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Den Treibstoff lieber in Generatoren verbrennen

Dieser Punkt bleibt immer komplett außen vor: Ein Raketenstart braucht immens viel Energie. Für das Starship von SpaceX finden wir die Angabe(öffnet im neuen Fenster) von 5,12 x 10 13 Joule, was rund 14,2 GWh entspricht. Damit sollen sich einmal 400 Tonnen Nutzlast in einen niedrigen Erdorbit bringen lassen. Was bekanntermaßen noch zu zeigen ist .

Würde man den Treibstoff mit einer Effizienz von nur 30 Prozent in Generatoren verbrennen, könnte X.AI damit etwa seinen KI-Supercomputer Colossus zwei Wochen betreiben. Dessen Anschlussleistung wird mit 300 MW angegeben .

Mit diesem Treibstoff kommen aber, wie erwähnt, gerade einmal 400 Tonnen Nutzlast in den niedrigen Erdorbit. Leider finden wir keine Angabe zum Gewicht eines voll bestückten MGX-Racks von Nvidia. Es dürfte aber deutlich über einer Tonne liegen, bereits ein Rack mit vier DGX H100 kommt auf 680 kg(öffnet im neuen Fenster) .

GPU-Server sind schwer, Energie- und Kühlsystem sind schwerer

Dazu kommen dann mindestens 8 Tonnen für das Kühlsystem (so viel würde eine für 72 Blackwell-GPUs dimensionierte Version des ISS-Kühlsystems(öffnet im neuen Fenster) wiegen) plus 5 Tonnen Solarzellen (wieder analog zur ISS(öffnet im neuen Fenster) ) plus Strukturkomponenten plus Steuertriebwerk plus Treibstoff für Letzteres.

Und die Struktur wäre riesig: Das Kühlsystem bräuchte eine Fläche von mindestens 600 m 2 , die Solarpanele kämen auf bis zu 2.100 m 2 . Das ist mehr als die halbe Fläche, welche die entsprechenden Strukturen der ISS belegen. Verteilt auf mindestens 13 Ausleger. Für ein Blackwell-Rack. Die Hochrechnung auf ein Gigawatt-Rechenzentrum ist Hausaufgabe.

Gehen wir also einmal sehr großzügig von 15 Tonnen für die Weltraumedition eines DGX-B300-Racks aus. Um eine Blackwell-Variante von Colossus ins All zu bringen, wären damit mindestens 54 Starts des Starship erforderlich. Rechne ich die für den Start benötigte Energie auf eine solche KI-Raumstation – Satellit wäre hier untertrieben – herunter, komme ich auf rund 546 MWh.

Damit rechnet unser Rack auf der Erde fast 152 Tage bei Volllast. Diese Energie muss erst einmal wieder rein, und zur Erinnerung: Auf der Erde scheint nicht nur die Sonne, es weht auch Wind, es gibt Gezeiten und andere emissionsfreie Energiequellen.

Der Treibstoff allein macht dabei aber nur einen Teil der höheren Energiekosten aus. Raketen, Kühlsysteme und Struktur für die Satelliten müssen auch alle hergestellt werden und sind wesentlich komplexer als ein Rechenzentrum auf der Erde. Das braucht, ganz salopp gesagt, nur eine Wellblechhalle. Rein energetisch betrachtet ist es also schon fraglich, ob ein Rechenzentrum im All jemals einen Vorteil gegenüber einem auf der Erde hat.

Wirtschaftlich lautet die Antwort mit ziemlicher Sicherheit: Nein.


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