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Ökostrom: BASF-Chef will Stromnetzsubventionen statt Netzentgelte

Trotz günstigem Ökostrom steigt der Strompreis. Das liegt auch an den Netzentgelten. Für energiehungrige Unternehmen wird das zum Problem.

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Der Stromnetzausbau ist extrem teuer. Das zahlen alle Kunden. (Bild: LOIC VENANCE/AFP via Getty Images)

Martin Brudermüller, der Chef des Chemiekonzernes BASF, übernimmt in einem Interview mit dem Spiegel eine bereits lang von Gewerkschaften oder anderen politisch eher linksgerichteten Gruppierungen vorgetragene Forderung: eine staatliche Subventionierung der Stromnetze. Die bisherige Finanzierung über Netzentgelte sei für Brudermüller "nicht zukunftsfähig". Weiter sagte er dem Spiegel: "Die Bereitstellung von Infrastruktur ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe."

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Hintergrund der Aussagen sind demnach die massiv gestiegenen Kosten für die Netzentgelte, die private Haushalte ebenso wie große Industrieunternehmen gleichermaßen treffen. Laut dem Bericht betrugen diese im Jahr 2015 im Schnitt noch rund 6 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Für das laufende Jahr 2024 wird mit einem Anstieg auf bis zu 11 Cent gerechnet. Der eigentliche geplante Bundeszuschuss über 5,5 Milliarden Euro zu den Netzentgelten wurde im Zuge der Haushaltskrise von der Ampel-Regierung gestrichen.

Bisher deckt BASF einen großen Teil seines Strombedarfs durch eigene Kraftwerke an den Standorten Ludwigshafen und Schwarzheide. Im Zuge des Umbaus auf Ökostrom muss BASF den Strom aber auch aus öffentlichen Netzen zukaufen. Derzeit ist dies meist Windstrom, der vom Norden in den Rest der Republik geleitet wird. Damit steigen auch für Unternehmen wie BASF die Stromkosten massiv.

Den Gesamtbedarf für den Ausbau der großen Übertragungsstromnetze beziffern die beteiligten Unternehmen auf deutlich mehr als 100 Milliarden Euro an Kosten. Um die Kosten beim Ausbau zu senken, gibt es aber wenig Spielraum. Stefan Kapferer, Chef des Betreibers 50Hertz, regt im Interview mit dem Spiegel an, künftig wieder verstärkt auf günstigere Freileitungen, statt auf Erdkabel zu setzen. Dafür müsste allerdings eine Vorschrift aus dem Jahr 2015 zurückgenommen werden. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet testet derweil gemeinsam mit DB Energie, ob und wie das Bahnstromnetz als weiteres Übertragungsnetz für das öffentliche Stromnetz genutzt werden könnte.