NSA-Skandal: Geheimdienst nutzt Metadaten für soziale Profile

Die NSA-Sammelwut für Verbindungsdaten ist bekannt. Doch nicht nur Beziehungen zwischen Ausländern werden damit analysiert. Das zeigen neue Enthüllungen Edward Snowdens.

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Massenspeicher für Verbindungsdaten: NSA-Komplex in Utah
Massenspeicher für Verbindungsdaten: NSA-Komplex in Utah (Bild: George Frey/Getty Images)

Der US-Militärgeheimdienst NSA erstellt mit Hilfe von Metadaten offenbar auch soziale Profile von US-amerikanischen Staatsbürgern. Wie die New York Times berichtet, generiert die NSA seit dem Jahr 2010 differenzierte Diagramme von den sozialen Beziehungen einiger Amerikaner, die deren Aufenthaltsorte, Bekanntschaften, Reisebegleiter und weitere persönliche Daten umfassen. Dies gehe aus neu veröffentlichten Dokumenten sowie Gesprächen mit NSA-Mitarbeitern hervor.

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Der unersättliche Hunger der NSA nach Verbindungsdaten, auch Metadaten genannt, ist seit den Enthüllungen des Ex-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden bekannt. Neu ist hingegen, dass der Geheimdienst mit Hilfe der Daten auch soziale Profile von US-Bürgern erstellt. Einem Memorandum von Januar 2011 zufolge sei Methodenwechsel erfolgt, um die Beziehungen zwischen ausländischen Verdächtigen und US-Bürgern leichter entdecken und verfolgen zu können. Der Geheimdienst sei ermächtigt worden, in großem Umfang grafische Analysen auf der Basis sehr großer Verbindungsdatensätze vorzunehmen, ohne sie darauf zu überprüfen, ob sie aus dem Ausland stammen. Die Daten würden zudem um öffentlich zugängliches Material ergänzt, darunter Bank- und Versicherungsdaten, Facebook-Profile, Passagierlisten, Wählerverzeichnisse oder Steuerdaten. NSA-Mitarbeiter wollten keine Auskunft darüber geben, wie viele US-Bürger von dem Programm erfasst worden seien. Dem Memo zufolge müssen die NSA-Analysten die Datenerfassung mit einem ausländischen Spionageziel begründen. Bei Verdacht auf Terrorismuskontakte, Waffenhandel oder Drogenschmuggel könnten so ausländische Politiker, Geschäftsleute oder Aktivisten abgehört werden.

Unklar ist, auf welche Datenbanken für Telefonate und E-Mails zurückgegriffen wird, um die Diagramme zu erstellen. Aus den Dokumenten Snowdens geht dies dem Blatt zufolge nicht hervor. Ein Mitarbeiter habe aber gesagt, die NSA verfüge über zahlreiche Sammelprogramme und Datenbanken, wobei die Beziehungsgeflechte auf der Basis in- und ausländischer Metadaten analysiert würden. Verschiedene Geheimdokumente zeigen nach Ansicht der New York Times, wie groß die Sammelwut der NSA für Nutzerdaten geworden ist. So suche der Geheimdienst einem streng geheimen Dokument zufolge nach 94 Merkmalen für eine Person, wozu Telefonnummern, E-Mail-Adressen und IP-Adressen zählten. Mit Hilfe von 164 Beziehungsarten würden soziale Netzwerke und "Interessengemeinschaften" zwischen Personen erstellt. Zu den Suchanfragen gehörten demnach: "reistMit", "hatVater" oder "schreibtForenbeiträge".

Nach Ansicht von Experten könne die Analyse von Metadaten aufschlussreicher für das Verhalten einer Person sein als das Abhören von Telefonaten. Welchen Umfang die Metadatensammlung inzwischen angenommen habe, zeigen Dokumente aus dem Haushaltsplan der US-Geheimdienste von 2013, der ebenfalls von Snowden geleakt worden war. Demnach soll ein Datenspeicher für 20 Milliarden Aufzeichnungsereignisse täglich angelegt werden, die den NSA-Analysten innerhalb von 60 Minuten zugänglich gemacht werden sollen. Einem Dokument aus dem Jahr 2008 zufolge soll für einen Etat von 394 Millionen US-Dollar im Jahr ein "Betriebliches Wissenszentrum" eingerichtet werden, das in der Lage sein soll, komplexe Beziehungen und Muster innerhalb diverser Datenquellen schnell zu erkennen und zuzuordnen.

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