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Ökostrom: Wie Norddeutschland die Energiewende vormacht

Alle reden von der Energiewende, Hamburg und Schleswig-Holstein sind schon deutlich weiter: Die beiden Bundesländer zeigen, wie die Gewinnung von Strom etwa aus Windkraft und die Speicherung in verschiedenen Medien aussehen kann.

Ein Feature von Monika Rößiger veröffentlicht am
Windkraftanlage in Norddeutschland: Die Energiewende ist nicht nur eine Stromwende.
Windkraftanlage in Norddeutschland: Die Energiewende ist nicht nur eine Stromwende. (Bild: Andreas Rentz/Getty Images)

Hamburg und Schleswig-Holstein wollen sich bis 2035 zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgen. Damit sind die Nordländer viel ehrgeiziger als die Bundesregierung, die bis 2050 lediglich 80 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen herstellen will. Wissenschaftler, Industrie und städtische Versorger arbeiten in Norddeutschland gemeinsam daran, Ökostrom aus Wind, Sonne und Biomasse ins Netz zu integrieren beziehungsweise zu speichern. Das Ganze wollen sie mit den Sektoren Wärme und Mobilität verknüpfen.

Die Generalprobe zur "Norddeutschen Energiewende" findet in relativ idyllischer Lage am Stadtrand von Hamburg statt. Neben der träge dahinfließenden Bille und einer verwilderten Feuchtwiese, aus der nachmittags ein Fasan ruft, steht ein unscheinbares Gebäude. Von außen sieht man ihm nicht an, welche zukunftsträchtigen Versuchsanlagen das Technologiezentrum auf dem Energiecampus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) birgt. Hinzu kommt eine weitere Spezialität: "Die Hochschule betreibt und erforscht zwei eigene Windenergieanlagen", erklärt Wega Wilken. "Das ist einmalig in ganz Deutschland."

Die HAW-Sprecherin öffnet das Tor zur Werkhalle. Wir gehen hinein, vorbei an einem Elektroauto, das gerade mit der Ladestation verbunden ist. Schräg gegenüber parken die E-Fahrräder für die Mitarbeiter, darunter auch ein Lastenfahrrad. Mit dem E-Rad fahren die Wissenschaftler zum Windpark, der nur einen Kilometer entfernt ist, und kontrollieren ihre Messsysteme. Das eigentlich Besondere an dieser Halle ist aber die Integration verschiedener Technologien zu einem intelligenten Netz, dem Smart Grid. Dazu gehört auch das vollelektrische Auto: "Hier testen die Forscher, wie sich dessen Nutzung und der Betrieb der Ladestation so integrieren lassen, dass ein möglichst hoher Anteil an Ökostrom genutzt wird. Zum Beispiel aus der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach", erklärt Wilken.

Bevor wir aber aufs Dach steigen, zeigt sie mir erstmal die Räume mit den weiteren Komponenten des Smart Grid: Ein mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW), eine Wärmepumpe und vier Pufferspeicher mit je 1.000 Liter Wasser, die Wärme oder Kälte aufnehmen können. Ein Batteriespeicher. Eine Methanisierungsanlage, die vor allem aus einem meterhohen Gärbottich besteht, der mit einer grünen Flüssigkeit gefüllt ist. Darin tummeln sich Myriaden von Bakterien, die fleißig Methan herstellen, den Hauptbestandteil von Erdgas. Im nächsten Raum steht der Elektrolyseur, ein grauer Kasten ungefähr so groß wie eine Kühltruhe, der Wasserstoff erzeugt. Mit der Photovoltaik-Anlage (PV) und dem mobilen Batteriespeicher des Elektroautos sind hier also acht verschiedene Komponenten miteinander verbunden, deren Zusammenwirken erprobt und optimiert wird.

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Sowohl Wasserstoff als auch Methan gelten als Schlüsselkomponenten der Energiewende: Sie sind speicherfähig und vielseitig einsetzbar. Allerdings ergibt ihre aufwendige Herstellung nur Sinn, wenn dies mithilfe regenerativer Energie geschieht, zum Beispiel mit Windstrom aus Schleswig-Holstein. Bereits heute erzeugt das nördlichste Bundesland mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen, als es selbst verbrauchen kann.

Hamburg dagegen, die zweitgrößte Stadt Deutschlands, verschlingt erheblich mehr Strom, als es auf seiner kleinen Fläche je selbst erzeugen kann. Immerhin beherbergt die Hansestadt den drittgrößten Containerhafen Europas und noch dazu energiehungrige Industriebetriebe zur Produktion von Kupfer, Aluminium und Stahl.

  • Das Windkraftwerk in Hamburg-Curslack (Bild: Monika Rößiger)
  • Auf dem Dach des Technologiezentrums: die Photovoltaik-Anlage, der Wasserstoffspeicher (rot) und der hochschuleigene Windpark (Bild: Monika Rößiger)
  • In der Werkhalle: das Lastenfahrrad, im Hintergrund die Batteriespeicher (Bild: Monika Rößiger)
  • Der Elektrolyseur erzeugt Wasserstoff. (Bild: Monika Rößiger)
  • Entscheidend für das Smart Grid: die Steuerung über IT (Bild: Monika Rößiger)
  • Das Elektroauto als mobiler Speicher gehört ebenfalls zum Smart Grid. (Bild: Monika Rößiger)
Das Windkraftwerk in Hamburg-Curslack (Bild: Monika Rößiger)

Beide Bundesländer haben sich deshalb zur Norddeutschen Energiewende (NEW 4.0) zusammengeschlossen, einem Verbundprojekt mit über 60 Teilnehmern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Im Rahmen von NEW 4.0 erproben Forscher, Unternehmen und Behörden Lösungen zur Verknüpfung von Elektrizität, Wärme und Mobilität, die sich auch auf andere Regionen in Deutschland und Europa übertragen lassen.

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becks-b. 08. Mär 2019

Immer wieder lese ich, dass man bezüglich der Energiewende strikt zwischen Energie- und...

Eheran 21. Feb 2019

Warum komisch? Es sind 145.3 mio. Tonnen CO2 durch Braunkohle und Jährlich 800mio Tonnen...

Ach 15. Feb 2019

Im Gegenteil, würden auf diese Weise neu Anreize geschaffen, an klimafeindlichen...

Dwalinn 15. Feb 2019

Naja einer Taube weint keiner hinterher ein raubvogel der Schädlinge auf dem Feldern...

melaw 14. Feb 2019

Das Wetter ist wenn dann so gut wie über ganz Europa mies. Ein Land wie Deutschland hat...


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