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Nvidia bei der CES: 90 Minuten Keynote, wenig Neues

CES 2026
Nvidia hat bei der CES eine große Show inszeniert. Doch die meiste Hard - und Software wurde bereits mehrmals gezeigt.
/ Johannes Hiltscher
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Für Vera Rubin hat Nvidia nicht nur ein Rack, sondern eine komplette Rack-Reihe mit unterschiedlicher Hardware entworfen. (Bild: Nvidia)
Für Vera Rubin hat Nvidia nicht nur ein Rack, sondern eine komplette Rack-Reihe mit unterschiedlicher Hardware entworfen. Bild: Nvidia

Vera Rubin ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, KI wird zur Basis von allem, Nvidia ist ganz vorn dabei und empowert mit Open-Source-Modellen alle Menschen. Das ist zusammengefasst der Inhalt von Jensen Huangs Keynote(öffnet im neuen Fenster) bei der Consumer Electronics Show (CES). In Teilen der Show wurde der Nvidia-CEO von zwei Robotern aus dem Star-Wars-Universum begleitet, denen er erklärte, dass Vera Rubin die Kosten pro Token gegenüber Blackwell auf etwa ein Siebtel drücken solle und Modelle mit zehn Billionen Parametern trainieren könne.

Ganz ehrlich: Nett gemacht, aber ich hätte mir mehr Neues gewünscht – oder dass Huang sich kürzer fasst. Bereits nach ein paar Minuten schweifte ich ab und machte mir Gedanken darüber, dass seine Jacke ziemlich unbequem aussieht. Besonders am Hals.

Fast alles, was Huang gestern erzählte, hat er im vergangenen Jahr schon mehrmals erzählt. Vera Rubin stellte Nvidia zum Beispiel schon zur GTC 2025 vor . Ja, die Packages der Rubin-GPU, Vera-CPU, Nvlink- und Quantum-X-Switches sehen beeindruckend aus.

Aber ein Bild einer kompletten Rack-Reihe, dass Warmwasserkühlung genutzt wird und die Information, dass die Bluefield-4-DPUs SSDs(öffnet im neuen Fenster) zum Auslagern der KV-Caches von Transformer-Modellen auf Netzwerkebene anbinden, waren die einzigen Neuigkeiten.

Ach so, und dass Nvidia die Racks nun doch weiter NVL72 nennt statt, wie angekündigt, NVL144. Ist auch sinnvoller, da weiter 72 GPUs verbaut sind.

Roboter sind putzig – einmal

Auch, dass die putzigen Roboter, wie übrigens auch autonome Fahrzeuge, in virtuellen Welten trainieren, ist beeindruckend und beschleunigt die Entwicklung immens. Auch das hat Huang jedoch bereits mehrmals erzählt. Die Modellfamilie Alpamayo(öffnet im neuen Fenster) für autonome Fahrzeuge, die Nvidia veröffentlicht hat, war hier die einzige Neuigkeit.

Dafür klingt deren Konzept interessant: Das Modell soll mittels Reasoning-Szenen umfangreich analysieren und nicht nur handeln, sondern auch kommunizieren, warum es etwas tut. Das dürfte besorgten Passagieren die Unsicherheit nehmen. Ein zweites Modell soll zudem permanent bewerten, wie sicher sich die KI aktuell bei der Handhabung der Situation ist. Das könnte eine graduelle, kontrollierte Übergabe an einen menschlichen Fahrer deutlich vereinfachen.

Fazit: Kauft Nvidia!

Dass Jensen Huang sich ständig wiederholt, hat einen simplen Grund: Es soll die Spannung hochhalten. Denn auch, wenn KI alles schneller macht – beliebig schnell sind Hardware-Release-Zyklen nicht. Und mit mehr Konkurrenten wird der Wettbewerb härter.

Moores Law hat sich nicht geändert, was auch Huang sagte. Im Gegenteil haben Nvidia und TSMC so ziemlich alles herausgeholt, um trotzdem die Rechenleistung regelmäßig überproportional zu steigern. Kleinere Datentypen, größere Packages mit erst zwei, 2027 dann vier riesigen Dies, Netzwerkhardware an der Grenze des Machbaren, Wasserkühlung ...

Das wären eigentlich alles spannende Themen, sie werden aber außerhalb kurzer Videoschnipsel nie thematisiert. Stattdessen gibt es immer wieder die gleiche Erzählung, was KI alles kann, wie zugänglich Nvidia sie macht und wie unvorstellbar krass die Hardware ist. Früher waren Keynotes von Jensen Huang etwas, worauf man sich gefreut hat. Weil man wusste: Es gibt etwas spannendes Neues. Das ist mittlerweile die Ausnahme geworden, die meisten Keynotes sollen einfach zeigen, dass KI ein ganz großes Ding ist und Nvidia der Platzhirsch – also bitte, kauft weiter Nvidia-Hardware (und -Aktien)!

Und hier endet dann auch das KI-Empowerment – denn KI kann nur nutzen, wer sich die Hardware auch leisten und sie regelmäßig auf den neuesten Stand bringen kann. Schön, dass die Modelle Open Source sind, es bringt aber nur Menschen mit ausreichend Kapital etwas, etwa für einen DGX Spark . Die können sich damit dann ganz einfach Spielzeug für Erwachsene bauen. Etwa einen Roboter, der die To-do-Liste an der Wand vorliest oder den Hund vom Sofa scheucht.

Wenigstens weiß ich jetzt, was ein Vera-Rubin-Rack wiegt: Über zwei Tonnen sind es, befüllt mit Kühlwasser noch einmal 500 kg mehr.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


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