Deutschland trabt Europa hinterher

Generell kommunizierten Behörden inzwischen weder in Deutschland noch in der EU den Einsatz freier Software so offen wie noch vor drei oder vier Jahren, beklagt Hillenius. Meist seien es unspektakuläre Änderungen an der Infrastruktur, etwa der Umstieg auf Linux auf Servern oder auf freie Datenbanken wie PostgreSQL, die "einfach funktionieren." Dann werde darüber nicht geredet.

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Er nennt aber auch Projekte wie das in der autonomen Gemeinschaft Estremadura in Spanien, dessen Regionalverwaltung Linux auf 40.000 Desktops einsetzt, oder die französische Gendarmerie, die Open-Source-Software auf 85.000 Desktops nutzen will, also weitaus mehr als die über 14.000 Arbeitsstellen, die in München umgerüstet worden sind.

Hillenius zählt indes auch auf, in welchen EU-Ländern Open-Source-Software inzwischen per Gesetz gefördert wird, etwa Island, Portugal oder Griechenland, aber auch Norwegen und Großbritannien. Warum Deutschland - sonst vielerorts Vorreiter und Vorbild in Europa - ausgerechnet bei Open Source ins Hintertreffen gerät, ist ihm unverständlich.

Wirtschaftliche Aspekte erkannt

Die politische Landschaft in Deutschland sei sich bei Open Source uneinig, sagte Matthias Kirschner von der Free Software Foundation Europe in Deutschland. Es sei eben noch ein spezielles Thema, fügt Gelbhaar hinzu. Kirschner habe aber beobachtet, dass in den vergangenen Jahren der wirtschaftliche Aspekt freier Software immer mehr erkannt wird. Es gehe nicht mehr nur darum, Open Source als "kostenlose" Software zu betrachten, sondern auch um die Vorteile der Nachhaltigkeit und nicht zuletzt auch um die Herstellerunabhängigkeit. Das sei auch der zunehmenden Verbreitung von Open Source in kleinen und mittleren Unternehmen zu verdanken.

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Der Einsatz von Open-Source-Software solle aber nicht per Gesetz erzwungen werden. Darauf weist der ehemalige IT-Leiter der Stadt Berlin Karl-Heinz Löper hin: Open-Source-Software müsse sich dem freien Wettbewerb stellen. "Wenn Open Source gut funktioniert, dann ist das die Messlatte, und nicht die Anzahl der Linux-Terminals." Die gesamte Infrastruktur müsse eben funktionieren.

Keinen Vorzug für die GPL

Der Gleichbehandlungsgrundsatz verbiete es ohnehin, die GPL oder ähnliche Lizenzen in Ausschreibungen vorauszusetzen, sagte Hofmann. Das werde auch nicht gemacht. Gelbhaar ist da anderer Meinung. Die Grünen haben im Berliner Senat einen Antrag gestellt, um "genau diese Frage rechtlich zu klären." Denn sobald zur kostenlosen Software ein kostenpflichtiger Support hinzukommt, gelten möglicherweise ganz andere Kriterien nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz, argumentiert Gelbhaar.

Hillenius fügt nach einem Zuschauerhinweis auch hinzu, dass freie Software nicht neu akquiriert werden müsste, denn sie werde ja eigentlich nicht erworben, sondern nur kopiert oder wiederverwendet. Behörden in der EU würden ohnehin ungern ausschreiben, es sei mühsam, schmerzhaft, brauche sehr viel Zeit und führe oftmals nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Bei 20 Prozent der Ausschreibungen werden sogar unerlaubte Entscheidungen getroffen, um sie abzukürzen, sagte Hillenius.

Offene Standards per Gesetz

Ein Gesetz zur Verpflichtung der Nutzung von freien Formaten in Behörden würde zumindest eine wesentliche Hürde zur Verwendung freier Software beseitigen, darin waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig.

Das beweist, was Hillenius aus dem Alltag portugiesischer Beamter erzählt: Auf seine Anfrage bei einer Behörde, ob sie Probleme bekämen, wenn sie Dokumente im ODF-Format an ein Ministerium schicken, war die lapidare Antwort: "Wenn sie sich beschweren, verweisen wir einfach auf das Gesetz."

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 Offene Formate in Deutschland: "Passiert ist nix!"
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teleborian 10. Sep 2013

Das ist ja allgemein bekannt, die Frage wie sich der Standard weiterentwickelt ist das...

Lala Satalin... 27. Mai 2013

Dann probiert mal OO oder LO Impress zwischen den Versionen. ;)

Thaodan 24. Mai 2013

Zu mal selbst wenn man die Spezifikation als Indiz für den Offenheit des Formates nimmt...

k@rsten 24. Mai 2013

Wie schlecht die Situation für den Verbraucher, ob nun Privat, Behörde oder Unternehmen...



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