NSA: Huawei sieht US-Kampagne wegen fehlender Hintertüren
Die Kampagne der USA gegen Huawei habe andere Gründe als Sicherheitsbedenken, schreibt Guo Ping, Rotating Chairman von Huawei Technologies, in einem Gastkommentar für die Financial Times (Paywall)(öffnet im neuen Fenster). Die Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden zeigten, dass der Geheimdienst NSA "Corporate Partnerships" mit bestimmten US-amerikanischen Technologie- und Telekommunikationsunternehmen unterhalte, die es dem Geheimdienst ermöglichten, "Zugang zu leistungsstarken internationalen Glasfaserkabeln, Switches und/oder Routern auf der ganzen Welt zu erhalten."

Huawei sei in mehr als 170 Ländern tätig und erwirtschafte die Hälfte seines Umsatzes im Ausland, der Hauptsitz des Konzerns befindet sich in China. Dadurch würden die Chancen auf "Corporate Partnerships" mit der NSA deutlich reduziert. "Wenn die NSA Router oder Switches modifizieren will, um abzuhören, wird ein chinesisches Unternehmen wahrscheinlich nicht mit ihnen zusammenarbeiten. Dies ist ein Grund, warum sich die NSA in Huawei-Server gehackt hatte", erklärte Guo.
"Viele unserer Zielobjekte kommunizieren über Huawei-Produkte", heißt es in einem NSA-Dokument von 2010. "Wir wollen sicherstellen, dass wir wissen, wie man diese Produkte ausnutzen kann."
Je mehr Huawei-Geräte in den Telekommunikationsnetzen der Welt installiert seien, desto schwieriger werde es für die NSA, "alles zu erfassen". Huawei behindere die Bemühungen der USA, auszuspionieren, wen sie wollten. Dies sei der erste Grund für die US-Kampagne gegen Huawei.
Am Dienstag wiederholte eine US-Delegation unter der Leitung des Vorsitzenden der Federal Communications Commission (FCC), Ajit Pai, auf dem Mobile World Congress den Aufruf, Huawei aus 5G-Netzen herauszuhalten. Laut Informationen von Golem.de wurden auf Fragen der Journalisten nach Beweisen für Hintertüren erneut keine Fakten genannt.
US-Vizepräsident Mike Pence sprach kürzlich vor der Nato von "der Bedrohung durch Huawei", und Außenminister Mike Pompeo warnte die Verbündeten, dass die Verwendung von Huawei-Ausrüstung es den USA erschweren würde, "mit ihnen zusammenzuarbeiten". Laut Guo ist Huawei bei 5G anderen Herstellern um etwa ein Jahr voraus. Dies hatte auch der Lobbyist Gerhard Schindler, der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), zuvor erklärt.
Nokia und Ericsson in China Nachbarn Huaweis
Guo schreibt: "Wenn die USA Huawei aus den 5G-Netzen der Welt heraushalten kann, indem sie uns als Sicherheitsbedrohung darstellen", können andere Länder 5G nicht frühzeitig einführen. "Die gegen Huawei gerichteten Salven sind das direkte Ergebnis der Erkenntnis Washingtons, dass die USA bei der Entwicklung einer strategisch wichtigen Technologie im Rückstand sind. Die globale Kampagne gegen Huawei hat wenig mit Sicherheit zu tun und alles mit dem Wunsch Amerikas, einen erstarkenden technologischen Konkurrenten zu unterdrücken".
Tatsächlich haben die USA keinen führenden Mobilfunkausrüster mehr, besonders im Bereich Radio. Lucent Technologies fusionierte im Jahr 2006 mit der französischen Alcatel. Das Gemeinschaftsunternehmen wurde von Nokia gekauft. Das Mobilfunknetzgeschäft von Motorola Solutions wurde im Jahr 2010 von Nokia Siemens Networks übernommen.
Die in den USA als Netzwerkausrüster tätigen europäischen Ausrüster Nokia und Ericsson produzieren beide in direkter Nachbarschaft mit Huawei im chinesischen Shenzhen, wie die Linken-Abgeordnete Anke Domscheit-Berg kürzlich betonte(öffnet im neuen Fenster).
- Anzeige Hier geht es zur AVM Fritzbox 7590 AX bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.


