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NSA-Affäre: Ratlos, privatlos

Bedingungsloses Grundmisstrauen in einem Weltkrieg, der kaum bemerkt wird: Zum ersten Jahrestag der Snowden-Enthüllungen ein paar Anmerkungen über das Geheimnis und das Innerste der Macht. Ein Essay.

Artikel von Peter Glaser veröffentlicht am
Früher hatten es Spione schwerer, heute macht ihnen das Internet das Ausspähen leicht.
Früher hatten es Spione schwerer, heute macht ihnen das Internet das Ausspähen leicht. (Bild: Eddie Keogh/Reuters)

Im Sommer 2010 erschien in der Washington Post eine Artikelserie mit dem Titel Top Secret America, für die Journalisten der Zeitung zwei Jahre lang recherchiert hatten. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Welt der amerikanischen Geheimdienste ein bizarres Ausmaß angenommen hat. Hinter den öffentlichen USA existiere ein zweites, geheimes Amerika. In einem Interview räumte der damalige Verteidigungsminister Robert Gates ein, der Geheimdienstapparat sei seit den Anschlägen vom 11. September 2001 so angeschwollen, dass sogar der Chef der CIA und er selbst nur schwer den Überblick behalten könnten.

Drei Jahre später begann der Versuch, der Weltöffentlichkeit einen Überblick zu verschaffen. Am 6. Juni 2013 publizierten die Washington Post und der britische Guardian erstmals Top-Secret-Dokumente über bis dahin unbekannte Geheimdienstprogramme zur umfassenden Überwachung der weltweiten elektronischen Kommunikation. Drei Tage später gab sich in einem Video-Interview die Quelle der bemerkenswerten Informationen zu erkennen, ein junger Mann namens Edward Snowden. "Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird", begründete der vormalige NSA-Mitarbeiter seinen Schritt. "Solche Bedingungen bin ich weder bereit zu unterstützen, noch will ich unter solchen leben."

Snowden hat von Wikileaks gelernt

An spektakulären Enthüllungen hatte schon zuvor kein Mangel geherrscht. Im Juli 2010 hatte Wikileaks 76.911 Militärberichte aus Afghanistan freigegeben, die ein einzigartig detailliertes Bild des Krieges zeichnen. Im Oktober folgten rund 400.000 geheime Dokumente über den Irakkrieg - die größte Veröffentlichung von militärischen Papieren in der Geschichte der USA - und im November die ersten von insgesamt rund 116.000 diplomatischen Depeschen, die zwischen 1966 und 2010 von US-Botschaften verschickt worden waren.

Dass es sich dabei nicht nur um harmlosen Klatsch handelte, belegen die Folgen. So trennte sich die FDP von Guido Westerwelles ehemaligem Büroleiter Helmut Metzner, der die US-Botschaft gern über Parteiinterna unterrichtet hatte und durch geleakte Depeschen als Maulwurf enttarnt wurde.

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Nach jeweils einem Auftakt mit Donnerhall sank das öffentliche Interesse an den monströsen Datensammlungen aber bald. Es war schlichtweg zu schnell zu viel. Auch die Versuche, die Übermengen mit Hilfe der neuen, interaktiven Methoden des Datenjournalismus zu bewältigen, vermochten das Publikum nicht tiefer zu ergreifen.

Diese Lektion haben Edward Snowden und die Journalisten, denen er sein Material in die Hände gab, gründlich gelernt. Erst nach und nach, jeweils sorgfältig ausrecherchiert, entfaltet sich nun ein mit jeder weiteren Enthüllung aus dem Materialfundus Snowdens deutlicheres Bild: Die Überwachung ist nahezu total, an einigen Stellen scheint nur die Technik noch nicht soweit zu sein. Um "die Nadel im Heuhaufen finden zu können", werden nicht mehr nur Verdächtige verdächtigt, sondern alle, jedermann, anlasslos und algorithmisch abgefertigt. Der Preis für die Verhinderung von Terroranschlägen ist die Verhinderung von Privatsphäre. "Nackt zu fliegen würde das Fliegen gewiss sicherer machen", twitterte der Journalist und Pulitzer-Preisträger Nicholas Kristof, "aber es gibt einige Dinge, die nicht einmal im Interesse der Sicherheit getan werden sollten".

Internet als bestes Instrument staatlicher Überwachung aller Zeiten 
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JarJarThomas 08. Jun 2014

Wenn die Leute Millionen für sichere Software investieren dann kann die auch zb aus...

joojak 08. Jun 2014

Dieser kerl hat vor einem jahr die NSA als NASA bezeichnet und hat sich voll lächerlich...

joojak 08. Jun 2014

Eine wunderschöne Analogie. Wenn das so weiter geht, eird es uns alle betreffen. Und um...

joojak 08. Jun 2014

Wie du redest glaube ich dir 100% und gebe dich sicher auch recht. Doch alle anderen...

spiderbit 06. Jun 2014

Stimme dir prinzipiel ja zu. Aber China zu vergleichen mit hier ist schwer. 1. gab es...


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