig Probleme machen.
Über die Schnellleiste an der linken Seite gelangen wir in der Office-App an weitere Elemente, wo wir in den Einzelapplikationen zuvor nur Dokumentenvorlagen vorgefunden haben. Wir können unser iPad oder damit synchronisierten Cloud-Storage etwa per Dateimanager durchsuchen. Der wurde direkt aus den bekannten iPad-Applikationen für Office übernommen und bleibt unverändert.
Das gewohnte Interface beim Schreiben
Das gilt übrigens auch generell, wenn wir uns innerhalb der Applikationen bewegen. Das Schreiben auf dem iPad, das Erstellen von Tabellen oder Zusammenstellen von Präsentationen ist wie gewohnt praktisch und einfach machbar. Am besten nutzen wir hierfür Tastatur und Maus, welche vom iPad und auch von der Office-App gut unterstützt werden.
Wir können wie gehabt Texte schreiben, formatieren, Bilder aus Cloud und vom lokalen Speicher einfügen und unsere Projekte mit anderen Teammitgliedern teilen. Auch gibt es einen Dialog, mit dem wir Dateien vom Desktopsystem auf das iPad übertragen können und umgekehrt. Einen großen Unterschied zur Desktop-Version von Microsoft 365 gibt es hier kaum noch, bis auf die eher auf Touch-Geräte ausgelegte Benutzeroberfläche und die damit anders angeordneten Elemente.
Neu sind allerdings Microsoft Lens, ein Formulareditor und ein kleiner Notizblock, welche die Office-App recht nützlich machen.
Bilder einscannen mit Microsoft Lens
Wirklich innovativ ist das Scannen von Bildern und deren Umwandlung in PDF-Dateien nicht unbedingt. Diese Aufgabe hat bisher etwa Microsoft Lens – neben Produkten anderer Hersteller – übernommen. Allerdings integriert Microsoft die Funktion tief in der Office-App.
Entsprechend können wir etwa ein ausgedrucktes Formular mittels Fotoscan in editierbaren Text für ein Word-Dokument umwandeln. Das ist mit gedruckten Buchstaben in den meisten Fällen kein Problem und funktioniert mit etwas Wartezeit bei der Analyse in der Cloud zuverlässig – solange wir einen kontraststarken homogenen Hintergrund nutzen und die Bildränder in einigen Fällen anpassen.
Bei handgeschriebenen Texten versagt die Software hingegen völlig. Hier werden Buchstaben nur unvollständig oder teilweise gar nicht erkannt. Das Ergebnis ist entsprechend fast immer unbrauchbar. Wir können alternativ ein A4-Blatt aber auch auch als Bild in Word-Dokumente oder Tabellen importieren.
Ebenfalls praktisch ist die Scan-to-PDF-Funktion, bei der wir eine oder mehrere gedruckte Seiten in das vielgenutzte Format umwandeln können. Damit ist es zudem möglich, unsere handgeschriebene Signatur auf dem Touchscreen des iPads vorzunehmen und damit Dokumente digital zu unterschreiben.
Neben diesen bereits bekannten Funktionen hat Microsoft einen rudimentären Formular-Editor eingefügt. Darüber lassen sich Umfragen und andere Dokumente relativ einfach erstellen. Ein weiteres Tool, der Notizblock, ist etwa für Einkaufslisten, To-do-Listen oder ein Meetingprotokoll geeignet. Notizen können – wie alle Dokumente in der App – per Dateimanager auf dem iPad oder in einer Cloud der Wahl gespeichert werden.
Die Office-App selbst ist kostenlos herunterladbar, erfordert aber ein Microsoft-Konto mit aktiviertem Office-Abo. Ansonsten können Programme wie Excel, Word und Powerpoint nicht genutzt werden.
Office-App – Fazit
Obwohl die Funktionalität der Zusatzapps bisher noch eingeschränkt ist und im Falle von Microsoft Lens noch nicht immer zuverlässig ist, bietet Microsoft mit der Office-App doch eine sinnvolle zentrale Anlaufstelle für alle Office-Teilprogramme.
Das Tool löst damit die recht unübersichtliche Auswahl an Microsoft-Applikationen ab, deren parallele Nutzung oft umständliches Hin- und Herwechseln erfordert hat. Dabei werden Programme wie PDF-Scanner, Notizblock und Formulareditor sinnvoll in Word Excel und Powerpoint integriert.
Wünschenswert wäre es, wenn Microsoft Bedienelemente auf dem iPad etwas größer gestalten würde, damit auch die Fingereingabe und die Übersichtlichkeit besser werden. Derzeit sind viele Symbole und Menüpunkte auf dem 12,9 Zoll großen iPad Pro sehr klein und wir haben uns mehr als einmal vertippt.
Die Office-App bietet genug Möglichkeiten, um mit weiteren Mini-Apps erweitert zu werden. Das allein ist schon ein guter Grund, darauf umzusteigen. Früher oder später wird Microsoft sicher auch die einzelnen Programme für Word, Excel und Powerpoint nicht weiter unterstützen, weshalb ein Umstieg auf lange Sicht sowieso unausweichlich ist.
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