Herumirren, warten - und fünf Seiten Dokumentation für das RMV-E-Ticket

So ortskundig sind wir dann allerdings auch wieder nicht. Wir irren 15 Minuten am Flughafen herum und studieren Karten, bevor wir per Zufall eines der beiden Reisezentren entdecken. Service wird hier offenbar großgeschrieben: Gleich ein ganzer Schalter ist besetzt. Zudem erstaunen uns die eingeschränkten Öffnungszeiten. Der RMV verlangt zwar von Neuankömmlingen, sich ein E-Ticket an einer der exklusiven Verkaufsstellen zu besorgen, lässt den Verkauf aber nur innerhalb der Geschäftszeiten zu. Die schönen elektronischen Automaten vor dem Reisezentrum sind nur noch für Einzelfahrausweise brauchbar. Die gibt es auf Papier.

  • Das kürzlich erworbene E-Ticket des RMV wird im Oktober 2017 Plastikmüll. Die OV-Chipkarte der Niederlande verfällt im Jahr 2020. (Foto: Andreas Sebayang/Golem.de)
  • Selbst die Sonderform aus Südkorea (unten) ließ sich in Seoul aus einem Automaten beziehen - dank hilfsbereitem U-Bahnhof-Personal sogar schneller als am Frankfurter Flughafen. (Foto: Andreas Sebayang/Golem.de)
  • Wir müssen überlegen: In unserer Sammlung müsste sich eigentlich nur eine Karte finden, die nicht aus einem Automaten kommen kann. (Foto: Andreas Sebayang/Golem.de)
Das kürzlich erworbene E-Ticket des RMV wird im Oktober 2017 Plastikmüll. Die OV-Chipkarte der Niederlande verfällt im Jahr 2020. (Foto: Andreas Sebayang/Golem.de)


Wir verbringen eine gefühlte Ewigkeit in der Reisezentrumsschlange. Als wir endlich an der Reihe sind, stellen wir fest: Das Ausstellen des Tickets selbst ist auch nicht ganz einfach. Rund eine Minute dauert der Schreibvorgang auf das E-Ticket. Völlig normal, wie uns der DB-Mitarbeiter sagt, der ebenso wenig glücklich über das E-Ticket zu sein scheint wie wir. Dann halten wir endlich die Smartcard in der Hand. Doch das ist noch nicht alles: Der DB-Mitarbeiter reicht uns noch eine fünfseitige Dokumentation inklusive Rechnung. Genug Papier, um 50 Wochen- oder Monatskarten auszudrucken.

Technischer Rückschritt, schlecht für die Umwelt

Der DB-Mitarbeiter klärt uns zudem darüber auf, dass die Karte nur 20 Monate funktioniert. Wer regelmäßig eine Monatskarte oder alle paar Jahre mal eine Wochenkarte braucht, erzeugt also mit dem E-Ticket mit der Zeit nicht nur erheblich mehr Papiermüll als mit einer Fahrkarte auf Papier, sondern auch noch Plastik- und Chipmüll.

Das persönlich durch Mitarbeiter ausgegebene E-Ticket ist also ein erheblicher technischer Rückschritt im Vergleich zu den Papiertickets, die von elektronischen Automaten rund um die Uhr ausgegeben werden. Über all diese Probleme klärt der RMV allerdings nicht auf. Das erinnert uns frappierend an die unehrliche Einführung des E-Tickets in Form der VBB-Fahrcard in Berlin.

Hoffnung für die Zukunft gibt es auch nicht. Denn für das Lösen von Einzelfahrausweisen oder Guthabensystemen ist das E-Ticket im RMV an sich nicht geeignet. Im Verbund fehlt die Tap-in-Tap-out-Infrastruktur zum An- und Abmelden einer Fahrt. Dabei sind E-Ticket-Systeme dafür eigentlich ideal. Doch von einem System, wie es in London, San Francisco, Seoul, Valencia, Sevilla, den kompletten Niederlanden oder Tokio seit Jahren, teils Jahrzehnten üblich ist, ist das E-Ticket im RMV Jahre entfernt.

Häufig lässt sich das E-Ticket in den genannten Städten sogar an Automaten erwerben. Im RMV gibt es keine Pläne dafür, dazu müsste man die gerade erst modernisierten Automaten erneut modernisieren. Sie wären erst dann auf einem Stand, den andere E-Ticket-Systeme vor Jahren schon hatten. An moderne Entwicklungen, wie die Umsetzung auf NFC-Smartphones, glauben wir gar nicht erst. Da hilft nur eins: das E-Ticket des RMV umgehend wieder abschaffen.

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 ÖPNV: Das Rhein-Main-E-Ticket gehört abgeschafft!
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Analysator 28. Mär 2016

So will ich auch mal "arbeiten" dürfen :)

GrandmasterA 24. Mär 2016

Schon klar. Dennoch gibt es Szenarien, bei denen man ohne Abo trotzdem noch billiger...

nightfire2xs 21. Mär 2016

In wie weit unterscheidet sich der Plastikmüll, den ich am Automaten kriegen würde von...

Moe479 19. Mär 2016

Das ist über den steuerlichen Absatz hintenherum durchs Auge in die Brust staatlich...



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