Norsepower: Dänemarkfähre bekommt Wind-Hilfsantrieb
Noch sauberer über die Ostsee: Die deutsch-dänische Reederei Scandlines wird eine ihrer Ostseefähren mit einem Segelantrieb des finnischen Unternehmens Norsepower ausstatten. Die Fähre hat, wie diverse weitere von Scandlines, einen Hybridantrieb.
Die Copenhagen verkehrt zwischen Rostock und Gedser auf der dänischen Insel Falster. Sie soll ein Rotorsail bekommen. Im November werden die Vorbereitungen stattfinden, das Rotorsail selbst soll im zweiten Quartal kommenden Jahres installiert werden.
Das Rotorsail ist ein 30 Meter hoher Zylinder mit einem Durchmesser von fünf Metern, der das Schiff mittels des Magnus-Effekt(öffnet im neuen Fenster) antreibt: Der Zylinder wird von einem Motor in Rotation versetzt. Durch die Drehung wird die Luft, die um den Zylinder strömt, abgelenkt. Bei der Drehung nimmt der Zylinder einen Teil der Luft mit und beschleunigt sie. Auf der Seite, wo die Luft schneller strömt, entsteht ein Unterdruck, auf der, wo die Luft langsamer strömt, ein Überdruck.
Das erzeugt eine Kraft, die quer zum Luftstrom wirkt. Das sind ideale Voraussetzungen für das Rotorsail: Die Strecke über die Ostsee von Rostock nach Gedser und umgekehrt verläuft in Nord-Süd-Richtung und damit nahezu rechtwinklig zur vorherrschenden Windrichtung aus dem Westen.

Dann kann das Rotorsegel als Hilfsantrieb eingesetzt werden. Dadurch könnten die Kohlendioxidemissionen der Copenhagen auf der Route Rostock – Gedser um vier bis fünf Prozent reduziert werden, sagte Scandlines-Chef Søren Poulsgaard Jensen(öffnet im neuen Fenster). Die Emissionen sind ohnehin schon geringer als bei anderen Schiffen, da die Copenhagen einen Hybridantrieb hat. Sie ist laut Scandlines "eine der größten Hybridfähren weltweit".
Scandlines betreibt eine Flotte von acht Fähren. Davon haben sechs einen Hybridantrieb. Diese Schiffe sind leiser als Fähren mit Dieselantrieb und die Luft an Deck ist besser. Seit 2013 hat Scandlines nach eigenen Angaben über 300 Millionen Euro in den Bau oder den Umbau von Fähren auf Hybridantrieb investiert.
Die Rotorsails von Norsepower basieren auf dem Flettner-Rotor, den der deutsche Ingenieur Anton Flettner(öffnet im neuen Fenster) Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Basis der Arbeit des Strömungsforschers Ludwig Prandtl entwickelte. Norsepower hat das System weiterentwickelt: Frühere Versionen seien schwierig in der Handhabung gewesen, sagte Norsepower-Chef Tuomas Riski 2017 im Gespräch mit Golem.de. "Eine unserer wichtigsten Innovationen ist, dass wir eine Methode entwickelt haben, die Rotoren aus Verbundwerkstoffen herzustellen." Dabei verarbeite man Kohlenstoff- und Glasfasern, was den Rotor gleichzeitig stabil und leicht mache. "Unser Design ermöglicht es, dass sich der Rotor schneller drehen kann als die bisherigen."
Bisher haben die Finnen drei Schiffe mit dem Wind-Hilfsantrieb nachgerüstet. Ein Schiff, das von Anfang an damit ausgestattet ist, befindet sich im Bau.
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