Nur noch bilanziell: EU kippt ambitionierte Ökostromziele für Rechenzentren
Die EU möchte mehr Rechenzentren, ohne aber gleich die Klimaziele mit aufzugeben, wie es etwa in den USA der Fall ist, wo diese größtenteils von zusätzlichen Gaskraftwerken versorgt werden. Daher werden aktuell neue Effizienzrichtlinien erarbeitet(öffnet im neuen Fenster). Diese hätten, wie das Handelsblatt vor wenigen Wochen berichtete(öffnet im neuen Fenster), sehr streng ausfallen können. Das rief allerdings Verbände und Betreiber auf den Plan. In einem der Financial Times (FT) vorliegenden Entwurf(öffnet im neuen Fenster) sind die strengen Vorgaben nun verschwunden.
Die Energy Efficiency Directive sieht demnach unter anderem ein Effizienzlabel für Rechenzentren vor, wie es auch etwa von Kühlschränken und Autos bekannt ist. Es weist neben der Power und Water Usage Efficiency (PUE und WUE) den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung aus. Ein Entwurf vom März 2026(öffnet im neuen Fenster) setzte hier enge Grenzen, was genau sich die Betreiber der Rechenzentren als Ökostrom anrechnen lassen können.
Denn Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom: Bei sogenannter bilanzieller Betrachtung ist lediglich ausschlaggebend, dass die genutzte Menge Strom aus nicht regenerativen Quellen ausgeglichen wird. Das kann zu anderen Tageszeiten und in anderen Regionen erfolgen. Der Entwurf hingegen forderte (im Anhang III, Punkt 1p), dass der Strom aus weniger als zehn Jahre alten Anlagen stammen und die Erzeugung in einem 15-Minuten-Intervall in der gleichen Stromgebotszone erfolgen müsse.
Echter Ökostrom wäre für Anbieter teurer
Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Rechenzentrumsbetreiber hätten sich nur eine echte Ökostromversorgung anrechnen lassen können.
Selbstverständlich sind auch die Betreiber daran interessiert, klimafreundlich dazustehen. Die hohen Auflagen hätten zwar dem Ausbau regenerativer Energien genutzt, wären für die Betreiber aber teurer als bilanzieller Ökostrom. Entsprechend wandten sich laut FT sowohl der Branchenverband European Data Centre Association als auch einzelne Betreiber wie AWS und Microsoft direkt an die EU-Kommission.
Ihr Argument: Die Pläne machen Rechenzentren teurer. Möglicherweise schwang auch die Angst vor strengeren allgemeinen Effizienzauflagen mit. Laut Handelsblatt könnte das Effizienzlabel für Rechenzentren Grundlage neuer Vorgaben werden – und damit die Ökostromregeln. Offenbar war die Industrie mit ihrem Anliegen erfolgreich, denn wie bereits erwähnt, sind die strengeren Regeln aus dem neuen Entwurf laut FT verschwunden. Zudem soll auch Strom aus Kernkraftwerken als Ökostrom angerechnet werden können.
Wie bereits zuvor die Bundesregierung kommt die EU-Kommission den Betreibern entgegen. Höhere Kosten kann aber auch bilanzieller Ökostrom bedeuten: Killian Daly, Leiter des Thinktanks Energytag, den die FT zum Thema befragte, erwartet einen steigenden Bedarf an Strom aus Gaskraftwerken, um die Versorgung der Rechenzentren etwa nachts zu gewährleisten. Und den zahlen dann alle Verbraucher mit.
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