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Notfallpläne in der Schweiz: Kein Netflix, falls der Strom knapp wird

In der Schweiz wird über Pläne beraten, wie der Zusammenbruch des Mobilfunknetzes im Ernstfall verhindert werden kann. Dazu soll es ein mehrstufiges Verfahren geben.
/ Martin Böckmann
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Wenn es zu wenig Strom gibt, muss rationiert werden. Auch beim Mobilfunk, damit essenzielle Kommunikation weiter stattfinden kann. (Bild: John MacDougall/AFP via Getty Images)
Wenn es zu wenig Strom gibt, muss rationiert werden. Auch beim Mobilfunk, damit essenzielle Kommunikation weiter stattfinden kann. Bild: John MacDougall/AFP via Getty Images

Die Schweizer Regierung hat im Rahmen einer Vernehmlassung(öffnet im neuen Fenster) Vorschläge gemacht, wie das Mobilfunknetz im Falle einer Strommangellage in einen sparsameren Betrieb überführt werden soll, um einen Zusammenbruch des Stromnetzes zu verhindern. Dieses umfassen das Verlangsamen der Datenübertragung, das Abschalten einiger Antennenstandorte und das Blockieren von Websites mit hohem Datenvolumen.

In einer Strommangellage werden insbesondere Großverbraucher kontingentiert oder zeitweilig völlig abgeschaltet, bis eine sichere Versorgung wiederhergestellt ist. Für einzelne Branchen braucht es aber spezifische Lösungen, weil sie für die Grundversorgung relevant sind. Dazu zählen auch Telekommunikation und Mobilfunk.

Der Verordnungsentwurf sieht drei Phasen vor. Bevor diese jedoch greifen, sollen per DNS-Sperren bereits Websites mit besonders hohem Datenaufkommen blockiert werden. Die Rede ist von " viel genutzten Plattformen " wie sozialen Medien, Videos und Musik. Besonders Streaming-Plattformen wie Amazon, Netflix und vergleichbare Angebote, die überwiegend der Unterhaltung dienen, dürften im Ernstfall davon betroffen sein. DNS-Sperren können zwar umgangen werden, sollen aber als kurzfristiges Mittel zur Entlastung des Netzes geeignet sein.

Phasenweise Abschaltung von Frequenzbändern

Wenn das nicht ausreicht, sollen in der ersten Phase die hohen Mobilfunk-Frequenzbänder abgeschaltet werden, wovon vor allem 5G betroffen ist. Außerdem sollen große Datenmengen verzögert übertragen werden. Im zweiten Schritt werden mittlere Frequenzen abgeschaltet, um die Leistungsaufnahme der Antennenstandorte zu reduzieren.

Im dritten und letzten Schritt sollen rund 10 Prozent der Makro-Antennenstandorte abgeschaltet werden. Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen könnte es laut der Vernehmlassung zu längeren Wartezeiten und Problemen bei der Nutzung einzelner Dienste kommen. Ein unkontrollierter Zusammenbruch des Netzes hätte aber laut dem Dokument weitaus gravierendere Folgen. Die Vernehmlassung für den Entwurf über die Maßnahmen zur Senkung des Verbrauchs von elektrischer Energie im Mobilfunk dauert noch bis zum 21. Mai 2024. Anschließend werden die Antworten der Vernehmlassungsteilnehmenden ausgewertet und die Vorlage zur Beratung an das Parlament (Eidgenössische Räte) weitergeleitet.


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