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Nukleares Energieparadox: Atomwirtschaft ist nur dank Subventionen entstanden

Es hat einen simplen Grund, dass Industrieländer nach 1980 kaum noch Atomkraftwerke geplant haben: Sie sind nicht konkurrenzfähig.
/ Mario Petzold
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Das Atomkraftwerk im belgischen Huy wurde 1975 in Betrieb genommen. (Bild: Pixabay/Ben_Kerckx)
Das Atomkraftwerk im belgischen Huy wurde 1975 in Betrieb genommen. Bild: Pixabay/Ben_Kerckx

Eine Studie der TU Berlin(öffnet im neuen Fenster), unterstützt durch das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung(öffnet im neuen Fenster), hat die Bedingungen untersucht, unter denen vor etwa 60 Jahren der Ausbau der Atomkraft begann. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass sich die Art der Stromerzeugung im Wettbewerb nicht durchsetzen konnte.

Dass es zwischen 1970 und 1985, also mit Inbetriebnahme der bis in die Siebzigerjahre geplanten Reaktoren, zu einem rasanten Anstieg der Energieproduktion durch Kernspaltung kann, lässt sich laut der Forschungsarbeit auf drei Punkte zurückführen. Und alle drei können als Wette auf eine Zukunft verstanden werden, die so nie eintrat.

Günstige Alternativen stets präsent

Eine Grundannahme war das baldige Ende der Verfügbarkeit fossiler Brennstoffe. Entgegen dieser Prognose stiegen und steigen die Fördermengen insbesondere bei Erdöl und Erdgas seitdem jedes Jahr an. Anders als erwartet, entfiel damit eine vergleichsweise günstige Alternative für die Strom- und Wärmeproduktion nicht, sondern wurde parallel immer günstiger.

Ein Beispiel dafür sind die Benzinpreise(öffnet im neuen Fenster). Obwohl der Anteil an Steuern und Abgaben heute deutlich höher ist, kostet ein Liter Benzin oder Diesel inflationsbereinigt genauso viel wie 1960.

Dass mittlerweile neue und teils noch günstigere Stromquellen hinzugekommen sind, macht den Ausbau der Atomkraft zusätzlich unattraktiv.

Fortschritt blieb aus

Eine weitere, nie eingetretene Annahme bezieht sich auf den technologischen Fortschritt, der erwartet wurde. Bau und Betrieb von Atomkraftwerken hätten sich demnach immer weiter verbilligen sollen. Stattdessen konnte die Studie nur eine minimale Lernkurve beobachten. Der Preis je Leistung ist auch unter Berücksichtigung der Inflation nahezu gleich geblieben.

Hier kommt der dritte Punkt ins Spiel. Zu Beginn des Atomkraftausbaus bestand kein Zusammenhang zwischen Aufwand und Preis für die Kernreaktoren. Die beiden dominierenden Anbieter, Westinghouse und General Electric, brachten ihre Technologie zu unrealistisch niedrigen Preisen auf den Markt und kalkulierten hohe Verluste ein.

Versuch der Marktdominanz der Atomkraft gescheitert

Dabei wurde auf die Hoffnung gesetzt, dass sich Atomkraft mit Blick auf den schnellen Fortschritt der Technik und das Ende fossiler Energieträger zur dominierenden Form der Stromerzeugung entwickeln würde. In diesem Umfeld hätten die beiden Unternehmen dann eine führende Rolle eingenommen.

Das Vorgehen erinnert nicht ganz zufällig an jüngere Beispiele aus dem Bereich der sozialen Medien, der digitalen Werbung oder des Onlinehandels. Im Fall der Atomkraft hat sich laut der Studie jedoch schon in den Siebzigerjahren gezeigt, dass sich die Preise anderer Energieformen nicht unterbieten lassen.

Wobei dies nie das Ziel war. Die Prämisse der damaligen Energieprognosen für die Zukunft war, dass insbesondere Strom aus Kohle oder Öl bald unbezahlbar hätte sein sollen. Im Vergleich hätte sich der Bau von Atomkraftwerken natürlich gelohnt.

Gegenargumente häuften sich

Das führt laut der Studie dazu, dass in Ländern mit konkurrierenden Energieunternehmen, also explizit nicht China, kaum neuere Atomkraftwerke zu finden sind. Das endgültige Umdenken fand mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 statt, aber bereits im Jahrzehnt davor war der Zubau vom Atomkraftwerken weltweit zum Erliegen gekommen.

Seit 1990 hat sich die Gesamtleistung aller weltweiten Kernreaktoren nicht mehr nennenswert erhöht, obwohl ein moderater Ausbau in Ländern wie China, Indien oder vereinzelt in Europa und den USA stattfindet. Das lässt sich auch, aber nicht nur durch einen Knick erklären, der 2011 durch die zweite große Reaktorkatastrophe in Fukushima, Japan, ausgelöst wurde.

In der nahen Zukunft wird wegen der insgesamt stark gealterten Reaktorflotte, in der viele Kraftwerke bereits seit über 40 Jahren laufen, global gesehen am ehesten mit einem Leistungsrückgang gerechnet.

Die Studie zeigt, dass trotz weiter bestehender Prognosen zu einem rasanten Ausbau der Atomkraft, der unter anderem für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes eingeplant ist, ein solcher Ausbau nicht zu erwarten ist. In einem ökonomisch kompetitiven System sei Atomkraft nicht konkurrenzfähig. Dieser Widerspruch zwischen immer wieder diskutiertem Ausbau und der realen Entwicklung wird als nukleares Energieparadox bezeichnet.

Bei diesem Text handelt es sich um den zweiten Teil der Analyse der Studie zur Ökonmie der Atomkraft der TU Berlin. Hier geht es zum ersten Teil.


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