Nokia-Chef Lundmark: Netzwerke auszurüsten ist "kein Wachstumsmarkt" mehr

Nokia will die Abhängigkeit des Konzerns vom Verkauf von Mobilfunkausrüstung an Netzbetreiber verringern, dem Kerngeschäft des finnischen Konzerns. "Das Geschäft mit den Mobilfunkanbietern bleibt wichtig, aber das ist kein Wachstumsmarkt" , sagte Konzernchef Pekka Lundmark dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) anlässlich des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona.
Lundmark will das Geschäft mit Branchen außerhalb der Mobilfunkindustrie stärken. Großes Potenzial sieht er beispielsweise bei Campusnetzen für Unternehmen.
Als weiteres Wachstumsfeld sieht Lundmark Network as Code, Nokias Konzept zur Vereinfachung von Netzwerkfunktionen, um für Anwendungen dynamische Änderungen des Netzwerks zu ermöglichen. So sollen sich Mobilfunknetze über standardisierte Schnittstellen vermarkten lassen. Softwareentwickler können darüber Funktionen in ihre Programme integrieren oder Netzkapazitäten reservieren. Vorbild sind Initiativen wie das Camara-Programm der Linux Foundation und die Initiative GSMA Open Gateway.
Partnerschaften mit Microsoft, Nvidia und Dell
Um die neuen Geschäftsfelder zu stärken, ist Nokia Partnerschaften mit IT-Konzernen wie Microsoft, Nvidia und Dell eingegangen, die Expertise bei künstlicher Intelligenz und Clouddiensten haben. Zudem gibt der Nokia-Vorstand den Geschäftseinheiten mehr Autonomie, damit sie schnell auf die Marktbedingungen reagieren können. "Wir dezentralisieren die Entscheidungsfindung" , sagte Lundmark.
Das Datenaufkommen in den Mobilfunknetzen wachse jährlich um 20 Prozent oder mehr, sagte Lundmark: "Wenn das so weitergeht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Netzbetreiber wieder investieren müssen." Auch andere Verkäufer meinen, dass derzeit eher wenig in die Netze investiert wird.
In China werden bereits mehr als 50.000 private 5G-Netze in rund 50 Branchen kommerziell genutzt. In Deutschland sind es erheblich weniger. Zwar wollen rund ein Viertel oder 26 Prozent der Industrieunternehmen Campusnetze mit 5G einrichten oder haben es schon getan, wie eine Befragung im Auftrag des IT-Branchenverbands Bitkom unter rund 500 Industrieunternehmen ab 100 Beschäftigten in Deutschland ergab. Doch wie viele dieser 500 Betriebe tatsächlich eine Lizenz von der Bundesnetzagentur erhielten und ein Campusnetz errichteten, ist nicht bekannt.
Seit November 2019 vergibt die Bundesregierung gesonderte Frequenzen, damit Unternehmen unabhängig von öffentlichen Netzen eine eigene 5G-Infrastruktur auf ihrem Firmengelände aufbauen können.



