Ölförderung: Wie Google, Amazon und Microsoft das Klima anheizen

Mehrere große IT-Konzerne haben in jüngerer Zeit Partnerschaften mit der Ölindustrie aufgebaut und tragen damit aktiv zur Klimakatastrophe bei. Dabei geben sie sich gerne als besonders umweltfreundlich und verantwortungsbewusst.

Artikel von Hanno Böck veröffentlicht am
Die großen IT-Konzerne geben sich gern umweltfreundlich, doch sie verdienen auch bei der Ölförderung mit.
Die großen IT-Konzerne geben sich gern umweltfreundlich, doch sie verdienen auch bei der Ölförderung mit. (Bild: WClarke, WIkimedia Commons/CC-BY-SA 4.0)

"100 Prozent erneuerbar ist nur der Anfang", heißt es auf einer Webseite von Google. So stellt sich der IT-Konzern gerne dar. 2017 habe man zum ersten Mal seinen kompletten Strombedarf aus erneuerbaren Energien gedeckt. Rechenzentren neben Windkraftanlagen gehören zum Selbstbild des Suchmaschinenkonzerns. Auch Amazon und Microsoft verweisen auf ihr entsprechendes Öko-Engagement.

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Doch eine Recherche von Gizmodo kratzt heftig am Öko-Image der Sillicon-Valley-Konzerne. Demnach haben die großen IT-Konzerne in den letzten Jahren unzählige Partnerschaften mit Ölkonzernen aufgebaut und ganze Abteilungen gegründet, die nur darauf abzielen, Dienstleistungen für die fossile Industrie bereitzustellen. Der Strombezug der Rechenzentren dürfte da im Vergleich kaum ins Gewicht fallen.

Windräder oder Ölfelder?

Unter der Überschrift Energielösungen informiert Google über einige seiner Kooperationen mit der fossilen Industrie. Dass es darum geht, sieht man auf den ersten Blick nicht, denn die Seite ist bebildert mit Solar- und Windkraftanlagen. Doch einige Großkunden dieser Google-Abteilung haben wenig mit erneuerbaren Energien zu tun. Wer weiter liest, der erfährt, dass Google kürzlich Kooperationen mit Schlumberger und Aker BP gestartet hat. Schlumberger ist der weltgrößte Servicedienstleister für Ölfelder, Aker BP ist eine norwegische Firma, die in der Nordsee Öl fördert.

Bei den Kooperationen geht es um den Umgang mit großen Datenmengen (Big Data), High-Performance-Computing und den Einsatz von künstlicher Intelligenz, um seismische Daten besser auszuwerten. Kurzum: Google hilft mit moderner Technik dabei, mehr Öl zu fördern.

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Für seine Kooperationen mit der Ölindustrie hat Google sich Kompetenz ins Haus geholt: Im vergangenen Jahr engagierte man dort Darryl Willis, der vorher 25 Jahre für BP gearbeitet hat und nun eine eigene Abteilung des Google-Cloud-Services für die fossile Industrie leitet.

Alle großen Cloudprovider umwerben die fossile Industrie

Amazon wurde schon mehrfach dafür kritisiert, zu wenig zu tun, um den Klimaschutz im eigenen Haus voranzubringen. Doch bislang zielte die Kritik vor allem darauf ab, dass Amazon zu wenig tue, um den eigenen Konzern emissionsärmer zu betreiben und dass es wenig Transparenz über die Kohlendioxid-Emissionen von Amazon gebe, was etwa ein Bericht von Greenpeace beklagt.

Doch auch Amazon Web Services betreibt eine eigene Abteilung für die fossile Industrie. Mit Werbesprüchen wie "Verkürzung der Zeit bis zum ersten Öl" macht Amazon kaum einen Hehl daraus, dass man der fossilen Industrie helfen will, die Klimakatastrophe weiter zu befeuern. "Führende Öl- und Gasunternehmen nutzen Innovation mit Amazon Web Services", heißt es und man freut sich, einige der ganz großen der Branche wie Shell und BP als Kunden zu haben.

Bei Microsoft findet man ein ähnliches Bild. Man will schon bald 60 Prozent seiner Rechenzentren mit erneuerbaren Energien betreiben, gleichzeitig wirbt man um Kunden aus der Ölindustrie. Stolz ist der Redmonder Konzern auf Kunden wie die Ölkonzerne Shell und Chevron. Mit Chevron hat Microsoft vor zwei Jahren eine langjährige Zusammenarbeit vereinbart, laut Forbes einer der größten Deals im gesamten Cloudgeschäft.

Nicht nur Microsofts eigene Ziele werden dadurch konterkariert, auch Microsoft-Gründer Bill Gates hat immer wieder auf die Risiken der Klimakatastrophe hingewiesen und finanziert Forschungsprojekte für erneuerbare Energien.

Die Weltpolitik nimmt Kurs auf drei Grad Erwärmung

Eine ungebremste Weiternutzung fossiler Energien hätte extreme Auswirkungen. Selbst wenn die im 2015 verabschiedeten Klimaschutzabkommen von Paris zugesagten Emissionsminderungen von allen Staaten umgesetzt werden, würde das nach Einschätzung von Klimawissenschaftlern eine Erwärmung von drei Grad bedeuten. Aber nur eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad würde die schlimmsten Auswirkungen - Dürren, Hungersnöte, überschwemmte Millionenstädte - verhindern.

Eine Begrenzung auf 1,5 Grad ist laut dem Weltklimarat IPCC nur machbar, wenn innerhalb der nächsten zehn Jahre die Kohlendioxid-Emissionen um mindestens 45 Prozent gesenkt werden. Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas muss dafür in allen Bereichen drastisch und schnell reduziert werden. Der Ölindustrie zu helfen, noch mehr Öl zu fördern, ist damit kaum vereinbar.

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cpt.dirk 03. Mär 2019

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