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Nothing Phone (2) im Test: Vorne und hinten eine Augenweide

Das neue Nothing Phone überzeugt durch Design, Leistung, Akku und Display, bei den Kameras geht Nothing beim Phone (2) auf Nummer sicher.
/ Tobias Költzsch
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Das Nothing Phone (2) (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Das Nothing Phone (2) Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Nothing hat vor Kurzem sein Phone (2) vorgestellt, das wie der Vorgänger Phone (1) wieder stark auf das Design setzt. Auch das neue Modell hat die Glyph-Rückseite, bei der LED-Streifen unter einer transparenten Rückschale für Benachrichtigungen verwendet werden. Golem.de hat sich angeschaut, was das Phone (2) für den gegenüber dem Phone (1) höheren Preis bietet.

Das Phone (2) kommt in einer Verpackung komplett aus Pappe und Papier, die sich - anders als die des Phone (1) - wieder verschließen lässt. Die auf dem Phone (2) angebrachte Displayfolie ist an sich eine gute Idee, uns stört aber die Kante beim Wischen in das Display. Daher haben wir sie entfernt.

Das 6,7 Zoll große Display (155 x 70 mm) ist einer der blickwinkelstabilsten Bildschirme, die wir seit einiger Zeit gesehen haben. Die Blickwinkelstabilität würden wir mit der eines iPhone 14 vergleichen. Zusammen mit angenehmen Farben und einer hohen maximalen Beleuchtung, die auch bei hellem Tageslicht Bildschirminhalte gut erkennen lässt, macht der Bildschirm des Phone (2) einfach Spaß.

Komplett durchdachtes Monochrom-Design

Gut gefällt uns auch Nothings Monochrom-Design, das wir bei der Einrichtung auswählen können. Alternativ steht auch Androids Standarddesign zur Verfügung, wir empfehlen aber, den Nothing Launcher wenigstens einmal auszuprobieren. Das Design ist minimalistisch und kommt mit wenigen Farben aus - im Grunde nur Schwarz, Weiß und Rot.

Nothing hat für Apps auch minimalistische, schwarz-weiße Icons entwickelt. Im Unterschied zu anderen Herstellern mit eigenen App-Icons wie etwa Google werden tatsächlich alle Symbole in Schwarz-Weiß angezeigt. Oft gibt es bei Anwendungen, die nicht zu den System- oder Hersteller-Apps zählen, keine eigenen Symbole - diese stechen dann als bunte Inseln hervor.

Beim neuen Nothing Launcher wird im Zweifel das eigentliche App-Icon genommen, in Schwarz-Weiß umgewandelt und in einen schwarzen Kreis gepackt. Dadurch ist der Look durchgehend, was uns gut gefällt.

Interessant sind auch die Widgets: Nothing hat einige neue entwickelt, unter anderem ein rundes Wetter-Widget, bei dem wir drei Ebenen durchschalten können. Auch für den Sperrbildschirm stehen einige zur Verfügung: verschiedene Uhren, Schnelleinstellungen und Wetter-Widgets. Auf dem Sperrbildschirm können wir, anders als auf dem Startbildschirm, nur eine von Nothing festgelegte Auswahl an Widgets verwenden - und keine von anderen Apps. Auch ist die Anzahl begrenzt. Vor allem die Schnelleinstellungen finden wir aber sehr praktisch: Wir können beispielsweise die Taschenlampe oder das WLAN direkt über den Sperrbildschirm ein- und ausschalten.

Android mit gutem Updatezeitraum

Das Phone (2) wird mit Android 13 ausgeliefert, Nothing verspricht drei Jahre lang Versionsupgrades und vier Jahre lang Sicherheitsupdates. Der Hersteller hat erfreulicherweise keine Bloatware auf dem Smartphone installiert - bis auf die Google-Apps und wenige Nothing-Anwendungen ist das System angenehm unangetastet. Zusammen mit den 12 GByte RAM und dem Snapdragon 8+ Gen1 läuft das Smartphone in unserem Test flüssig, auch leistungsintensivere Apps sind kein Problem. Mit 1.731 Punkten bescheinigt auch der Single-Core-Test des Geekbench 6 dem Phone (2) eine sehr gute Leistungsfähigkeit.

Glyph-Interface mit mehr Möglichkeiten

Die Glyph-Rückseite funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die des Phone (1): Bekommen wir einen Anruf oder eine Benachrichtigung, leuchten die LED-Streifen auf der Rückseite in verschiedenen Mustern. Nothing hat die Streifen aufgeteilt und mehr Beleuchtungszonen eingerichtet, das grundsätzliche Muster ist aber gleich geblieben. Insgesamt gibt es jetzt 33 Zonen statt wie vorher zwölf. Gut gefallen uns auch die etwas stärker schimmernden Zierelemente und die an den Rändern abgerundete Rückseite - das Phone (2) liegt dadurch angenehmer in der Hand als sein Vorgänger.

Wir können für bestimmte Apps nicht nur ein Muster festlegen, sondern auch einstellen, dass ein Element so lange leuchtet, bis wir die Benachrichtigung gelesen haben. Durch die größere Anzahl der Beleuchtungszonen, vor allem beim großen Halbkreis in der Mitte, gibt es ebenfalls neue Nutzungsmöglichkeiten.

So können wir beispielsweise einen Timer auf der Rückseite darstellen lassen. Dieser verwendet das rechte Segment des Halbkreises in der Mitte, um die Zeit darzustellen - so wird die Restzeit visualisiert. Entwickler sollen auf diese Art der Hinweise Zugriff erhalten. Uber nutzt das Glyph-Interface bereits, um die Entfernung des bestellten Fahrers darzustellen. Wie beim ersten Nothing Phone wird beim Laden der Akkustand im unteren Leuchtsegment dargestellt.

Schräge Klingeltöne mit dem Glyph-Composer selbst erstellen

Auch beim Phone (2) können wir einstellen, dass sich das Smartphone stummschaltet, wenn wir es auf das Display legen. Dann wird nur noch das Glyph-Interface für Benachrichtigungen verwendet. Nutzer können wie beim Phone (1) zwischen verschiedenen, teilweise sehr ungewöhnlichen Glyph-Klingeltönen samt passender Beleuchtung wählen. Alternativ können wir über den Glyph-Composer auch unseren eigenen Klingelton zusammenbasteln.

Auf der Rückseite findet sich neben der auffälligen Beleuchtung eine Dualkamera. Die Hauptkamera hat 50 Megapixel, die Superweitwinkelkamera ebenfalls. Bei der Hauptkamera hat Nothing den Sensor verglichen mit dem Phone (1) ausgetauscht (Sony IMX890), bei der Superweitwinkelkamera kommt wieder Samsungs JN1 zum Einsatz. Standardmäßig macht die Kamera Bilder in 12 Megapixeln, wir können bei beiden Kameras aber auch die vollen 50 Megapixel verwenden.

Die mit der Hauptkamera bei Tageslicht gemachten Bilder haben eine durchschnittliche Schärfe und einen recht hohen Kontrast. Die Bilddynamik ist nicht ganz so ausgeglichen wie etwa bei Googles Pixel-Smartphones. Die Farben sind relativ neutral und nicht zu kräftig, grundsätzlich gehen die Bilder leicht ins Grünspektrum - aber nicht unangenehm.

Der Bildeindruck zwischen Haupt- und Superweitwinkelkamera unterscheidet sich nicht nennenswert. Das Phone (2) hat kein Teleobjektiv, in der Kamera-App wird uns aber eine zweifache Vergrößerung angezeigt. Diese ist digital, aber sehr gut nutzbar - die Qualität finden wir sehr gut. Maximal ist eine zehnfache digitale Vergrößerung möglich; diese eignet sich aber eher nur noch für Dokumentationszwecke.

Volle 50 Megapixel ohne nennenswerte Verbesserung der Schärfe

Interessanterweise bringt die volle Auflösung bei der Hauptkamera keine Verbesserung der Schärfe. Bilder, die wir mit der Superweitwinkelkamera gemacht haben, sind etwas schärfer - der Unterschied ist aber auch nicht besonders groß. Erklären können wir uns das nicht, andere Smartphone-Hersteller erreichen in vergleichbaren Fällen eine wesentlich bessere Schärfe.

Die Frontkamera hat 32 Megapixel und macht ansprechende Selbstporträts. Videos kann das Phone (2) mit bis zu 4K und 60 fps aufnehmen. Die Stabilisierung gleicht auch stärkere Wackler aus. Insgesamt ist die Kamera des Phone (2) durchschnittlich gut. Aus der Masse der Konkurrenten kann Nothing mit der Kamera seines neuen Smartphones nicht hervorstechen.

Der Akku des Phone (2) hat eine Nennladung von 4.700 mAh. Er lässt sich mit maximal 45 Watt aufladen, ein Ladegerät ist im Lieferumfang nicht beigelegt. Drahtlos kann das Smartphone mit bis zu 15 Watt geladen werden, außerdem kann das Phone (2) andere drahtlose Geräte mit maximal 5 Watt aufladen.

Starke Akkulaufzeit

Das Phone (2) hat in unserem Test eine überdurchschnittlich gute Akkulaufzeit gezeigt. Wenn wir Filme mit einer Auflösung von 1080p und 60 fps bei bei maximaler Helligkeit anschauen, hält der Akku gut 17 Stunden durch. Auch bei stärkerer Nutzung reicht der Akku problemlos einen Tag lang aus.

Das Phone (2) unterstützt 5G mit zwei SIM-Karten und Wi-fi 6. Bluetooth läuft in der Version 5.3, ein NFC-Chip ist eingebaut. Der Fingerabdrucksensor sitzt im Display und funktioniert zuverlässig - für unseren Geschmack ist er aber etwas zu weit unten eingebaut.

Nothing Phone (2): Verfügbarkeit und Fazit

Das Nothing Phone (2) ist in Deutschland in zwei Versionen erhältlich. Beide haben 12 GByte Arbeitsspeicher und wahlweise 256 oder 512 GByte Flash-Speicher. Die kleinere Version kostet 700 Euro, die größere 800. Das Smartphone soll ab dem 15. Juli 2023 erhältlich sein. Die 512-GByte-Variante soll mit einem Schnellladegerät und den Ear Sticks erscheinen.

Fazit

Das Phone (2) ist ein guter Nachfolger von Nothings erstem Smartphone, dem Phone (1). Der Hersteller hat die Hardware merklich aufgewertet, was sich allerdings auch in einem höheren Preis niederschlägt: Die 256-GByte-Version des Phone (1) war zum Marktstart 150 Euro günstiger.

Die 150 Euro sind aber vor allem in das sehr gute Display, den zuverlässigen und schnellen Prozessor, das ansprechende Design sowie das Glyph-Interface gut investiert. Die LED-Rückseite hat Nothing weiterentwickelt und um einige praktische Funktionen erweitert. Wie beim Phone (1) ist die Glyph-Beleuchtung ein Alleinstellungsmerkmal, das das Smartphone von den Konkurrenten abhebt.

Mit der Kameraperformance schafft Nothing das nicht. Die mit dem Phone (2) gemachten Bilder sind nicht schlecht, aber auch nicht herausragend. Die Tageslichtaufnahmen sind solide, ungewöhnlich finden wir jedoch, dass die volle Auflösung keine Schärfeverbesserung bringt.

Das Phone (2) hat in unserem Test eine sehr gute Akkulaufzeit aufgewiesen. Gut gefällt uns auch das Design von Nothing OS 2.0 samt dem Launcher, der durchgängig auf monochromes Design mit nur wenigen Farbakzenten setzt. Dass Nothing tatsächlich alle App-Icons in Schwarz-Weiß darstellt, ist konsequent und sieht gut aus.

Für 700 Euro finden wir vor allem die kleine Version des Nothing Phone interessant. Die Konkurrenz ist in diesem Preissegment aber durchaus stark. So kostet das Pixel 7 50 Euro weniger, hat dafür aber eine bessere Kamera, ein ebenfalls sehr gutes Display und eine gute Software. Mit dem Glyph-Interface, dem Design und dem SoC könnte das Phone (2) aber für manche interessant sein.


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