NSA-Affäre: US-Geheimdienst späht Google und Swift aus

Dem US-Geheimdienst NSA ist es offenbar gelungen, in die Netzwerke großer Unternehmen und ausländischer Regierungen einzudringen. Einem Bericht des brasilianischen Senders TV Globo zufolge(öffnet im neuen Fenster) ( englisch(öffnet im neuen Fenster) ) gehören zu den Überwachungszielen der Suchmaschinenkonzern Google, der brasilianische Ölkonzern Petrobras, das französische Außenministerium und der Finanzdienstleister Swift. Die in Belgien ansässige Genossenschaft von mehr als 10.000 Finanzinstitutionen und -firmen aus 212 Staaten übernimmt den Datentransfer zwischen ihren Mitgliedern. US-Geheimdienstdirektor James Clapper verteidigte das Vorgehen der USA.
Die Namen der genannten Firmen und Institutionen finden sich auf einer Präsentation(öffnet im neuen Fenster) mit dem Titel "Private Netzwerke sind wichtig" . Der Sender erhielt die Daten über das Programm "Royal Net" von dem amerikanischen Journalisten Glenn Greenwald, der sich auf Unterlagen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden stützt. Der in Brasilien lebende Greenwald machte auf der Präsentation aus Sicherheitsgründen die meisten Firmennamen unkenntlich. "Die Dokumente enthalten Informationen, die Spionage gegen Terroristen betreffen. Belange der nationalen Sicherheit, die nicht veröffentlicht werden sollen, denn niemand bezweifelt, dass die USA, wie jedes anderes Land auch, zur Gewährleistung der nationalen Sicherheit spionieren dürfen" , sagte Greenwald zur Begründung. Es gebe aber noch viel mehr Informationen über das Ausspähen von Unbeteiligten, die nicht mit Terrorismus in Verbindung stünden, sowie Industriespionage, was noch veröffentlicht werden müsse.
Nach Angaben von TV Globo ist unklar, welche Unterlagen die NSA beispielsweise über Petrobras ausspähen wollte. Neben dem Programm "Royal Net" werden in der NSA-Schulung auch die Programme "Flying Pig" und "Hush Puppy" präsentiert. Diese gehen offenbar auf den britischen Geheimdienst GCHQ zurück und dienen dazu, die Verschlüsselungssysteme TLS/SSL auszuhebeln. Dazu bedienten sich die Geheimdienste sogenannter Man-in-the-Middle-Attacken(öffnet im neuen Fenster) , bei denen der Datenverkehr zwischen zwei Punkten unbemerkt in der Mitte abgegriffen und dann an den Empfänger weitergeleitet wird.
Bereits Ende August hatte die NSA der Washington Post versichert(öffnet im neuen Fenster) , keinerlei Art von Wirtschaftsspionage zu betreiben. Diese Position verteidigte US-Geheimdienstdirektor Clapper in einem Statement(öffnet im neuen Fenster) . Es sei zwar kein Geheimnis, dass die Nachrichtendienste auch Daten zu Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten sammelten. Dies habe unter anderem das Ziel, vor möglichen Finanzkrisen gewarnt zu sein und die Finanzströme von Terrornetzwerken aufzudecken. Allerdings diene die Spionage nicht dazu, "amerikanischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen oder deren Gewinne zu erhöhen" .
Für weitere Hintergründe zur NSA-Affäre aktualisiert Golem.de fortlaufend diese beiden Artikel:



