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Berliner warten im Regen vergeblich auf den Bus (Symbolbild).
Berliner warten im Regen vergeblich auf den Bus (Symbolbild). (Bild: Pawel Kopczynski/Reuters)

ÖPNV in Berlin: Wie die BVG virtuelle Busfahrten erfindet

Berliner warten im Regen vergeblich auf den Bus (Symbolbild).
Berliner warten im Regen vergeblich auf den Bus (Symbolbild). (Bild: Pawel Kopczynski/Reuters)

Wer in Berlin mit der BVG Bus fährt, versucht die mangelhafte ÖPNV-Pünktlichkeit oft mit Apps zu kompensieren und sich zu informieren. Das wird aber spätestens dann ein Problem, wenn die Fahrten nur virtuell stattfinden - sogar mit echt wirkenden Verspätungen.
Von Andreas Sebayang

Eine Busfahrt ist in Berlin manchmal alles andere als lustig. Verspätungen sind an der Tagesordnung in der mitunter überfüllten Stadt, insbesondere wenn die Wetterwarnungen fast im Stundentakt per E-Mail oder App-Notification mit dem Regen niederprasseln. So ist es dann auch am späten Nachmittag des 29. Juni 2017. Die Hauptstadt ist nass und manche Busse fahren unter Wasser. Gerade in solchen Situationen ist das Internet per Mobilfunk oft hilfreich: Per App ermitteln wir, wann der nächste Bus kommt, und sprinten erst kurz vorher zur Haltestelle. Soweit die Theorie.

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  • Einer der V-Busse, die am Donnerstagabend nicht gefahren sind. (Screenshot: Golem.de)
  • Am Morgen danach: Kommt hier ein V-Bus oder ein echter Bus? Diese Fahrt wäre so nur möglich, wenn der Busfahrer auf seine Pause verzichtet. (Screenshot: Golem.de)
  • Als wir den Bus beobachteten, sahen wir schon den Bus aus der Gegenrichtung. Auf der Karte ist dieser aber nicht zu sehen. (Screenshot: Golem.de)
  • Kann auch mal passieren, der virtuelle Busfahrer entscheidet sich dafür rückwärts zu fahren.  (Screenshot: Golem.de)
  • Und fährt dann doch wieder los. (Screenshot: Golem.de)
  • Die Verspätung erhöht sich. (Screenshot: Golem.de)
  • Laut BVG hat unser Bus die Fähigkeit, Echtzeitangaben zu übermitteln. (Screenshot: Golem.de)
  • Erkennbar ist das an dem fehlenden Sternchen. (Screenshot: Golem.de)
  • Noch immer bewegt sich der Busfahrer nicht, hat aber angeblich auch keine Pause mehr. (Screenshot: Golem.de)
  • Die Verspätung nimmt zu.(Screenshot: Golem.de)
  • Offenbar setzt sich der Bus in Bewegung. (Screenshot: Golem.de)
  • Jetzt steht er direkt vor uns ... (Screenshot: Golem.de)
  • ... und wird auch zeitlich angezeigt. (Screenshot: Golem.de)
  • An der Haltestelle warten nur Fahrgäste (Foto: Andreas Sebayang/Golem.de)
  • Der Bus ist weg. Es könnte ein V-Bus sein, doch wir sind uns nicht sicher ... (Screenshot: Golem.de)
  • ... und verlassen uns auf Falschangaben. (Screenshot: Golem.de)
  • Und da kommt der Bus doch ein paar Minuten später. Anscheinend hat der Bus gar keinen Transponder und ein V-Bus läuft als Prognose parallel. (Foto: Andreas Sebayang/Golem.de)
Einer der V-Busse, die am Donnerstagabend nicht gefahren sind. (Screenshot: Golem.de)

Allerdings kommt der Bus eben nicht. Genauso wenig der nächste, der laut App nur wenige Minuten entfernt sein sollte. Was ist passiert? Die Antwort ist einfach: Es gibt diese Fahrten gar nicht. Die BVG erfindet Busfahrten in der digitalen Welt - und verweist in der App darauf, dass es keine Gewährleistung für die Echtzeitangaben gibt. Neugierde, Frust und ein wenig Bockigkeit führen dazu, dass wir nicht zum U-Bahnhof gehen, sondern an der Bushaltestelle stehenbleiben, warten und dabei die Lage ausführlich analysieren. Wir haben dabei die seltene Gelegenheit, solche erfundenen Fahrten in großer Menge zu erkennen und die Busse virtuell an uns vorbeifahren zu sehen, und zwar an der Elektrobuslinie 204. Dort sind E-Busse (akkubasiert) und D-Busse (dieselbasiert) im Einsatz.

V-Busse ergänzen die E-Busse der Linie 204

Die virtuellen Busfahrten als solche zu erkennen, ist nicht ganz einfach. Wird für einen Bus eine korrekte Abfahrtszeit über die gesamte Linie angegeben, können wir ihn virtuell im Zeitstrahl an uns vorbeifahren sehen - während auf der Straße kein Bus erscheint. In so einem Fall haben wir einen V-Bus erwischt, einen virtuellen Bus. Auch für V-Busse zeigt die App mitunter Verspätungen an, und dadurch wirken gerade solche Busse unheimlich real. Der hoffnungsvolle Fahrgast wartet weiter, da er weiß: Werden Busse mit einer Verspätung angezeigt, kommen sie meist auch zuverlässig verspätet und fallen nicht komplett aus. Wird dagegen überhaupt keine Verspätung für einen Bus angezeigt, ist die Ausfallwahrscheinlichkeit hoch, auch wenn etwa die Webseite der BVG zeigt, dass der Bus einen Transponder hat.

Wir beobachten auf der Linie 204 zahlreiche V-Busse mit erheblicher Verspätung parallel zu pünktlichen V-Bussen. Mitunter können wir sie im Rudel mit wenigen Minuten Abstand in unserer App an uns vorbeifahren sehen. Fahrplanmäßig fahren die E- und D-Busse nur alle 20 Minuten, Taktlücken von 40 Minuten sind auf der Linie seit Jahren nicht ungewöhnlich. Die Buslinie gehört damit aber nicht zu den besonders unzuverlässigen, wie Kenner der Linien M46 oder M29 wissen. Da ist es schlimmer.

Unsere V-Busse werden interessanterweise nicht auf der Livekarte des Verkehrsverbunds Brandenburg (VBB) angezeigt. Allenfalls in der Nähe von Endstellen werden sie in der Livekarte manchmal gelistet und bewegen sich dann nicht oder fahren rückwärts. So können wir einen V-Bus in der VBB-Livekarte am Zoologischen Garten beobachten, der sich nie in unsere Richtung in Bewegung setzt und auch gar nicht existiert.

Die Busse könnten aussortiert werden

Während unserer 45 Warteminuten fährt kein einziger realer Bus an uns vorbei, weder auf unserer Straßenseite noch in der Gegenrichtung. Dass die Ausfälle der App nicht bekannt sind, verwundert. Denn laut VBB-Livekarte sind die nötigen Daten vorhanden, und auch aus den regulären Echtzeitangaben lässt sich ein problematischer Umlauf schnell als solcher identifizieren und über eine gute Programmierung aus der Anzeige nehmen. Was nicht da ist, sich nicht per Transponder meldet, kann auch keine Folgefahrten aufnehmen.

Auf der VBB-Livekarte können wir gut eine halbe Stunde später zu Hause - für ein weiteres Warten wird es zu nass - in der Nähe der Haltestelle einen Bus mit Transponder Richtung Zoo ausmachen. Er ist vermutlich echt, da die Bewegungen stimmig waren.

Die BVG weiß von dem V-Bus-Phänomen 

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Zensurfeind 18. Jul 2017

Virtuelle Fahrzeuge könnten dafür verwendet werden, Statistiken zu schönen.

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Walter Plinge 14. Jul 2017

Ja, das kenne ich auch. Besonders auffällig immer dann, wenn aufgrund einer...

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perahoky 14. Jul 2017

Ich war bei der Berliner Mauer und habe geschaut wie ich am besten zur Museumsinsel...

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asca 10. Jul 2017

Ja, funktioniert super im Westberliner Tramnetz ;-) In Berlin leben wieviele Mio...

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Ibob 10. Jul 2017

Ja was denn nun? Sie weisen die Existenz zurück bestätigen sie aber gleichzeitig?

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