Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Österreich: Identitätsdiebstahl per Bürgerkarte

Das System für elektronische Signaturen in Österreich, die Bürgerkarte, weist eine Sicherheitslücke auf. Über den Angriff auf ein Java-Applet können Zugriffe so umgeleitet werden, dass der Nutzer auf der falschen Webseite unterschreibt.
/ Nico Ernst
18 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Die österreichische Bürgerkarte (Bild: Wolfgang Ettlinger/Screenshot: Golem.de)
Die österreichische Bürgerkarte Bild: Wolfgang Ettlinger/Screenshot: Golem.de

In einem Vortrag beim Security Forum(öffnet im neuen Fenster) an der FH Oberösterreich in Hagenberg hat der Student Wolfgang Ettlinger eine Sicherheitslücke beim System der Bürgerkarte(öffnet im neuen Fenster) aufgezeigt. Veranstaltet wurde die Konferenz vom Verein(öffnet im neuen Fenster) Hagenberger Kreis zur Förderung der digitalen Sicherheit. Die Bürgerkarte dient Österreichern dazu, sich beispielsweise beim Onlinebanking oder bei E-Government-Anwendungen zu legitimieren.

Dazu gibt es neben der auf PCs lokal zu installierenden Bürgerkartenumgebung (BKU) auch die Möglichkeit, die Authentifizierung über ein Java-Applet vornehmen zu lassen. Das ist beispielsweise nützlich, um den Dienst auch mit mobilen Geräten zu nutzen.

Österreichs Bürgerkarte - Demo eines Angriffs
Österreichs Bürgerkarte - Demo eines Angriffs (02:35)

Ettlingers Angriff basiert darauf, die Eingabe der PIN für die Bürgerkarte mitsamt der erfolgreichen Authentifizierung - die beispielsweise in einem Cookie gespeichert werden kann - abzufangen und umzuleiten. Wie bei vielen Java-Lücken kommt dabei ein versteckter iFrame zum Einsatz.

Der Beschreibung des Angriffs(öffnet im neuen Fenster) zufolge lässt sich das auch mit einem selbstgemachten Applet erreichen, das sich mit den Authentifizierungsservern verbindet. Damit ist es möglich, auch auf betrügerischen Webseiten, wie bei typischen Phishing-Angriffen, die Daten der Bürgerkarte abzufangen. Im Hintergrund können dann ganz andere Aktionen ablaufen wie beispielsweise eine Buchung per Onlinebanking. Ettlinger hat das mit dem Konto eines Freundes und dessen ausdrücklicher Zustimmung auch bereits demonstriert und in einem Video festgehalten.

Dem Student zufolge hat das österreichische Mocca-Projekt(öffnet im neuen Fenster) , das für das Bürgerkarten-Applet verantwortlich ist, die Lücke bereits geschlossen. Die früheren Versionen des Programms sind aber immer noch digital signiert und können missbraucht werden. Laut Ettlinger ist die einzige gründliche Abhilfe eine Aufnahme der alten Applets in die Blacklists von Java-Umgebungen.


Relevante Themen