Oberes 6-Gigahertz-Band: Wildberger vor "fataler technischer Fehleinschätzung"

Das Bundesdigitalministerium will sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, das obere 6-Gigahertz-Frequenzband dem Mobilfunk zuzuweisen. Das hat das Ministerium laut Informationen von Golem erklärt: "Unter Berücksichtigung der Bedarfslage verschiedener Interessengruppen erscheint die sachgerechteste Lösung darin zu bestehen, das gesamte obere 6-GHz-Band vorrangig dem Mobilfunk zuzuweisen." Zuerst hatte Tagesspiegel Background(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) berichtet.
Der Frequenzbedarf der Mobilfunknetzbetreiber bei 6 GHz werde mit Blick auf künftige 6G-Anwendungen als größer eingestuft als der Frequenzbedarf von WAS/RLAN (Wireless Access System / Radio Local Area Network). Diese Position wird das Ministerium in der Radio Spectrum Policy Group (RSPG) vertreten, deren Stellungnahme der EU-Kommission als Empfehlung für die Festlegung verbindlicher Nutzungsbedingungen im Frequenzausschuss dient, "die dann in den Mitgliedstaaten umgesetzt werden" , erklärte das Bundesdigitalministerium.
Langfristig Netzabdeckung in Ballungsräumen marginal verbessern
Lisia Mix-Bieber, Cheflobbyistin beim Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), nannte dies(öffnet im neuen Fenster) aus technischer und volkswirtschaftlicher Sicht eine "fatale Fehleinschätzung. Statt die kostenfreie WLAN-Nutzung durch alle Bürgerinnen und Bürger zu stärken und die dank Glasfaser möglichen Bandbreiten effizient auch auf alle mobilen Geräte zu bringen, würde eine Reservierung der Frequenzen für die Mobilfunkkonzerne kurzfristig gar keinen Nutzen bringen und langfristig, wenn überhaupt die Netzabdeckung in Ballungsräumen marginal verbessern" .
Stattdessen sollte die RSPG der EU-Kommission am 12. November empfehlen, mindestens 320 MHz im oberen 6 GHz-Band für die lizenzfreie WLAN-Nutzung freizuhalten.
HPE appellierte an Wildberger
"Aus Kundensicht bringt WLAN die Leistung der Glasfaser verlässlich bis ins Endgerät und entlastet zugleich 5G dort, wo Mobilität zählt" , hatte Philippe Lorenz, Head of Government Relations Germany bei Hewlett Packard Enterprise (HPE), in einem Schreiben an Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) erklärt, das Golem vorliegt.
Das große, zusammenhängende Spektrum bei 6.425 bis 7.125 MHz werde in Deutschland bislang für Satellitenverbindungen, aber auch für Richtfunk eingesetzt, hatte die Bundesnetzagentur erklärt. Die Radioastronomie (6.650 bis 6.675,2 MHz) und der Weltraumforschungsfunkdienst (7.075 bis 7.125 MHz) seien weitere wichtige Nutzer.