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O2 Car Connection im Test: Der Spion unterm Lenkrad

Das O2-Car-Connection-Kit soll alte Autos smart machen. Wie unser Test zeigt, macht es das Fahrzeug aber nicht viel schlauer – und auch den Fahrer kaum klüger.
/ Alexander Merz
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O2-Modul und Ford Cortina (Bild: Fabian Hamacher/Golem.de)
O2-Modul und Ford Cortina Bild: Fabian Hamacher/Golem.de

Mit dem Kit O2 Car Connection(öffnet im neuen Fenster) soll zusammenwachsen, was zusammengehört: des Deutschen liebstes Kind, sein Auto, und sein mittlerweile zweitliebstes Kind, sein Smartphone. O2 behauptet, daraus würden jede Menge Vorteile entstehen: automatische Fahrtenbuchführung, spritsparende Fahrweise, Ferndiagnose und -überwachung. Wir haben das Kit getestet. Um es vorwegzunehmen: Der Nutzen hält sich in der Praxis in Grenzen. Das ist es aber nicht, was uns tatsächlich Bedenken bereitet.

O2 Car Connection ausprobiert
O2 Car Connection ausprobiert (02:01)

App und Modul werden in Betrieb genommen

Das Kit besteht aus einem Modul fürs Auto und einer App und richtet sich an die Besitzer älterer Autos – allerdings nicht alter Autos. Denn das Fahrzeug benötigt eine OBDII-Diagnosebuchse(öffnet im neuen Fenster). Vor den Montagearbeiten steht die Installation der Car-Connection-App auf unserem Smartphone oder Tablet. Es gibt die App in den jeweiligen Appstores für iOS und Android. Beim Start der App müssen wir erst uns registrieren, danach das Car-Connection-Modul.

Zur Modulregistrierung müssen wir die Seriennummer und einen Aktivierungscode eingeben. Statt beide Nummern abzutippen, können wir sie auch über die Kamera unseres Smartphones erkennen lassen – das funktioniert recht gut. Das Smartphone muss für den Registrierungsvorgang durchgängig mit dem Internet verbunden sein. Zu Hause, wo das Smartphone ins heimische WLAN eingebunden ist, ging es recht flott.

Schließlich muss das Modul in die Diagnosebuchse eingesteckt werden. Bei unserem Fahrzeug befindet sie sich unterhalb des Lenkrads im Fußraum. Bedenken, dass wir womöglich mit den Beinen daranstoßen könnten, erweisen sich als unbegründet. Das Modul ist klein und steht nur wenig hervor. Bei anderen Fahrzeugen kann das Modul aber mehr stören, weil es stärker hervorsteht oder nur wenig Montageraum vorhanden ist. O2 empfiehlt für diesen Fall, ein Verlängerungskabel zu kaufen – und verweist dafür auf "das Internet", statt selber eines als Zubehör zu verkaufen.

Ist das Modul korrekt eingesteckt, leuchtet eine LED blau und signalisiert damit, dass wir nun eine kleine Fahrt unternehmen sollen. Während dieser Fahrt nimmt das Modul erstmalig Kontakt mit dem Mobilfunknetz von O2 auf und prüft den GPS-Empfang. Wir sollen dann so lange herumfahren, bis uns die App den Empfang einer Nachricht meldet. Wer keinen Halter fürs Handy hat, sollte also einen Beifahrer mitnehmen, der Fahrer darf das Handy während der Fahrt schließlich nicht in die Hand nehmen.

Smart nur mit Netzabdeckung

Am nächsten Tag brechen wir abends zur ersten großen Fahrt auf, gut 270 Kilometer. Im Vorfeld haben wir einige Einstellungen an der App vorgenommen, um die Benachrichtigungsfunktion zu testen: Wir haben unsere aktuelle Position als "Zuhause" markiert. Wenn wir die Position verlassen, erhält das Smartphone eine entsprechende Nachricht. Außerdem legen wir ein Geschwindigkeitslimit von 120 km/h fest. Wird dieses überschritten, wird das Smartphone ebenfalls benachrichtigt.

Unsere Fahrt führt uns erst zu einer Tankstelle, danach geht es direkt auf die Autobahn. Nachdem wir ein Drittel der Strecke bewältigt haben, gibt es einen Schreckmoment: Im Fußraum blinkt es plötzlich auffällig. Es dauert einen Moment, bis wir begreifen, dass es das Modul war. Und es benötigte einen weiteren Moment, bis uns einfällt, dass die Netzabdeckung in Brandenburg nicht die allerbeste ist und das Modul offensichtlich seine Daten nicht versenden kann. Das bestätigt uns später O2. Auf unseren Hinweis, dass das Blinken gerade abends und nachts sehr stört und ablenkt, erhalten wir keine weitere Reaktion.

Auf den Schreck halten wir kurz auf einer Autobahn-Raststätte, werfen einen näheren Blick auf die App, um unseren bisherigen Fahrtverlauf zu verfolgen. Aber auch die App erweist sich mangels Netzabdeckung vorübergehend als unbrauchbar, da sie keinen Zugriff auf den Server hat. Schlimmer noch: Offensichtlich hat die App keine Timeout-Funktion und reagiert auf Benutzereingaben nicht mehr, bis hin zum Absturz. Wer also gerade bei einem älteren Auto mit diversen Macken auf die Diagnosefunktion der App setzt, sollte tunlichst auf die Netzabdeckung auf der Strecke achten.

Schließlich am Zielort angekommen – wo wir WLAN nutzen können -, wollen wir uns das Fahrtenbuch ansehen. Doch Fehlanzeige. Diesmal scheint der O2-Server eine Pause eingelegt zu haben. Das passierte am Anfang des Tests häufiger, dann längere Zeit nicht und torpedierte schließlich fast die Produktion unseres Videos, weil die Benutzeranmeldung der App nicht funktionierte.

Fahrten werden erfasst, aber nicht smart

Als wir schließlich doch auf das Fahrtenbuch zugreifen können, sehen wir, dass dort drei Fahrten vermerkt sind: zur Tankstelle, von der Tankstelle zur Raststätte und schließlich zum eigentlichen Ziel. Das ist logisch und korrekt – aber nicht smart. Wer per Hand Fahrtenbuch führt, wird nur eine zusammenhängende Fahrt aufschreiben. Im Prinzip könnte das auch die App, schließlich sollte es auf Basis der GPS-Position ohne Probleme möglich sein, die jeweils fünfminütigen Halte den Points of Interest Tankstelle und Raststätte zuzuordnen und als zur Fahrt dazugehörig zu werten.

Eine vergleichbare Problematik tritt gelegentlich auch auf, wenn das Modul den Kontakt zum Mobilfunknetz verliert. So wurde einmal eine ununterbrochene, 100 km lange Fahrt mit gelegentlichen Funklöchern als drei Einzelfahrten im Fahrtenbuch vermerkt.

Es ist in der App zwar möglich, mehrere Fahrten zugleich auszuwählen und statistisch Daten zu kombinieren, dauerhaft zusammenfassen kann man sie hingegen nicht. Diese Unterteilung einer Fahrt in mehrere Einzelfahrten dürfte nicht nur den Überblick erschweren. Gerade Berufsfahrern mit Pkw könnte es unangenehm aufstoßen, werden damit doch Fahrtunterbrechungen zu deutlich, die zu Diskussionen mit dem Chef oder dem Finanzamt führen. Ein weiteres Manko schließt insbesondere die berufliche Nutzung praktisch aus: Es gibt keine Exportfunktion. Auf unsere Nachfrage bei O2 hin erhalten wir die Auskunft, dass eine allgemeine Exportfunktion und der Zugriff auf Daten per Weboberfläche noch kommen sollen. Als Alternative kann der Chef auch sein eigenes Smartphone zur Fahrerüberwachung nutzen, doch dazu später mehr.

Die App kann nicht nur die gefahrene Strecke erfassen, sondern auch die zugehörigen Benzinkosten errechnen. Allerdings tut sie das auf die denkbar unsmarteste Weise: Wir müssen zuvor einen Literpreis angeben. Zur Erinnerung: Wir waren bei Fahrbeginn an einer Tankstelle, über die OBDII-Schnittstelle sollte das System wissen, dass wir dort getankt haben. Aufgrund der GPS-Koordinaten weiß das System, wo wir getankt haben, und die aktuellen Tankstellenpreise sind online abrufbar. Die einzige manuelle Konfiguration, die erforderlich wäre, damit die App den Benzinpreis selbst ermitteln kann, ist die Angabe der Kraftstoffart.

Empfehlungen zum Spritsparen helfen kaum

Derzeit sind die Kraftstoffpreise zwar im freien Fall, doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis es wieder nach oben geht. Eine smarte Lösung könnte Autofahrern eine Hilfe sein, Sprit zu sparen. Pendlern könnte ein individueller Streckenplan mit empfehlenswerten Richtgeschwindigkeiten angezeigt werden. Die notwendigen Informationen lassen sich auf der täglich gleichen Strecke sammeln. So könnte dank persönlicher Big Data wie den Wartezeiten an Ampeln und ermittelten Durchschnittsgeschwindigkeiten die App die Fahrt optimieren – inklusive der Ansage, ob es sich lohnt, an einer Ampel den Motor auszumachen oder nicht. Aber auch ohne Big Data, allein mit der Kenntnis der verfügbaren Verkehrssituation, wie sie zum Beispiel Google bietet, lassen sich schon konkrete Fahrempfehlungen vermitteln. Zum Beispiel: "Besser zügig beschleunigen" oder "Gas geben lohnt nicht".

Obwohl es sich beim O2 Car Connection um einen komplett serverbasierten Service handelt, wo die Fahr- und Bewegungsdaten vollständig gespeichert werden und diese Daten problemlos miteinander vernetzt werden könnten, findet sich in den Sprit-spar-Empfehlungen nichts davon.

Es wird lediglich geprüft, wie oft der Fahrer stark beschleunigt (ist böse) und wie oft er stark abbremst (ist auch böse). Die Sprit-spar-Empfehlung lautet deshalb im Kern stets: Fahr vorausschauend. Die App könnte dem Fahrer die notwendigen Informationen zum vorausschauenden Fahren liefern. Tut sie aber eben nicht.

Im Zusammenspiel mit den Aussagen zum Bremsen und Beschleunigen wird eine andere Macke überaus deutlich: Zwischen dem Auftreten eines Ereignisses und der Meldung durch die App liegt eine meist unkalkulierbare Zeitspanne, die irgendwo zwischen 5 Minuten und einer halben Ewigkeit liegen kann. Darauf angesprochen, verblüfft uns O2 mit der Antwort: Die Datenübermittlung vom Modul erfolge nicht in regelmäßigen Zeitintervallen, sondern erst, wenn circa 1 Megabyte an Daten angefallen sei.

Während das für einige Funktionen wie das Fahrtenbuch kein größeres Problem darstellt, ist das gerade für eine spritsparende Fahrweise kontraproduktiv. Für gewöhnlich können wir uns, speziell im Berliner Stadtverkehr, beim Eintreffen einer Nachricht über schlechtes Fahrverhalten an die konkrete Situation kaum noch erinnern. Uns fällt nicht mehr ein, warum wir an dieser oder jener Stelle "stark beschleunigt" haben.

Um neben der reinen Empfehlung auch ein wenig Motivation zum Spritsparen zu liefern, integriert Car Connection auch ein Ranking-System für mehrere Fahrer und auch ein Achievement-System. Die Idee ist im Grunde nicht schlecht, wenn auch nicht für jede Zielgruppe geeignet. Problem ist auch hier die mangelnde Instant-Rückmeldung. Die Aktualisierung dieser Motivationshilfen erfolgt nur einmal in der Nacht beziehungsweise einmal pro Woche, und das System lässt auch nicht erkennen, wie die Bewertungen entstehen. Sprit-spar-Rennen machen so keinen Spaß.

Daten teilen – für Familien geeignet, für Firmen nicht

O2 bewirbt Car Connection explizit für Familien und die gewerbliche Nutzung – eine Flotten- und Fahrermanagement-Lösung für wenig Geld. Die Umsetzung gestaltet sich derart, dass sich alle möglichen Fahrer und Fahrzeugbesitzer die App auf ihren Smartphones beziehungsweise Tablets installieren und sich registrieren. Es können auch pro App mehrere Nutzer und Module für verschiedene Autos registriert werden.

Des Weiteren können über die App Gruppen gebildet werden. Hat ein Fahrer Benachrichtigungen für Ereignisse aktiviert, kann die Gruppe diese ebenfalls erhalten. Das schließt auch Positionsinformationen mit ein. Wer als Fahrer keine Lust auf diese Überwachung hat, kann in "seiner" App einen Inkognito-Modus aktivieren.

Die notwendigen Interaktionen und Einstellungen sind für eine vierköpfige Familie mit zwei Autos (und zwei Modulen) wohl überschaubar und an einem gemeinsamen Familienabend zu erledigen. Die typische Frage in einer Berliner Familie "In welchem Viertel hast du das Auto geparkt?" sollte danach der Vergangenheit angehören. Wer hingegen tatsächlich eine Flotte von Firmen-Pkw managen will, dürfte sich schnell eine zentrale Verwaltungsoberfläche wünschen – welche auch nicht davon abhängt, ob jeder Angestellte einen vernünftigen Datentarif für sein Smartphone hat.

Die Fahrzeugdiagnose hat wenig Aussagekraft

Wie gut die Fahrzeugdiagnose funktioniert, konnten wir – zum Glück – nicht testen. Auf uns wirkt sie allerdings recht unspezifisch, mehr als "Ok" oder "Problem" für eine Systemkomponente zeigt sie nicht an. Außerdem muss der Nutzer darauf achten, den genauen Fahrzeugtyp in der App anzugeben. Was sich für uns als gar nicht so einfach erwies: Unser Prius der 3. Generation wurde in Deutschland 2009 nur in einer Modellversion mit verschiedenen Ausstattungsvarianten verkauft, die von der App geforderte Unterscheidung zwischen einem "Liftback"- und einem "Touring"-Modell zwang uns deshalb eine kleine Internetsuche auf.

Ohne Fahrzeugangabe wird nur für einen Teil der Fahrzeugsysteme die Diagnose angezeigt. Aber auch mit der Fahrzeugangabe vermissen wir zusätzliche Daten. Die in unserem Fall interessante Angabe über die Kapazität des Akkus unseres Prius erhalten wir trotzdem nicht.

Das Modul schickt alle Daten an O2

Um es noch einmal klar zu sagen: Das Modul schickt alle erhobenen Daten per Mobilfunk an O2. Und der Benutzer hat keinen Einfluss darauf, das zu unterbinden oder einzuschränken – außer das Modul abzustecken. Auch die Inkognito-Funktion der App verhindert nur die Weitergabe von Positionsdaten des Nutzers, nicht die Datenerhebung als solches.

Laut Aussage von O2 werden die Daten drei Monate gespeichert und danach gelöscht. Wer die Daten sofort gelöscht haben möchte, muss die Hotline anrufen.

O2 verspricht, keine Daten ohne Einwilligung der Nutzer an Dritte weiterzugeben. Negativ ist zu vermerken, dass bei der Registrierung in der App versucht wird, eine Einwilligung für die Weitergabe an Versicherungen zu erhalten. Das lehnen wir natürlich ab. Positiv fällt uns auf, dass O2 im folgenden Testmonat weder in der App noch per E-Mail versucht, uns diese Einwilligung noch abzuringen.

Der Polizei will O2 nur dann Daten zur Verfügung stellen, wenn ein Straftatvorwurf im Raum steht. Bei Ordnungswidrigkeiten wie einer Geschwindigkeitsübertretung soll hingegen kein Zugriffsrecht bestehen.

Die einfachste Lösung, um Datenschutzbedenken aus dem Weg zu gehen, lässt O2 nicht zu: einen eigenen Server zu nutzen. Mit "zu unsicher" und "würde zu Manipulationen einladen" begründet das Unternehmen diese Entscheidung.

Preis und Fazit

Das O2-Car-Connection-Kit ist bereits im Handel verfügbar. Der reguläre Preis für das Modul beträgt 149 Euro, derzeit ist es aber zum Sonderpreis von 99 Euro zu haben. Enthalten sind die Mobilfunkkosten des Moduls für zwölf Monate, danach werden pro Monat 5 Euro fällig. Eingeschränkt ist auch die Nutzung im Ausland enthalten. Die zugehörige App kann kostenlos heruntergeladen werden.

Fazit

Selbst wenn der Anwender kein Problem damit hat, dass O2 ständig persönliche Bewegungs- und Fahrzeugdaten erfasst – der Nutzen des O2-Car-Connection-Kits hält sich in Grenzen. Am praktischsten ist es noch, dass wir unser Auto dank GPS-Ortung wiederfinden können, vorausgesetzt, es steht nicht in einer Tiefgarage. Die Fahrtenbuch-Funktion könnte auch noch nützlich sein. Doch der App fehlt es derzeit an einer dafür sinnvollen Exportfunktion, wie auch für alle anderen Daten.

Die Analyse des Fahrstils ist zu platt und zu sehr vom realen Verkehrsgeschehen abgekoppelt, um einen echten Lerneffekt zu erzielen. Die Gamification-Elemente in Form der Rangliste und der Achievements mögen eine bestimmte Zielgruppe ansprechen. Für Einzelfahrer hält sich der Nutzen in Grenzen.

Bleibt noch die Überwachungsfunktion für besorgte Fahrzeugverleiher. Ja, sie funktioniert. Aber selbst besorgte Eltern sollten sich zweimal die Frage stellen, ob die private Überwachung der eigenen Kinder und die Sorge um das Familienauto auch die Überwachung durch O2 selbst rechtfertigt.


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