NSA-Affäre: Bundesregierung weist US-Geheimdienstvertreter aus

Die Bundesregierung zieht eine scharfe diplomatische Konsequenz aus der NSA-Affäre. Der Repräsentant der US-Geheimdienste in Berlin wird ausgewiesen.

Artikel veröffentlicht am ,
Der Geheimdienstrepräsentant der US-Botschaft in Berlin muss Deutschland verlassen.
Der Geheimdienstrepräsentant der US-Botschaft in Berlin muss Deutschland verlassen. (Bild: John Macdougall/AFP/Getty Images)

Der Repräsentant der US-Nachrichtendienste an der Botschaft der USA in Berlin ist zum Verlassen des Landes aufgefordert worden. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag in Berlin mit. Die Aufforderung sei vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen des Generalbundesanwaltes zu US-Spionen in deutschen Behörden "wie auch der seit Monaten anstehenden Fragen zur Tätigkeit von US-Nachrichtendiensten in Deutschland, zu denen der Deutsche Bundestag einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss eingerichtet hat" erfolgt, hieß es.

Die Bundesregierung nehme die Vorgänge sehr ernst, teilte Seibert weiter mit. Es bleibe für Deutschland zwar unerlässlich, im Interesse der Sicherheit seiner Bürger und seiner Einsatzkräfte im Ausland eng und vertrauensvoll mit westlichen Partnern, insbesondere mit den USA, zusammenzuarbeiten. "Dazu sind aber gegenseitiges Vertrauen und Offenheit notwendig", sagte Seibert. Die Bundesregierung sei dazu weiter bereit und erwarte das auch von ihren engsten Partnern.

De Maizière: Lächerliche Informationen

Medienberichten zufolge soll der Verbindungsmann die beiden mutmaßlichen US-Spione im Verteidigungsministerium und im Bundesnachrichtendienst geführt haben. Das Bekanntwerden der beiden Fällen hatte für Empörung gesorgt und das bereits angespannte Verhältnis zu den USA weiter verschlechtert. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte zu den Vorfällen am Donnerstagmittag mitgeteilt: "Die Vorwürfe sind noch nicht aufgeklärt, die zuständigen Behörden arbeiten mit Nachdruck. Vor allem Umfang und mögliche Tatbeteiligung sind noch nicht klar." Seine vorläufige Bewertung laute jedoch: "Wenn es dabei bleibt, was wir jetzt wissen, sind die durch diese mutmaßliche Spionage gewonnenen Informationen lächerlich." Der politische Schaden sei dagegen jetzt schon unverhältnismäßig und schwerwiegend.

In US-Medien wurde bereits spekuliert, warum die beiden Spionagefälle gerade zum jetzigen Zeitpunkt aufgeflogen sind. Dahinter könnte die Intention stehen, schrieb die Washington Post, auf diese Weise Druck auf die US-Regierung auszuüben, um das bereits gescheiterte No-Spy-Abkommen doch noch zu erzwingen.

Nachtrag vom 10. Juli 2014, 16:45 Uhr

Normalerweise werden ausländische Geheimdienstmitarbeiter über sogenannte Stille Ausweisungen zum Verlassen des Landes aufgefordert. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen November zufolge liegt die letzte Stille Ausweisung eines US-Agenten schon 14 Jahre zurück. In den vergangenen Jahren seien chinesische, südkoreanische und russische Agenten zur Ausreise gedrängt worden.

Die Bundesregierung wollte auf eine parlamentarische Anfrage hin keine genaue Angabe zu den Fällen machen. Es würden "keine Statistiken über Persona-non-grata-Erklärungen" geführt, hieß es Anfang Dezember 2013. Zuletzt sei im Juni 2012 ein Diplomat, der syrische Botschafter, ausgewiesen worden. Stille Ausweisungen seien im Wiener Übereinkommen über Diplomatische Beziehungen nicht vorgesehen. Sie beträfen Absprachen zwischen Nachrichtendiensten, die aus nachvollziehbaren Gründen nicht öffentlich gemacht werden könnten. Auskünfte dieser Art würden dem Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) gegeben.

Sollte der US-Geheimdienstmitarbeiter der Aufforderung zur Ausreise nicht nachkommen, könnte er von der Regierung zur unerwünschten Person ("persona non grata") erklärt werden. Dann müsste er innerhalb einer Frist - normalerweise 72 Stunden - zwingend das Land verlassen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


acuntex 11. Jul 2014

Sorry, aber.... Der Text wäre leichter lesbar, wenn du ab und an mal einen...

Bekbek 11. Jul 2014

Hoffe er bleibt dort in seinem Versteck, für IMMER, ist besser für ihn. Unter dem Vorwand...

Bekbek 11. Jul 2014

denke mal das einige "Agenten" Praktikanten oder Studenten waren. Könnten auch...

RechtsVerdreher 11. Jul 2014

So eine Umgangsform. Wäre sowas in der ehemaligen Soviet Union passiert, hätte sich eine...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Updates für GPT-3 und GPT-4
GPT im Geschwindigkeitsrausch

OpenAIs Updates für GPT-4 und GPT-3 machen die Modelle zuverlässiger, vor allem aber anpassungsfähiger. Die Änderungen und neuen Features im Detail.
Von Fabian Deitelhoff

Updates für GPT-3 und GPT-4: GPT im Geschwindigkeitsrausch
Artikel
  1. Candy Crushed: Royal Match wird profitabelstes Mobile Game
    Candy Crushed
    Royal Match wird profitabelstes Mobile Game

    Die langanhaltende Dominanz von Candy Crush Saga ist vorbei. Das meiste Geld verdient jetzt ein Start-up aus Istanbul mit einem Puzzlespiel.

  2. Datenschutz: ChatGPT-Exploit findet E-Mail-Adressen von Times-Reportern
    Datenschutz
    ChatGPT-Exploit findet E-Mail-Adressen von Times-Reportern

    Eigentlich sollte der Chatbot auf diese Anfrage gar nicht antworten. Tut er es dennoch, lauern womöglich noch viel brisantere Informationen.

  3. Donald E. Knuth: 30 Jahre Weihnachtsvorlesungen frei verfügbar
    Donald E. Knuth
    30 Jahre Weihnachtsvorlesungen frei verfügbar

    Ein bisschen theoretische Informatik, Algorithmen oder Mathematik zu Weihnachten? Wer das mag, kann nun sogar alle Vorlesungen hintereinander ansehen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • TeamGroup Cardea Graphene A440 2 TB mit zwei Kühlkörpern 112,89€ • Logitech G915 TKL LIGHTSYNC RGB 125,11€ • AVM FRITZ!Repeater 3000 AX 129€ • Philips Ambilight 77OLED808 2.599€ • MindStar: Patriot Viper VENOM 64 GB DDR5-6000 159€, XFX RX 7900 XT Speedster MERC 310 Black 789€ [Werbung]
    •  /