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Österreich: Alterskontrollen im Netz als Doppelblindverfahren

Ein komplexes kryptografisches Verfahren soll dafür sorgen, dass Identitätsprovider und Videoplattformen nur das Nötigste an Daten bekommen. Die Kollateralschäden dieses nationalen Alleingangs werden ignoriert.
/ Erich Moechel
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Im österreichischen Parlament liegt aktuell ein Gesetzesentwurf, der Minderjährige vor Videosharing-Diensten schützen soll. (Bild: Joe Klamar/AFP via Getty Images)
Im österreichischen Parlament liegt aktuell ein Gesetzesentwurf, der Minderjährige vor Videosharing-Diensten schützen soll. Bild: Joe Klamar/AFP via Getty Images
Inhalt
  1. Österreich: Alterskontrollen im Netz als Doppelblindverfahren
  2. Österreich versus Meta, Google und Co.
  3. Bleibt nur die ID-Austria
  4. Win, Win, Win
  5. 45 Millionen Touristen wurden vergessen

Seit Anfang September sind auf einer kriminellen Plattform im Darknet die Datensätze von 153 Millionen US-Staatsbürgern käuflich erwerbbar. Sie stammen aus der Datenbank des US-Identitätsproviders IDScan.

Identitätsservices werden vor allem in den USA für Anträge bei Behörden, Finanztransaktionen und Geschäfte aller Art benutzt. Diese kostenpflichtigen Dienste sind aber auch bevorzugte Ziele von Kriminellen, weil dort verifizierte Ausweisdaten zu holen sind.

Die österreichische Bundesregierung will nun alle Benutzer von Youtube und anderen Videostreaming-Diensten dazu zwingen, ihre Ausweisdaten bei Identitätsprovidern zu hinterlegen.

Erst einmal wird gesperrt

Im österreichischen Parlament liegt noch bis 22. September ein Gesetzesentwurf zur Begutachtung(öffnet im neuen Fenster), der "Minderjährige vor Videosharing-Diensten schützen" soll, "die deren körperliche, geistige oder sittliche Entwicklung beeinträchtigen". So heißt es in den Erläuterungen zum Entwurf (PDF)(öffnet im neuen Fenster).

Dafür müssen alle Benutzer von Youtube, Tiktok oder Instagram ihre Ausweisdaten bei einem Identitätsprovider zur Freigabe dieser Websites deponieren. Große Videoplattformen sollen nach Inkrafttreten des Gesetzes in Österreich nämlich vorerst allesamt gesperrt und erst nach individueller Altersüberprüfung freigegeben werden.

Ausweispflicht für Youtube, Instagram und Tiktok

"Das ist die Dystopie, vor der wir immer gewarnt haben. Eine De-facto-Ausweispflicht für die gesamte Bevölkerung zur Internetbenutzung", sagte Thomas Lohninger von der Bürgerrechtsorganisation Epicenter.works(öffnet im neuen Fenster) zu Golem.

Allein der haushohe Marktführer Youtube erreicht mehr als 80 Prozent der österreichischen User, dahinter liegen Instagram mit mehr als drei Millionen Accounts in Österreich und die Videoplattform Tiktok, die derzeit am schnellsten wächst.

Algorithmen und Verweildauer

All diese Plattformen arbeiten mit Empfehlungsalgorithmen, die den Benutzern unablässig mehr von ähnlichen Inhalten anbieten, die gerade abgerufen wurden. Das kann nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen zu Suchtverhalten führen.

Dieses Verhalten wird von den Internetkonzernen aktiv verstärkt, weil es die Verweildauer verlängert und dadurch der Umsatz steigt. Von der sittlichen Frage einmal abgesehen, ist Suchtverhalten für die geistige Entwicklung von Jugendlichen natürlich sehr abträglich.


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