Oberleitungs-Lkw: Herr Gramkow will möglichst weit elektrisch fahren

Seit anderthalb Jahren fährt ein Lkw auf der A1 elektrisch an einer Oberleitung. Wir haben die Spedition besucht, die ihn einsetzt.

Ein Bericht von veröffentlicht am
O-Lkw auf der A1 bei Reinfeld
O-Lkw auf der A1 bei Reinfeld (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Eben noch dröhnte der Dieselmotor. Dann drückt Detlev Gramkow einen Knopf neben seinem Lenkrad. Im nächsten Moment ist es still im Fahrerhaus des roten Sattelschleppers. Zu hören sind nur noch der Wind und die Motoren überholender Fahrzeuge.

Inhalt:
  1. Oberleitungs-Lkw: Herr Gramkow will möglichst weit elektrisch fahren
  2. Der O-Lkw fährt elektrisch
  3. Wann kommt der nächste Truck?

Der Sattelschlepper gehört der Spedition Bode aus Reinfeld bei Lübeck, die seit anderthalb Jahren an dem Feldversuch E-Highway Schleswig-Holstein teilnimmt. Dafür wurde ein Autobahnabschnitt zwischen der Anschlussstelle Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck in beiden Fahrtrichtungen mit Oberleitungen ausgestattet.

Mit dem Elektroauto dahinzugleiten, haben wir bei unseren Tests schon oft erlebt. Aber ein lautloser 44-Tonner ist schon noch etwas eindrucksvoller. Leider dauert das Erlebnis nicht lange: Nur etwa fünf Kilometer ist die Oberleitung lang. Dann springt erst mal der Diesel an, bis zur Autobahnabfahrt. Von da bis zur Spedition wird es wieder elektrisch; die Anwohner werden es Gramkow danken, wie er mit seinem Sattelzug bis auf den Hof schleicht.

Der Fahrstil ändert sich

Für Fahrer Gramkow sind Fahrten mit dem Oberleitungs-Lkw (O-Lkw) inzwischen Routine: Drei- bis fünfmal am Tag, je nach Verkehrslage und Wochentag, pendelt er zwischen Reinfeld und dem Lübecker Hafen. Er habe seinen Fahrstil schon an das elektrische Fahrzeug angepasst, erzählt er im Gespräch mit Golem.de: Es sei ein vorausschauenderes Fahren, er bremse nicht zu hart, um den Akku per Rekuperation zu laden. Sein Ehrgeiz: "Möglichst weit elektrisch fahren."

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Auch Speditionschef Marc-Philipp Bode schätzt das Fahrzeug. "Die Technologie funktioniert - da kann man nichts sagen", erzählt er im Gespräch mit Golem.de. Zwar habe es ab und an kleinere Schwierigkeiten gegeben, mal mit einem Fahrzeug-Update oder an der Strecke. "Das ist ein Test. Es war uns klar, dass das nicht wie ein normales Fahrzeug im Tagesverkehr einfach mitläuft." Inzwischen setzt Bode den O-Lkw wie jedes andere Fahrzeug aus dem Fuhrpark ein.

Die Initiative sei von Projektpartner Siemens ausgegangen, sagt Bode. Die Firma habe eine Spedition gesucht, die regelmäßig Transporte zum Lübecker Hafen fährt. So habe Siemens bei Bode angefragt, ob die Spedition an dem Feldtest teilnehmen wolle. Er habe nicht direkt zugesagt, erzählt Bode. "Wir haben uns schon erst mal angeschaut, was das ist und was da auf uns zukommt."

Elektromobilität: Grundlagen und Praxis

In Schweden wird die Oberleitung seit 2016 getestet

Dann sei er nach Schweden gefahren, um sich das dortige Pilotprojekt anzusehen. In Mittelschweden bei Gävle wird der E-Highway bereits seit 2016 getestet.

  • Der O-Lkw der Spedition Bode: Von vorne ist der Pantograf kaum zu sehen. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Fahrzeug stammt von Scania und basiert auf einem Hybrid-Lkw. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Von hinten ist das Patnografensystem besser zu erkennen. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Blick von oben (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der O-Lkw auf der Autobahn (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Nur an der Oberleitung lässt sich der Pantograf ausfahren. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das geschieht auf Knopfdruck. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Sonst sieht das Lkw-Cockpit konventionell aus (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der E-Highway bei Reinfeld im Sommer 2021 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Anfang 2019 wurde noch daran gebaut. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Der O-Lkw der Spedition Bode: Von vorne ist der Pantograf kaum zu sehen. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Danach sei die Entscheidung aber nicht schwergefallen: "Die Mobilität wird sich verändern, gerade auch im Güterverkehr. Sie wird divers werden, es wird nicht nur eine Antriebstechnologie für die nächsten 100 Jahre geben", sagt Bode. "Deshalb war relativ schnell klar, dass wir daran teilnehmen wollen."

In der Praxis ist die Nutzung der Oberleitung ist relativ einfach.

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Der O-Lkw fährt elektrisch 
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Steffo 21. Jun 2021

Du verkennst halt, dass die Energiedichte und Haltbarkeit der Akkus immer weiter zunimmt...

chefin 21. Jun 2021

Es spielt keine Rolle ob man es schiebt oder anhebt. Solange beide Fahrzeuge gleich...

trinkhorn 21. Jun 2021

Dann ist der Verkehrsteilnehmer hoffentlich gut versichert. Genau wie der wegen dem die...

KnutRider 20. Jun 2021

Gemäß deiner Logik sind dann wohl die Verwaltungen in Bayern im Bereich Bahn faul, sie...

alabiana 20. Jun 2021

Wenn die Dumpinglöhner wegfallen würden und die LKW-Branche endlich mal das bezahlen...



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