Nokia Lumia 930 im Test: Das Beste zum Schluss

Schön und leistungsstark, so beschreibt Microsoft das neue Nokia Lumia 930 im Store. Zu Recht: Das LTE-Smartphone der Finnen ist vorzüglich verarbeitet, die Farbvarianten reichen von schlichtem Schwarz bis hin zu knalligem Grün. Qualcomms Snapdragon 800 verhilft dem Nokia-Smartphone zu einer hohen Geschwindigkeit. Besonders gut gelungen sind erneut die Pureview-Kamera und das OLED-Panel.

Nokia verbaut beim Lumia 930 ein 5-Zoll-Display, das von Gorilla Glass 3 gegen kleinere Kratzer geschützt ist. Eine spezielle Beschichtung hält Fingerabdrücke fern, auch bei ständiger Nutzung ist der Bildschirm kaum verschmiert. Das seitlich abgerundete Display geht direkt in den Rahmen über - sehr schön.
Ob es sich bei dem OLED-Panel mit 1.920 x 1.080 Pixeln (441 ppi) um ein Display mit Pentile-Matrix(öffnet im neuen Fenster) handelt, wollte Nokia auf Rückfrage nicht bestätigen. Unseren Makrobildern zufolge ist dies aber der Fall. Wir erkennen bei normaler Nutzung aufgrund der gegebenen Pixeldichte des Lumia 930 keine ausgefransten Schriften. Inhalte werden auf dem 5-Zoll-Display scharf dargestellt.
Die Farben sind natürlich und homogen, der Schwarzwert wie auch der Kontrast OLED-typisch exzellent. Da Windows Phone 8.1 die Kacheln ohne Nutzereingriff auf einen schwarzen Hintergrund legt, ist nur auf den zweiten Blick erkennbar, wo das 75 Prozent der Vorderseite bedeckende Display endet und wo die dünne Umrandung beginnt.










Da wir von einem Panel mit Pentile-Matrix ausgehen, hat uns verwundert, dass das Weiß dezent rötlich wirkt. Üblicherweise neigt eine RGBG-Matrix zu kühleren Farben. Möglicherweise hat Nokia diesen mit einer wärmeren Einstellung entgegengewirkt - wer mag, passt die Farbtemperatur im Menü an.
Die durchschnittliche maximale Helligkeit aus drei Messwerten bei manueller Einstellung beträgt 266 cd/m² (etwas weniger als das Samsung Galaxy S5). Das Display bleibt auch bei grellem Licht recht gut ablesbar, was auf eine spezielle (abschaltbare) Kontraststeigerung zurückzuführen ist.
Einzige Kritikpunkte des Panels: Bei roten Schriften auf weißem Hintergrund neigt das Panel dazu, Schlieren zu zeigen, als sei die Reaktionszeit zu hoch. Außerdem fehlt der Glance-Screen, laut Nokia hat dies technische Gründe (Display Memory fehlt).
20-MPix-Pureview-Kamera
Wie im Lumia 1520 hat Nokia im Lumia 930 auf der Rückseite eine Pureview-Kamera mit 20 Megapixeln verbaut. Das Carl-Zeiss-Objektiv arbeitet mit einer Blende von f/2.4. Das Lumia 930 hat einen doppelten digitalen Zoom, hinzu kommen ein optischer Bildstabilisator und zwei LED-Fotoleuchten.
Das Smartphone schießt 16:9-Format-Bilder mit 16 und 5 Megapixeln zugleich, Letztere stellen einen Ausschnitt dar. Mit einem 4:3-Seitenverhältnis liefert der Sensor Bilder mit 19 Megapixeln, in beiden Formaten sichert das Lumia 930 diese als 95-Prozent-JPEG- oder DNG-Dateien (Rohdatenformat).










Generell ist die Bildqualität sehr überzeugend, sichtbares Rauschen tritt erst bei wenig Licht und einer deutlichen Vergrößerung auf. Die Pureview-Kamera erstellt detailreiche Bilder, die wenig vom realen Motiv abweichen - bessere Bilder liefert unabhängig von den Lichtverhältnissen nur das Lumia 1020.
Die Nokia Camera App bietet viele Optionen: Weißabgleich, Fokus, Iso-Wert, Verschlusszeit sowie Helligkeit sind einstellbar, auch eine Serien- und Belichtungsreihenfunktion für Bilder ist verfügbar. Etwas schade: Refocus muss weiterhin nachinstalliert werden.










Die Frontkamera löst mit 1.280 x 720 oder 1.280 x 960 Pixeln auf, Videos immer mit 720p. Die Hauptkamera bietet mit 1.920 x 1.080 Bildpunkten (30 fps) bei bewegtem Material nicht nur eine höhere Qualität, sondern auch zusätzliche Optionen wie einen Weißabgleich.
Höhere Auflösungen wie UHD (3.840 x 2.160 Pixel) oder 1080p mit 60 fps wie das LG G3 schafft das Lumia 930 nicht. Technisch wäre das mit dem Snapdragon 800 kein Problem (vielmehr ist es eine Frage des Bildsensors), wir finden eine gute Bildqualität jedoch sinnvoller als mehr Pixel.
Verarbeitung, Windows Phone 8.1
Das Lumia 930 misst 137 x 71 x 9,8 mm und wiegt 167 Gramm. Damit gehört es eher zu den Schwergewichten. Mit dem kantigen Aluminiumrahmen wirkt es sehr robust. Zwar liegt das Smartphone gut in der Hand, wir empfinden einen abgerundeten Rand wie beim Lumia 1020 aber als ein wenig angenehmer.
Die Verarbeitung und die Spaltmaße geben keinen Anlass zur Kritik, einzig die Lautstärkewippe, der Power-Schalter sowie der Kameraauslöser haben für unseren Geschmack etwas zu viel Spiel. Feinfühlige Naturen, die ihr Smartphone mit der Unterkante auf den kleinen Finger aufstützen, stören sich am nicht vollständig entgrateten Micro-USB-2.0-Anschluss. Der Schacht für die Nano-SIM ist viel besser zu öffnen als beim Lumia 1020, ein Fingernagel reicht.










Nokia liefert das Lumia 930 nur mit 32 GByte internem Speicher aus, wovon durch Windows Phone 8.1 und Apps gut 7 GByte belegt sind. Die freien 25 GByte sind nicht mittels SD-Karte erweiterbar, für die meisten Anwender dürfte der Speicherplatz aber auch mit vielen Musikdateien und ein paar Spielen noch ausreichen.
Windows Phone 8.1 ist ein deutlicher Schritt nach vorn, noch ist Microsoft der Anschluss an Android und iOS aber nicht gelungen. Das Action Center mit Benachrichtigungen und eine separate Lautstärke für Medien sowie Klingeltöne waren längst überfällig, die dreigeteilte Oberfläche mit transparenten Kacheln ist schick und das Multitasking ähnelt dem von Google.
Snapdragon 800 statt 801
Rein vom SoC her hält das Lumia 930 mit anderen Topsmartphones nicht mit: Nokia verbaut wie beim Lumia 1520 einen Snapdragon 800 vom Typ 8974-AA. Dieser bietet vier Krait-Kerne mit bis zu 2,26 GHz - das Oneplus One mit Snapdragon 801 kommt auf maximal 2,45 GHz.
Deutlicher zeigt sich der Geschwindigkeitsunterschied bei der Adreno-330-Grafikeinheit. Diese taktet mit bis zu 450 statt mit bis zu 578 MHz, was sich allerdings nur in Benchmarks niederschlägt. Im Onscreen-Test des GFX-Benchmarks T-Rex HD erreicht das Nokia-Smartphone beispielsweise 20 fps, das Oneplus One 29 fps.










Der mit 2 GByte üppig dimensionierte Arbeitsspeicher wird von Windows Phone 8.1 selten ausgereizt, selbst mit zwei Dutzend offenen Tabs im Internet Explorer reagiert das Lumia 930 flott. Verzögerungen oder kleine Ruckler konnten wir nicht feststellen, aufwendige Spiele laufen auf dem Nokia-Smartphone flüssig.
Die Kühlung funktioniert gut: Selbst nach 30 Minuten mit aktiver Kamera wird das Smartphone zwar sehr warm, aber nicht unangenehm heiß. Auch nach längerem Surfen im Internet oder dem Betrachten von Videos heizt es sich spürbar auf - ohne aber die Leistung zu senken.
Wir erreichen bei unserem Akkulaufzeit-Videotest mit maximaler Helligkeit knapp sieben Stunden. Hier machen sich das Display und die Nennleistung von 2.420 mAh des nicht auswechselbaren Akkus bemerkbar.
Verfügbarkeit und Fazit
Das Nokia Lumia 930 ist in den Farben Weiß, Schwarz, Grün und Orange für 580 Euro im Microsoft-Store erhältlich(öffnet im neuen Fenster) . Der Straßenpreis liegt rund 100 Euro niedriger. Das Smartphone beherrscht drahtloses Laden nach Qi-Standard, eine Ladestation liegt dem Lumia aber nicht bei.










Fazit
Auch abseits der sinnvollen und wichtigen Neuerungen von Windows Phone 8.1 ist das Lumia 930 technisch ein überzeugendes Gerät: Das 5 Zoll große Smartphone ist - abgesehen von den seitlichen Knöpfen - tadellos verarbeitet. Der kantige Rahmen mag nicht jedermanns Geschmack sein, da er sich bei kleineren Händen stärker bemerkbar macht als bei großen.
Das 1080p-Diplay mit OLED-Panel ist durchschnittlich hell und überzeugt durch seinen Schwarzwert sowie Kontrast. Auch bei grellem Sonnenlicht sind Texte gut ablesbar. Die durch 1.920 x 1.080 Bildpunkte erreichte hohe Pixeldichte sorgt dafür, dass die Pentile-Matrix wortwörtlich nicht ins Auge fällt.
Eine sehr gute Bildqualität ungeachtet der Lichtverhältnisse erreicht auch die Pureview-Kamera: Diese löst mit 20 Megapixeln auf, das Objektiv steht hinten nicht über. Die Fotos und Videos zählen zu den besten, die mit einem aktuellen Smartphone möglich sind - dafür verzichten wir gerne auf höhere Auflösungen wie 4K.
Für unter 500 Euro ist das Lumia 930 ein sehr gutes Angebot, das besonders durch sein Display und die Kamera punktet.



