Nokia Lumia 2520 im Test: Es glänzt und leuchtet hell
Das Lumia 2520 ist Nokias erstes Tablet mit Windows RT. Die Wahl des Betriebssystems überrascht: Zuletzt bot nur noch Microsoft mit dem Surface ein Tablet mit diesem Betriebssystem an – und dessen Verkaufszahlen sind deutlich schlechter als erwartet . Asus hatte sich im Sommer 2013 von dem Betriebssystem abgewandt, zuvor hatte Samsung sein Ativ-Tab vom Markt genommen und auch Dells XPS 10 ist schon länger nicht mehr verfügbar(öffnet im neuen Fenster) . Dennoch setzt Nokia mit dem Lumia 2520 auf diese Plattform und möchte sich vor allem mit dem guten Display, der langen Akkulaufzeit und LTE gegen den einzigen noch verbliebenen Konkurrenten, das Surface 2, durchsetzen.

Das Design des Tablets erinnert stark an Nokias Topsmartphones mit Windows Phone 8. So wird auch hier ein Unibody-Gehäuse aus Kunststoff verwendet, das sehr hochwertig wirkt. Die rote Rückseite ist aber etwas rutschig und sehr empfänglich für Fingerabdrücke. Besser gefallen haben uns die matten Rückseiten der Lumia-Smartphones , die noch hochwertiger und vor allem griffiger sind. Die schwarze und die cyane Variante des Tablets sollen eine solche Rückseite haben. Einen kleinen Makel haben wir beim sonst gut verarbeiteten Gehäuse entdeckt: Die Halterung für Micro-SD- und Micro-Sim-Karten schließt nicht bündig mit der Gehäusekante und schaut etwa 0,2 mm heraus.
Durch die abgerundeten Kanten liegt das Tablet angenehmer in der Hand als das Surface 2 und wirkt dünner als dieses, obwohl beide rund 9 mm dick sind. Im Vergleich zu 10-Zoll-Android-Tablets sind die beiden Windows-RT-Geräte dicker und schwerer. Die 615 Gramm des Lumia 2520 sind für ein Tablet recht viel – Konkurrenten mit Android wiegen weniger: Das Galaxy Tab 3 10.1 von Samsung ist 105 Gramm leichter, Apples iPad Air 140 Gramm. Dennoch ist das Lumia 2520 nicht zu schwer. Mit 267 x 168 mm ist es in etwa so groß wie das Surface 2.
Das Tablet hat neben der Kopfhörerbuchse und dem Dock-Connector auch einen Micro-HDMI-Port und kann über diesen an einen Fernseher oder Projektor angeschlossen werden. Miracast und DLNA werden zur drahtlosen Bildschirmübertragung unterstützt. Ein Micro-USB-3.0-A/B-Anschluss ist ebenfalls vorhanden. Den vollwertigen USB-3.0-Port des Surface RT finden wir aber praktischer, denn beim Anschließen von externen Massenspeichern wird beim Lumia-Tablet oft ein passender Adapter benötigt.
Kopfhörerausgang und Ladebuchse fast gleich
Nervig ist, dass zum Laden nur das mitgelieferte Netzteil mit proprietärer Buchse genutzt werden kann. Über den USB-Port ist das wie beim Surface 2 nicht möglich. Die Ladebuchse lässt sich ärgerlicherweise nur schwer von dem Kopfhörerausgang unterscheiden. Hinzu kommt, dass beide Buchsen den gleichen Durchmesser haben und auf der gleichen Gehäusekante platziert sind. Der Anschluss des Ladegeräts ist außerdem ziemlich filigran. Dass er bei ungeschickter Verwendung abbricht, scheint programmiert. Hier hätten wir eine bessere Lösung von Nokia erwartet. Der Magnetanschluss des Surface 2 gefällt uns besser.
Viel Leistung und LTE
Das 10-Zoll-Display mit IPS-Panel löst mit 1.920 x 1.080 Pixeln auf, was einer Pixeldichte von 220 ppi entspricht. Mit einer durchschnittlichen maximalen Helligkeit von 586 cd/qm ist es sehr hell. Dadurch sind die Bildschirminhalte des Lumia-Tablets trotz des stark spiegelnden Displayglases auch bei einstrahlendem Sonnenlicht gut erkennbar. Das Surface 2 ist mit einer durchschnittlichen maximalen Helligkeit von 340 cd/qm etwas dunkler. Und auch die Farbdarstellung des Displays gefällt uns besser als beim Surface 2 von Microsoft.
Als System-on-a-Chip verwendet Nokia den Snapdragon 800 von Qualcomm. Die vier Kerne takten mit 2,2 GHz und liefern im Alltag genügend Leistung, was sich auch in den Benchmarks widerspiegelt. Im 3D Mark Unlimited erreichte das Tablet 18.092 Punkte im Graphics Score und 15.419 Punkte im Physics Score – der Tegra 4 im Surface 2 erreicht mit 14.826 und 13.386 Punkten ein etwas schlechteres Ergebnis. Im Alltagsbetrieb unterscheidet sich die Leistung aber kaum.
Der Arbeitsspeicher ist 2 GByte groß, auf dem internen Speicher stehen dem Nutzer ungefähr 15 GByte zur Verfügung. Der Rest der 32 GByte ist bereits mit dem Betriebssystem, den Office-Apps und Nokias zusätzlich installierten Programmen belegt. Ein Schacht für Micro-SDXC-Karten ist vorhanden.
LTE, Bluetooth, GPS und NFC
Im Lumia 2520 ist ein WWAN-Modem mit Micro-SIM-Kartenschacht verbaut. Das Tablet unterstützt dadurch Quadband-GSM auf den Frequenzen 850, 900, 1.800 und 1.900 MHz, UMTS auf den Frequenzen 850, 900, 1.800, 1.900 und 2.100 MHz und die LTE-Bänder 2, 3, 4, 5, 7, 13, 17 und 20. Damit sollen laut Datenblatt Geschwindigkeiten von bis zu 150 MBit/s im Download und 50 MBit/s im Upload möglich sein. Dual-Band-WLAN funkt das Windows-RT-Gerät nach 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 4.0 und GPS werden ebenfalls unterstützt. Für ein Tablet ungewöhnlich ist das NFC-Modul, mit dem beispielsweise Bilder zwischen zwei Geräten übertragen werden können.
Der Akku mit einer Nennladung von 8.000 mAh muss bei durchschnittlicher Benutzung nach 2 Tagen wieder geladen werden. Durch das Schnellladegerät gelingt das in knapp 1,5 Stunden, eine Zeit, die bisher kein Tablet erreichte. Dabei wird das Ladegerät mit 20 Volt und 1,5 A sehr warm, der Akku hingegen erwärmt sich nicht.
Schlechte Kamera
Nokia hat schon häufiger bewiesen, dass es gute Kameras in mobilen Geräten verbauen kann . Die 6,3-Megapixel-Rückkamera des Lumia 2520 mit Zeiss-Optik und einer Offenblende von f/1,9 kann mit den Kameras der Lumia-Smartphones aber nicht mithalten. Die Farben wirken blass, und die Kamera braucht relativ lange zum Auslösen. Bei mäßigem Licht wird das Bild auch schnell grießig. Videos nimmt die Kamera in 720p auf. Auch hier zeigt sie Schwächen: Das Bild wird nie ganz scharf, und durch einen fehlenden Bildstabilisator verwackeln die Aufnahmen fast immer.
Die Nokia-Camera-App bietet deutlich mehr Funktionen als die im Betriebssystem integrierte Windows-Anwendung. Tap-to-Focus wird nun unterstützt und es sind mehr Einstellungsmöglichkeiten vorhanden. Der Fokuspunkt der Kamera kann so manuell mit dem Finger ausgewählt werden. Auch Langzeitbelichtungen sind nun möglich, die Qualität dieser Bilder ist aber schlecht.
Mit Nokia Director können Collagen erstellt und Videos geschnitten werden, Letztere aber nur sehr begrenzt. Eigentlich werden sie nur hintereinander gelegt und mit einem Farbeffekt versehen – ein richtiges Schnittprogramm wird damit nicht ersetzt. Zum Erstellen von Collagen ist die App aber praktisch. Auf anderen Windows-RT-Geräten gibt es sie nicht.
Das Lumia-Tablet hat auf der Vorderseite zwei Lautsprecher, unterstützt also auch Stereoklang. Diese können ziemlich laut eingestellt werden, sind aber zu höhenbetont. Stimmen wirken dadurch unnatürlich. Tiefere Frequenzen können die Lautsprecher kaum wiedergeben. Vor allem bei Filmen fällt das auf.
Windows RT
Da das Lumia-Tablet hauptsächlich als mobiler Begleiter dienen soll, setzt Nokia auf Windows-RT als Betriebssystem. Zwar nimmt es damit einige Einschränkungen in Kauf, da das Gerät aber keinen Desktop-PC ersetzen soll, sondern die Mobilität im Vordergrund steht, sind längere Akkulaufzeiten durch sparsamere Hardware möglich. Auch nimmt das ARM-Windows weniger Speicher ein und insgesamt sind dünnere Geräte möglich.
Im Alltag eines reinen Tablet-Nutzers fallen oft gar keine Unterschiede zu einem vollwertigen Windows-Tablet auf. Beim Surfen scheint der Internet Explorer im Vergleich zu einem solchen Gerät sogar ein wenig flüssiger und auch Apps wie die Bing-News-App öffnen sich schneller. Auch die vorinstallierten Office-Apps laufen auf einem RT-Gerät zügiger. Allgemein hat Microsoft die Performance des Betriebssystems seit der Veröffentlichung deutlich verbessert. Ruckler, wie wir sie noch beim ersten Surface bemängelten, kommen selten vor und Apps öffnen schneller.
Zu wenig Apps vorhanden
Spätestens aber wenn traditionelle Windows-Anwendungen, die auf dem Desktop laufen, installiert werden sollen, fällt die entscheidende Einschränkung von Windows RT auf, denn diese sind nicht kompatibel. Auch kann Microsofts Online-Software-Shop nicht mit anderen mobilen Plattformen mithalten. Viele der beliebten iOS- und Android-Apps gibt es im Windows Store nicht. Selbst Facebook veröffentlichte seine App erst rund ein Jahr nach dem Start des Tablet-Betriebssystems. Häufig werden Applikationen erst für iOS und Android entwickelt. Deutlich später oder oft auch gar nicht erscheinen sie dann auf Microsofts Tablet-Plattform. Dadurch ist die App-Auswahl noch sehr beschränkt.
Mit Nokia Here ist auf dem Tablet zusätzlich ein Offline-Kartendienst vorinstalliert, der ebenfalls Offline-Navigation unterstützt. Dieser ist bereits von vielen Nokia-Smartphones bekannt und funktioniert gut. Die Navigation innerhalb der App ist unkompliziert, die Karten aktuell und auch Satellitenbilder sind verfügbar. Besonders ist, dass auch die ÖPNV-Navigation offline funktioniert.
Produktiver durch Power-Keyboard
Die Stärken beim produktiven Arbeiten zeigt das Tablet vor allem mit dem Power-Keyboard. Die Kombination aus Hülle, Tastatur und Zusatzakku macht das Tablet zwar 17 Millimeter dicker, schützt aber auch das Gehäuse und dient als Ständer. Die Verbindung zum Tablet kommt über Stiftkontakte zustande. Aufgeklappt wird das Tablet mit einem Magneten in aufrechter Position gehalten. Dadurch lässt es sich stabiler als das Surface 2 aufstellen und durchaus auch auf dem Schoß verwenden. Der Winkel des Ständers ist leider fix, mehrere Aufstellwinkel wären praktischer gewesen.
Die Tastatur erinnert an die eines Netbooks. Durch die sehr kleinen Tasten im Chiclet-Design verkrampfen die Hände beim Schreiben von langen Texten. Außerdem vertippt man sich häufig und die Tastatur klappert ein wenig – für kurze Notizen reicht sie aber aus. Das Typecover für Microsofts Surface gefällt uns etwas besser. Die Tasten sind größer – obwohl beide Tastaturen gleich breit sind – und lassen sich dadurch besser treffen. Dafür ist der Tastenhub bei der Nokia-Tastatur etwas höher und angenehmer.
Das Touchpad des Tastatur-Docks unterstützt die Windows-Gesten und ist präzise. Allerdings ist es zu klein, um das Tablet damit ernsthaft zu bedienen. Positiv sind die zwei vollwertigen USB-3.0-Buchsen am Tastatur-Cover – Daten können so schnell zu externen Speichern übertragen werden.
Verlängerte Akkulaufzeit
In das Dock integriert ist außerdem ein Akku, der die Laufzeit beim produktiven Arbeiten um etwa 5 Stunden verlängert. Nervig ist, dass er nur aufgeladen werden kann, wenn auch das eingesteckte Tablet gerade geladen wird. Über den USB-Port ist der Ladevorgang nicht möglich.
Fazit und Verfügbarkeit
Das Nokia 2520 soll in Deutschland ab dem 10. April 2014 für 600 Euro in den Farben Rot, Gelb, Cyan und Schwarz erhältlich sein. Die Office-Apps für Windows RT sind bereits vorinstalliert. Das Power-Keyboard soll erst im Mai 2014 folgen und 150 Euro kosten.
Fazit
Nokia ist mit dem Lumia 2520 der Einstieg in den Tabletmarkt gut gelungen. Das Windows-RT-Gerät liefert genügend Leistung und ist sehr gut verarbeitet. Insgesamt gefällt es uns besser als Microsofts Surface 2. Vor allem durch das sehr helle Display überzeugt es, denn Bildschirminhalte sind auch bei einstrahlendem Licht erkennbar. Auch wirkt es schlanker als das Microsoft-Gerät und liegt angenehmer in der Hand.
Die Akkulaufzeit ist ebenfalls gut, mit dem Tablet kann man durchaus einen Tag durcharbeiten, ohne es wieder aufladen zu müssen. Der proprietäre Anschluss des Ladegeräts ist zwar filigran, das nehmen wir aber für das schnelle Aufladen des Tablets in Kauf. Das optionale Power-Keyboard verlängert die Akkulaufzeit nochmals. Mit diesem lassen sich kurze Texte gut schreiben, die Tasten sind aber sehr klein, so dass es oft zu Vertippern kommt. Auch ist das Cover für 150 Euro zu teuer.
Einzig Windows-RT schränkt im Alltag häufiger ein, ein prinzipieller Nachteil der Plattform. Im Windows Store fehlen viele Anwendungen, die für Android und iOS schon lange vorhanden sind. Anders als auf Windows 8.1 lassen sich auch keine traditionellen Windows-Anwendungen installieren.
Letztendlich muss aber jeder für sich entscheiden, ob er mit den Einschränkungen leben kann, denn bei der Verwendung von Microsofts Office-Suite, der Medienwiedergabe und beim Surfen fällt kaum ein Unterschied zu einem vollwertigen Windows auf. Eher punkten RT-Geräte hier durch eine etwas längere Akkulaufzeit und eine höhere Geschwindigkeit – was Nokia mit dem Lumia 2520 auch zeigt.
Trotz des guten Displays und der langen Akkulaufzeit sind 600 Euro für ein Windows-RT-Gerät jedoch zu teuer. Das Betriebssystem schränkt zu sehr ein, um mit anderen Geräten im gleichen Preisbereich mithalten zu können. Für das gleiche Geld ist etwa das Surface Pro der ersten Generation die bessere Wahl: Mehr Leistung und Windows 8 Pro machen das Gerät deutlich flexibler, dafür müssen aber das höhere Gewicht und die kürzere Akkulaufzeit in Kauf genommen werden.
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