Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Oculus Rift: Ich bin Rockstar, Agent und Footballspieler

GDC 2016
Keine schräg-lustigen Demos oder Prototypen, sondern erstaunlich solide Spiele rund um Sport, Action und Abenteuer wird es zum Start von Oculus Rift geben. Golem.de hat viele der Titel ausprobiert, die ein echtes Mittendrin-VR-Gefühl vermitteln.
/ Peter Steinlechner
109 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
I Expect You To Die (Bild: Schell Games)
I Expect You To Die Bild: Schell Games

Vor mir steht ein Dutzend Männer und stiert mich an. Alle schnaufen schwer, alle tragen die schweren Rüstungen von Footballspielern, alle haben einen breiteren Nacken als ein Bulle in Tölz, und alle wollen etwas von mir. Zum Glück kein Geld und auch nicht mein Leben - sondern eine Taktik. Die Typen vor mir sind meine Mannschaftskameraden, und ich soll ihnen sagen, welchen Spielzug wir alle gemeinsam machen.

Oculus Rift Spiele-Lineup - Trailer (GDC 2016)
Oculus Rift Spiele-Lineup - Trailer (GDC 2016) (02:00)

Die Szene in VR Sports, einem Sportspiel für Oculus Rift(öffnet im neuen Fenster) , wirkt derart glaubwürdig-bedrängend, dass ich sie vermutlich nie wieder vergesse. Ich, mitten in einem tobenden Stadion voller Fans, vor einer kleinen Athletentruppe - und dabei habe ich von American Football ähnlich wenig Ahnung wie von Gehirnchirurgie.

VR Sports ist eines von 41 Spielen, die sich derzeit für Oculus Rift in der Entwicklung befinden. 30 Titel sollen pünktlich zur Erstauslieferung des Virtual-Reality-Headsets als Download verfügbar sein, also am 28. März 2016; in Deutschland wird es wegen der Zeitverschiebung wohl der 29. März werden. Bei einer Veranstaltung im Rahmen der Games Developer Conference (GDC) 2016 konnte ein Großteil dieser Games gespielt werden, und das hat einige interessante Erkenntnisse gebracht.

Wie auf dem Holodeck

Das schon genannte VR Sports ist dafür ein gutes Beispiel: Es bietet Momente, in denen ich mich tatsächlich wie durch ein Holodeck in ein Sportstadion versetzt fühle - mehrfach weiche ich wegen eines heranstürmenden Angreifers mit einem Sprung zur Seite aus.

VR Sports - VR-Gameplay (Oculus Rift, GDC 2016)
VR Sports - VR-Gameplay (Oculus Rift, GDC 2016) (02:11)

Es zeigt aber auch, wo Oculus Rift & Co. noch Grenzen gesetzt sind, denn anders als in einem "echten" Holodeck kann ich mich nicht ohne weiteres zu Fuß bewegen. VR Sports setzt stattdessen darauf, dass Spieler auf dem Platz die Taktik bestimmen sowie Bälle fangen - mit dem Touch-Eingabegerät - und diese an geeignete Teamkameraden weiterleiten.

Die Entwickler müssen nicht sämtliche Spielmechaniken neu erfinden, aber sich für bestimmte Probleme etwas einfallen lassen. Das Gleiche gilt übrigens auch für konventionelle Programme - in denen fällt es nur nicht auf, dass man sich beispielsweise nicht einfach mit Kopfbewegungen umsehen kann, weil das noch nie ging.

Ein anderes Beispiel für die durchaus spannende Mischung aus konventionellem Gameplay und einem doch ganz unkonventionellen Spielgefühl stellt Lucky's Tale dar. Auf den ersten Blick ein Plattformer im Stil von Mario ohne echte Besonderheiten - aber in echt wirkt es völlig anders.

Lucky's Tale - Trailer (GDC 2016)
Lucky's Tale - Trailer (GDC 2016) (00:37)

Das liegt daran, dass ich eben mittendrin stehe in der kunterbunten Zauberwelt und den kleinen Fuchs Lucky wie einen Echtwelt-Hund zu meinen Füßen per Controller durch allerlei Gefahren und Abenteuer scheuche. Übrigens finde ich es wegen der dreidimensionalen Darstellung der Welt wesentlich einfacher, im Stile von Mario auf Gegner - hier sind es Raupen statt Goombas - zu hüpfen.

Auch Strategie funktioniert im Cyberspace

Ähnlich und doch ganz anders spielt sich Defense Grid 2 Enhanced VR Edition, die VR-Umsetzung des Tower-Defense-Titels Defense Grid von Hidden Path. Eigentlich bietet die neue Fassung kaum andere Funktionen als die klassische Version, aber das Spielgefühl unterscheidet sich durch die wesentlich bessere Übersicht erheblich. Das Abwehren von Aliens auf ihrem Weg zum Reaktor in 26 Levels, etwa im Weltraum oder in einem Lava- und Schneetal, hat durchaus das Potenzial, Spieler viele Stunden am Stück an den Bildschirm zu fesseln.

Defense Grid VR - Trailer (GDC 2016)
Defense Grid VR - Trailer (GDC 2016) (01:11)

Neben solchen Umsetzungen haben einige Teams aber auch neue Ideen für immersive Spiele im Angebot. So konnte ich das von Schell Games entwickelte, an James-Bond-Filme erinnernde Adventure I Expect You To Die ausprobieren. Das versetzt Spieler in vier knifflige Situationen, die sie nur durch Nachdenken überleben können. In einer sitze ich etwa in einem plüschigen britischen Agentenauto, das sich in der Laderampe eines Flugzeugs befindet.

Wie man aus dieser misslichen Situation entkommt, will ich nicht verraten. Nur so viel: Ich sitze zwar, muss mich aber recht aktiv bewegen, um Laserstrahlen auszuweichen, ein Taschenmesser aus dem Handschuhfach hervorzukramen oder auf diverse Schalter am Armaturenbrett zu drücken.

Übrigens ist I Expect You To Die nicht ungefährlich: Die ganze Situation wirkt so überzeugend, dass ich mich beim Nachdenken ganz selbstverständlich auf der Armstütze zwischen den beiden Autositzen abstützen will - leider ist die nur virtuell.

I Expect You to Die - Trailer (GDC 2016)
I Expect You to Die - Trailer (GDC 2016) (01:09)

Ein letztes Beispiel für den riesigen Unterschied, den Virtual Reality bei nicht grundsätzlich anderem Gameplay zu herkömmlichen Spielen macht, habe ich bei Rock Band VR erlebt. Auch hier muss ich die auf Linien markierten farbigen Tasten auf meiner Plastikgitarre im richtigen Moment drücken.

Aber dabei gucke ich nicht auf einen Monitor, sondern fühle mich, als würde ich tatsächlich auf einer dreckigen kleinen Bühne in einem Musikkeller stehen. Direkt vor mir stehen die begeisterten Zuschauer, gucke ich mich um, kann ich die Jungs von der Band anschauen.

Dank des am Gitarrenhals befestigten Touch-Controllers von Oculus sehe ich auch meine Klampfe genau so im Spiel, wie ich sie tatsächlich halte. Richtig abgefahren wird es, als ich mich zum Schluss in einem Freestyle-Solo austoben darf.

Aus dem Instrument fliegt ein bunter Strahl von Sternen und positiver Energie über das Publikum, der düstere Keller wirkt irgendwie warm und fröhlich, und ich fühle mich wie ein Gitarrengott. Das ist schon sehr nah dran am Holodeck - obwohl ich nichts anderes mache als sonst auch in Rock Band oder Guitar Hero.


Relevante Themen