Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Nutzerfreundlichkeit und Datenschutz: Fünf All-in-One-Messenger im Vergleichstest

Ständiges Wechseln zwischen Messenger -Apps ist lästig. All-in-One-Messenger versprechen, dieses Problem zu lösen. Wir haben fünf von ihnen getestet und große Unterschiede bei Bedienbarkeit und Datenschutz festgestellt.
/ Leo Dessani
67 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Das Wechseln zwischen den verschiedenen Messengern wie Signal, Whatsapp und Threema kann lästig sein - leichter geht das Kommunizieren mit All-in-One-Messengern. (Bild: Pixabay)
Das Wechseln zwischen den verschiedenen Messengern wie Signal, Whatsapp und Threema kann lästig sein - leichter geht das Kommunizieren mit All-in-One-Messengern. Bild: Pixabay

Mit Familie und Freunden wird über Signal, Threema oder Whatsapp kommuniziert, mit Bekannten stattdessen über Facebook oder Instagram. Bei der Arbeit kommen Slack und diverse Google-Dienste zum Einsatz. So ergibt sich rasch ein buntes Sammelsurium unterschiedlicher Messenger und Messaging-Dienste. Besonders aufwendig ist ihre Nutzung auf Desktoprechnern, denn für manche existieren keine dedizierten Desktopanwendungen, sondern nur Web-Interfaces. Es muss also ständig zwischen Browsertabs und Anwendungen gewechselt werden. Das ist nicht nur störend, sondern lässt auch rasch den Überblick über neue Nachrichten verschwimmen. All-in-One-Messenger versprechen Abhilfe.

Sie bieten eine einzelne Anwendung und damit ein einzelnes Fenster, das die Chats aus allen Messengern und Messaging-Diensten zeigt. Damit ermöglichen All-in-One-Messenger eine übersichtliche digitale Kommunikation. In diesem Artikel vergleichen wir verschiedene All-in-One-Messenger in Bezug auf Funktionsumfang, Bedienbarkeit und Datenschutz. Ein Ergebnis können wir bereits vorwegnehmen: Wer mehrere Messenger oder Messaging-Dienste parallel nutzt, wird All-in-One-Messenger schätzen und kann nebenbei effizienter arbeiten.

Auswahl der All-in-One-Messenger

Für unseren Test haben wir fünf All-in-One-Messenger ausgewählt: All-in-One Messenger(öffnet im neuen Fenster) , Franz(öffnet im neuen Fenster) , Rambox(öffnet im neuen Fenster) , Singlebox(öffnet im neuen Fenster) und Texts(öffnet im neuen Fenster) . Sie sind jeweils für alle gängigen Desktopbetriebssysteme verfügbar, also für Windows, MacOS und Linux.

Beim Funktionsumfang interessierte uns, ob die All-in-One-Messenger die Dienste Signal, Threema, Whatsapp, Messenger, iMessage, Instagram, Linkedin, Slack und Twitter unterstützen. Außerdem wollten wir wissen, ob wir mit ihnen alle Funktionen der offiziellen Apps nutzen können. Denn wenn Nutzer Einschränkungen in Kauf nehmen müssen, verzichten sie womöglich lieber darauf.

Für eine Bewertung des Bedienkomforts untersuchten wir, wie intuitiv die Benutzeroberflächen zu bedienen und wie grafisch ansprechend sie gestaltet sind. Zusätzlich machten wir uns ein Bild davon, ob Tastenkombinationen die Bedienung erleichtern und wie gut sich Medieninhalte wie Fotos oder Videos teilen lassen. Zu guter Letzt stellten wir uns die Frage, ob Kommunikationsinhalte oder Informationen über das Nutzungsverhalten an die Entwickler der Dienste übertragen werden. Dazu analysierten wir die Verbindungen zu den Entwicklerservern.

Die ersten Eindrücke waren positiv

Nach der Installation der All-in-One-Messenger verschafften wir uns zunächst von allen einen ersten Eindruck. Für die Nutzung von All-in-One Messenger und Singlebox war kein Nutzerkonto erforderlich. Bei Franz, Rambox und Texts war die Einrichtung eines Nutzerkontos beim ersten Start Pflicht. Franz und Rambox spendierten nach der ersten Anmeldung jeweils kostenfrei eine vierzehntätige Testlizenz. Texts stellte uns für diesen Artikel kostenfrei einen Testzugang zur Verfügung, da es aktuell nur mit Einladung erhältlich ist.

Für das Einrichten der Messenger und Messaging-Dienste reichte das Einscannen eines QR-Codes mit dem Smartphone. Anschließend konnten wir unsere bisherigen Chats sehen. Als verknüpftes Gerät zeigte unser Smartphone teils Google Chrome an. Was uns zuerst wunderte, klärte sich rasch auf: Die All-in-One-Messenger verwenden zum Teil das Node.js-Framework Electron(öffnet im neuen Fenster) , das auf Chromium basiert.

All-in-One Messenger und Franz werden mit einer deutschsprachigen Benutzeroberfläche angeboten. Rambox, Singlebox und Texts sind derzeit nur auf Englisch verfügbar. Im täglichen Umgang störte uns das jedoch nicht. Ein Dark Mode ließ sich für alle All-in-One-Messenger aktivieren. Teilweise erkannten sie anhand der Systemeinstellungen das eingestellte Erscheinungsbild und schalteten automatisch um.

Fast alle Dienste unterstützt

All-in-One Messenger, Franz, Rambox und Singlebox unterstützten bis auf Signal und iMessage alle von uns vorgegebenen Messenger und Messaging-Dienste. Texts unterstützte alle bis auf Threema. Erfreulicherweise bieten die getesteten All-in-One-Messenger die Möglichkeit, noch mehr Messenger und Messaging-Dienste einzubinden, beispielsweise Discord, Microsoft Teams oder Zoom. Am meisten bietet Singlebox mit weit über 1.000 Diensten(öffnet im neuen Fenster) , gefolgt von Rambox mit aktuell 730(öffnet im neuen Fenster) .

Die Darstellung macht den Unterschied

Die Benutzeroberflächen aller All-in-One-Messenger wirkten auch nach längerem Ausprobieren aufgeräumt und ordentlich und waren intuitiv zu bedienen. Bei genauerer Betrachtung stellten wir fest, dass es zwischen ihnen einen fundamentalen Unterschied gibt: All-in-One Messenger, Franz, Rambox und Singlebox nutzen zur Darstellung der Chats die offiziellen Web-Interfaces der Messenger und Messaging-Dienste, für Whatsapp also Whatsapp Web.

Das Aussehen der Chats war daher nicht einheitlich. Texts kommuniziert hingegen direkt mit den Schnittstellen der Messenger und Messaging-Dienste, die auch die offiziellen Apps auf dem Smartphone verwenden. Die Chats wurden somit allesamt einheitlich dargestellt. Uns gefiel diese einheitliche Darstellung am besten, die Benutzeroberfläche wirkt dadurch besonders frisch und ermöglicht einen hohen Bedienkomfort. Nutzer müssen somit nicht ständig mit unterschiedlichen Web-Interfaces umgehen.

Weiter geht es mit der Frage, inwiefern sich die Funktionen der All-in-One-Messenger von den Originalen unterscheiden – und mit wichtigen Datenschutzfragen.

Vergleich mit den offiziellen Apps und Datenschutzfragen

Kaum Einschränkungen bei der Nutzung

Das Empfangen und Versenden von Nachrichten, Fotos und Videos funktionierte in unseren Tests mit allen All-in-One-Messengern wie erwartet problemlos. Nutzer von All-in-One Messenger, Franz, Rambox und Singlebox verwenden dazu die Funktionen der offiziellen Web-Interfaces. Bei Texts gibt es ähnlich wie bei den offiziellen Apps Buttons zum Teilen der Medieninhalte.

Einschränkungen im Vergleich zu den offiziellen Apps gab es bei All-in-One Messenger, Franz, Rambox und Singlebox nicht, da sie die offiziellen Web-Interfaces der Messenger und Messaging-Dienste einbinden. Bei Texts vermissten wir die Möglichkeit, Videocalls führen zu können. Bei Signal, iMessage und Instagram konnten wir zudem keine Sprachnachrichten aufnehmen. Die Entwickler bestätigten uns, dass sie dieses Feature mit kommenden Updates anbieten werden. Empfangene Sprachnachrichten konnten wir aber problemlos anhören.

Effizient kommunizieren mit Tastenkombinationen

In den Einstellungen von Rambox und Texts ließen sich Tastenkombinationen konfigurieren. Vor allem bei Texts haben die Entwickler zahlreiche Shortcuts implementiert, etwa für das Zitieren und Weiterleiten von Nachrichten, das Anpinnen oder das Einstellen einer Erinnerung für einzelne Chats. Gerade Personen, die über viele Messenger und Messaging-Dienste parallel kommunizieren, sparen dadurch merklich Zeit.

In den Einstellungen gab es teils noch mehr Optionen zur Auswahl: Texts und Singlebox boten über grundlegende Einstellungen hinaus zahlreiche Detailoptionen zu Darstellung, Benachrichtigungen und anderen Präferenzen. Bei Singlebox ließ sich für den Start der Anwendung ein Passwort festlegen. Texts bot sogar einige Funktionen, die bei den offiziellen Apps nicht zur Verfügung stehen, wie zum Beispiel die Möglichkeit, Nachrichten erst beim Antworten als gelesen zu markieren.

Bei All-in-One Messenger, Franz und Rambox konnten wir in den Einstellungen hingegen nur einige grundlegende Optionen wählen, etwa ob die Anwendung bereits beim Systemstart gestartet werden soll. Bei Rambox gab es interessanterweise die Möglichkeit, den Start der Anwendung mit einem Yubikey abzusichern. Insgesamt waren die Auswahlmöglichkeiten bei diesen All-in-One-Messengern jedoch beschränkt.

Die Kommunikation bleibt privat

Die All-in-One-Messenger speichern die kryptografischen Schlüssel und Zugangsdaten der Messenger und Messaging-Dienste nur auf dem Desktoprechner und geben sie nicht an die Entwickler weiter. Für den Austausch von Nachrichten kommunizieren die All-in-One-Messenger direkt mit den Web-Interfaces oder Servern der Messenger und Messaging-Dienste. Eine Umleitung der Kommunikation über die Entwicklerserver findet nicht statt. Somit ist sichergestellt, dass die Kommunikation privat bleibt und die Entwickler sie nicht mitlesen können.

Nutzer von All-in-One-Messengern sollten allerdings beachten, dass sie ihre Kommunikation über Drittsoftware führen. Mögliche Sicherheitslücken in der Software könnten Sicherheit und Datenschutz bei der Kommunikation unterminieren. Da alle getesteten All-in-One-Messenger aktiv weiterentwickelt werden, ist jedoch damit zu rechnen, dass Sicherheitslücken nach Bekanntwerden durch die Entwickler geschlossen werden.

Manche All-in-One-Messenger teilen Nutzungsverhalten

Um zu analysieren, ob Informationen über das eigene Nutzungsverhalten bei der Nutzung der All-in-One-Messenger preisgegeben werden, untersuchten wir mit dem HTTPS-Proxy mitmproxy(öffnet im neuen Fenster) die Verbindungen zu den Entwicklerservern, die von den All-in-One-Messengern ausgingen.

Franz, Rambox und Texts waren sehr mitteilsam und übermittelten zahlreiche Informationen an ihre Entwickler, wie beispielsweise die Bezeichnungen der genutzten Messenger oder Messaging-Dienste. Auch die Zeitpunkte, wann wir Messenger oder Messaging-Dienst jeweils hinzufügten oder entfernten, erfuhren die Entwickler.

Das Senden dieser Informationen ließ sich in den Einstellungen leider nicht deaktivieren. Ein solches umfangreiches Sammeln von Nutzungsverhalten können wir nicht gutheißen. Bei einem Verkauf des All-in-One-Messengers oder bei Monetarisierungsforderungen müssen Nutzer darauf vertrauen, dass nicht auf diese Informationen zurückgegriffen wird.

All-in-One Messenger übermittelte erfreulicherweise keinerlei Informationen zum Nutzungsverhalten an die Entwickler, nachdem wir das Senden anonymer Nutzungsstatistiken in den Einstellungen deaktiviert hatten. Singlebox fragte uns beim ersten Start, ob die Anwendung anonyme Nutzungsstatistiken an die Entwickler senden darf. Wir erteilten keine Einwilligung und konnten bei unseren Analysen keinerlei Übertragung von Informationen zum Nutzungsverhalten feststellen.

Die Rechnung bitte

Die Nutzung von All-in-One Messenger ist kostenfrei, bei Singlebox kann neben dem kostenfreien Tarif eine Lizenz gegen eine Einmalzahlung von 30 US-Dollar erworben werden. Dann lassen sich mehr als zwei Messenger oder Messaging-Dienste einbinden.

Franz kann nach Ablauf der Testlizenz unentgeltlich mit bis zu drei Messengern oder Messaging-Diensten genutzt werden. Wer mehr nutzen möchte, kann für aktuell 2,99 Euro pro Monat bis zu sechs oder für 5,99 Euro pro Monat bei jeweils jährlicher Zahlungsweise unlimitiert Messenger oder Messaging-Dienste anlegen.

Rambox kann nach der Testphase auch kostenfrei weitergenutzt werden, für derzeit 5,83 US-Dollar pro Monat bei jährlicher Zahlungsweise gibt es Funktionen wie eine Rechtschreibprüfung und Premium-Support dazu. Texts liegt für Privatpersonen bei 12,50 US-Dollar pro Monat bei jährlicher Zahlung.

Vergleichstabelle All-in-one-Messenger
All-in-One-Messenger Franz Rambox Singlebox Texts
Funktionsumfang + + ++ ++ ++
Bedienkomfort + + + + ++
Analyse von Nutzungsverhalten nein (++) ja (-) ja (-) nein (++) ja (-)
Preis (jährliche Zahlungsweise) kostenfrei bis zu drei Dienste kostenfrei, danach 2,99 oder 5,99 Euro/Monat kostenfrei, für mehr Funktionen 5,83 US-Dollar/Monat bis zu zwei Dienste kostenfrei, danach 30 US-Dollar (Einmalzahlung) 12,50 US-Dollar/Monat
++ sehr gut + gut o zufriedenstellend - schlecht -- sehr schlecht

Weitere All-in-One-Messenger und mobile Apps

Neben den getesteten All-in-One-Messengern gibt es beispielsweise noch Beeper, Disa oder IM+. Beeper lässt sich genau wie Texts aktuell nur mit Einladung nutzen. Wir hätten Beeper gerne in unseren Test aufgenommen, da es grafisch ansprechend aussieht und genau wie Texts direkte Schnittstellen zu den Messengern zu implementieren scheint. Leider stellten uns die Entwickler auf Anfrage keinen Testzugang bereit. Disa und IM+ waren zum Testzeitpunkt nicht für alle gängigen Desktopbetriebssysteme verfügbar und somit nicht Teil des Tests.

Wer einen All-in-One-Messenger auf dem Desktoprechner nutzt, wünscht ihn sich auch für das Smartphone. Leider bietet keiner der getesteten All-in-One-Messenger derzeit eine mobile App. Texts plant Entwicklerangaben zufolge(öffnet im neuen Fenster) eine iOS-App, was zumindest iPhone-Nutzern Hoffnung macht.

Beitrag zur Interoperabilität

All-in-One-Messenger könnten bei entsprechender Verbreitung die Diskussion um die Interoperabilität von Messengern entschärfen. Die EU-Kommission hat mit dem Digitale-Märkte-Gesetz (engl.: Digital Markets Act, DMA) festgelegt, dass Nutzer verschiedener Messenger miteinander kommunizieren können sollen . Dabei stieß sie auf Gegenwind einiger Messenger-Anbieter , etwa von Signal oder Threema.

Zu groß sind unter anderem die kryptografischen Unterschiede der einzelnen Messenger, um Nachrichten sicher und unter Wahrung des Datenschutzes auszutauschen. Zwar ersetzen All-in-One-Messenger nicht die Installation aller Messenger auf den Endgeräten. Allerdings ermöglichen sie es, nach der Installation komfortabel und bequem mit Nutzern unterschiedlicher Messenger zu kommunizieren.

Fazit

All-in-One-Messenger ermöglichen eine übersichtliche Kommunikation mit Nutzern unterschiedlicher Messenger und Messaging-Dienste. Gerade wer viel Zeit am Desktop-Rechner verbringt, ist mit einem All-in-One-Messenger gut versorgt und spart sich das ständige Wechseln zwischen Browsertabs und Anwendungen.

All-in-One Messenger, Franz, Rambox und Singlebox stellten die Chats in unserem Test mit den offiziellen Web-Interfaces dar. Das ließ die Chats nicht einheitlich wirken, so dass Nutzer ständig mit unterschiedlichen Benutzeroberflächen umgehen müssen. Texts nutzt Schnittstellen zu den Servern der Messenger und Messaging-Dienste und präsentierte die Chats einheitlich. Das gefiel uns am besten. Abstriche beim Bedienkomfort müssen Nutzer kaum machen.

All-in-One Messenger und Singlebox waren unter den getesteten All-in-One-Messengern die einzigen, die keine Informationen über das Nutzungsverhalten an ihre Entwickler übermittelten. Franz, Rambox und Texts kommunizierten teils sehr umfangreich. Chatinhalte wurden jedoch nicht mit den Entwicklern geteilt.

Leo Dessani, M.Sc., ist Mitarbeiter am Lehrstuhl für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes. Er war Lehrbeauftragter für IT-Sicherheit an der Hochschule Reutlingen und ist derzeit Lehrbeauftragter für IT-Sicherheit und Datenschutz an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer. Sein Forschungsinteresse liegt in den Bereichen technischer Datenschutz, Privacy-Preserving Machine Learning und Sicherheit von Rechnernetzen.


Relevante Themen