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Nordrhein-Westfalen: Bundesland gibt 2,6 Millionen Euro für Online-Lexikon aus

Das Land Nordrhein-Westfalen bezahlt viel Geld, damit Schulen die Onlineversion des Brockhaus nutzen können. Daran gibt es Kritik.
/ Peter Steinlechner
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US-Bibliothek im Jahr 1955 (Bild: Al Barry/Three Lions/Getty Images)
US-Bibliothek im Jahr 1955 Bild: Al Barry/Three Lions/Getty Images

Rund 2,6 Millionen Euro gibt das Land Nordrhein-Westfalen dafür aus, dass Schulen drei Jahre lang das Onlinelexikon Brockhaus verwenden können. Wer nicht weiß, was das ist: "Die Brockhaus Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk in deutscher Sprache" , wie die kostenlos verfügbare Wikipedia im entsprechenden Beitrag(öffnet im neuen Fenster) erklärt.

Die vom Ministerium für Schule und Bildung erworbene Brockhaus-Lizenz umfasst den Zugang zur Enzyklopädie sowie zu einem Jugend- und Kinderlexikon. Außerdem gehört der Onlinekurs Richtig Recherchieren zu dem Paket, wie das Portal Bildungsklick meldet(öffnet im neuen Fenster) .

Vermutlich geht es bei dem Deal um ein Paket, das Brockhaus auf seiner Webseite unter dem Begriff Digitales Klassenzimmer vermarktet(öffnet im neuen Fenster) .

Im Netz hagelt es Spott für das Geschäft. Zum einen wird darauf verwiesen, dass es mit Wikipedia ein großes Onlinelexikon zur kostenlosen Nutzung auch an Schulen gibt. Zum anderen finden viele, dass das Geld anderweitig für digitale Projekte investiert werden sollte.

Brockhaus: "Aus der Zeit gefallen"?

Netzpolitik schreibt(öffnet im neuen Fenster) , die Lizenzvereinbarung wirke "etwas aus der Zeit gefallen" und "weder didaktisch noch wirtschaftlich nachhaltig" . Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer kommentiert: "Wir stellen den Schulen damit Lernmaterialien zur Verfügung, die neue Chancen für die digitale Unterrichtsgestaltung bieten."

Die Firma hinter der Enzyklopädie gehört indirekt zum Medienkonzern Bertelsmann, der seinen Hauptsitz in der nordrhein-westfälischen Stadt Gütersloh hat. Der Brockhaus galt viele Jahrzehnte lang im deutschsprachigen Raum als das Nachschlagewerk schlechthin, wurde aber im Zuge der Digitalisierung durch Angebote wie Wikipedia oder das Kinderlexikon Klexikon verdrängt.

Heutzutage erscheint kein gedruckter Brockhaus mehr, stattdessen bietet der Verlag ebenfalls ein Onlinelexikon an, das allerdings Geld kostet. Privatpersonen müssen rund 6 Euro im Monat für den Zugang zur Enzyklopädie, zu einem Jugendlexikon und zu Wörterbüchern bezahlen.


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