Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Nur schwarze Kästen: Schwärzungen in Epstein-PDFs laienhaft gemacht

Das US-Justizministerium hat Gerichtsakten zum Fall Jeffrey Epstein veröffentlicht – doch die Schwärzungen in den PDFs sind technisch mangelhaft.
/ Andreas Donath
41 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Schwarze Blöcke einfach entfernt (Bild: Reddit/Mockdrop.io)
Schwarze Blöcke einfach entfernt Bild: Reddit/Mockdrop.io

Die geschwärzten Epstein-Akten sind nur laienhaft zensiert worden. Wie der Guardian berichtet(öffnet im neuen Fenster), haben die Angestellten des US-Justizministeriums in einigen Fällen wohl nur schwarze Boxen über die Textpassagen als weitere Ebene gelegt. Wer beispielsweise mit STRG+A das gesamte Dokument markiert und dann kopiert, erhält den darunterliegenden Text inkl. der geschwärzten Passagen. In anderen Fällen entfernten Nutzer die schwarzen Blöcke, um das Originallayout der PDFs zu sehen.

Die dem Guardian auf diese Art und Weise unzensiert vorliegenden Dokumente beziehen sich auf eine Zivilklage der Amerikanischen Jungferninseln gegen Darren K. Indyke und Richard D. Kahn, die als Nachlassverwalter von Epsteins Vermögen fungierten. In den Gerichtsakten werden Vorwürfe detailliert, wie der Finanzmanager und seine Mitarbeiter mutmaßlich Missbrauch ermöglicht haben sollen.

Nutzer sozialer Medien begannen(öffnet im neuen Fenster) am Montagabend, die freigegebenen Inhalte zu teilen, nachdem sie die technische Schwachstelle entdeckt hatten.

Zahlungsströme an Models und Schauspielerinnen

Ein enthüllter Abschnitt beschreibt Zahlungen zwischen September 2015 und Juni 2019. Laut Dokument genehmigte Indyke die Auszahlung von mehr als 400.000 Dollar an junge weibliche Models und Schauspielerinnen. In einem anderen Fall erhielt ein ehemaliges russisches Model über 380.000 Dollar in Form regelmäßiger monatlicher Raten von 8.333 Dollar, die über mehr als dreieinhalb Jahre bis Mitte 2019 gezahlt wurden.

Die Staatsanwaltschaft der Jungferninseln erzielte 2022 einen Vergleich mit Epsteins Nachlassverwaltern. Die Vereinbarung belief sich auf 105 Millionen Dollar plus die Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf von Little St. James, der Insel, auf der Epstein lebte und wo einige der Verbrechen stattfanden. Der Vergleich enthält kein Schuldeingeständnis(öffnet im neuen Fenster) der beteiligten Parteien.

Indykes beruflicher Werdegang

Indyke arbeitete jahrzehntelang als Anwalt für Epstein und wurde bisher nicht angeklagt. Er trat 2022 der Parlatore Law Group bei, bevor der Vergleich abgeschlossen wurde. Diese Kanzlei vertritt derzeit Verteidigungsminister Pete Hegseth und vertrat zuvor Donald Trump in Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Umgang von Geheimdokumenten auf seinem Anwesen in Florida.

Trump bestritt stets jede Verbindung zu oder Kenntnis von Epsteins kriminellem Verhalten. Weitere Passagen aus den Dokumenten beschreiben Versuche, kriminelle Aktivitäten zu verbergen. In einem Abschnitt wird behauptet, die Beklagten hätten erhebliche Beträge an beteiligte Zeugen gezahlt, einschließlich der Übernahme ihrer Anwaltskosten und Prozesskosten.

Einschüchterung und Beweisvernichtung

Die Dokumente behaupten auch, Epstein habe Opfer bedroht und dafür gesorgt, dass Geschichten über sie verbreitet wurden, um ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben, als sie versuchten, die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. Eine weitere Anschuldigung besagt, er habe beteiligte Zeugen angewiesen, Beweise zu vernichten, die für Gerichtsverfahren relevant waren.

Grundsteuerzahlungen enthüllt

Grundsteuerunterlagen bilden eine weitere Kategorie enthüllter Informationen. Die Abschnitte 184 bis 192 führen Steuern auf, die von Epstein-Gesellschaften für Immobilien gezahlt wurden, die nicht in Bilanzen aufgeführt waren. Eine Gesellschaft namens Cypress wies für 2018 nur 18.824 Dollar an liquiden Mitteln und 301 Dollar an Ausgaben aus, zahlte aber in jenem Jahr 106.394,60 Dollar an Grundsteuern in Santa Fe.

Gesetzliche Grundlagen für Schwärzungen

Der Epstein Files Transparency Act(öffnet im neuen Fenster) wurde im letzten Monat Gesetz. Er erlaubt dem Justizministerium, persönliche Informationen von Opfern und Materialien zurückzuhalten, die laufende Bundesermittlungen gefährden könnten. Es bleibt die Frage, ob Immobilieninformationen unter diesen Vorgaben überhaupt geschwärzt werden müssen.


Relevante Themen