NSA, FBI und Co.: US-Behörden fragen angeblich nach Master-Keys für SSL

Es ist ein ganz neuer Aspekt in der aktuellen Diskussion um Datensicherheit, den Cnet in einer ausführlichen Reportage(öffnet im neuen Fenster) ins Spiel bringt: Selbst der weitgehend als sicher angesehenen SSL-Verschlüsselung vom Browser bis zum Server kann man angeblich nicht mehr trauen. SSL kommt insbesondere für E-Mails neue Bedeutung zu , weil die meisten Maildienstleister auch verschlüsselte Verbindungen zu ihren Webfrontends anbieten, so dass Anwender auch ohne lokale Tools zumindest bis zum Server des Anbieters von einer Verschlüsselung ausgehen können.
Es zeigt sich aber wieder einmal, dass das System SSL durch seine langlebigen Master-Keys angreifbar ist: Diese Keys, die wie ein Generalschlüssel eines Anbieters arbeiten, sollen nämlich von US-Behörden bei den Providern eingefordert werden. Ein Mitarbeiter eines Onlineunternehmes, der entsprechende Anfragen beantworten musste, sagte Cnet: "Die Regierung verlangt definitiv SSL-Keys von Providern." Mit einem Master-Key kann dann die gesamte SSL-Kommunikation, die über die Server eines Anbieters läuft, entschlüsselt werden.
Das ist, nach Meinung von ebenfalls befragten Rechtsexperten, eine Grauzone. Bei einer strafrechtlichen Ermittlung etwa durch die Bundespolizei FBI sollen solche Anfragen nicht gedeckt sein, bei Aktionen nach den Fisa-Regeln – auf die sich auch die NSA beruft – aber seien solche Zugriffe auf Generalschlüssel rechtens.
Dabei sollen vor allem kleinere Unternehmen leicht nachgeben, berichtet Cnet. Die Großen der Onlinewelt, die auch gezielt befragt wurden, behandeln solche Anfragen offenbar kritischer. So sagte ein Sprecher von Google, das Unternehmen habe der Regierung "niemals irgendwelche Schlüssel übergeben" . Facebook äußerte sich nicht direkt, aus dem Unternehmen sei aber zu hören, dass solche Anfragen entschieden abgewehrt werden würden.
Die Onlineunternehmen setzen zunehmend nicht mehr nur auf SSL allein, sondern auch auf das nicht mit Generalschlüsseln arbeitende Verfahren PFS . Es wird unter anderem von Google bei manchen Diensten eingesetzt, aber auch nicht bei allen, weil sowohl Browser wie Server es vollständig unterstützen müssen.