Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Nokia 6 im Test: Android-Smartphone mit Nokia-Nimbus

Das Nokia 6 von HMD Global ist mittlerweile in Deutschland erhältlich – und der Preis von 250 Euro erscheint für ein Metall-Smartphone mit Full-HD-Display, 16-Megapixel-Kamera und purem Android 7.1.1 nicht zu hoch. Im Test zeigt das Smartphone aber Schwächen.
/ Stefan Schomberg (Areamobile)
54 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Das Nokia 6 von HMD Global (Bild: Areamobile)
Das Nokia 6 von HMD Global Bild: Areamobile

Nokia ist zurück im Smartphonegeschäft – zumindest als Marke. Hinter den neuen Geräten mit dem Namen des Traditionsherstellers steckt das finnische Unternehmen HMD Global, das bis 2024 die Lizenzrechte am Markennamen Nokia besitzt. Mit dem Nokia 6 bietet HMD Global das auf der Mobilfunkmesse MWC 2017 vorgestellte und technisch am besten ausgestattete Modell seines Smartphone-Portfolios auch im deutschen Handel an. Ob das Gerät bei einem Preis von 250 Euro etwas taugt, haben wir im Test untersucht.

Nokia 3, 5 und 6 – Hands on (MWC 2017)
Nokia 3, 5 und 6 – Hands on (MWC 2017) (01:51)

Das Smartphone hat ein Unibody-Gehäuse aus Metall mit matter Rückseite, unauffälligem Nokia-Schriftzug und einer leicht hervorstehenden Kamera samt LED-Blitz. Dieses schlichte Design erinnert an die Lumia-Serie von Nokia beziehungsweise Microsoft. Mit einer Dicke von nur knapp 8 Millimetern und einem Gewicht von 169 Gramm wirkt das Nokia 6 hochwertig, auch wenn es wegen der kantigen Ränder nicht so angenehm in der Hand liegt.

Das Nokia 6 ist makellos verarbeitet

An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen. Auch die seitlichen Hardware-Tasten lassen sich optimal bedienen, sie weisen perfekten Tastenhub und Druckpunkt auf. Die Sensortasten unter dem Touchscreen sind vor allem sichtbar, wenn sie beleuchtet sind, die Dauer lässt sich in Schritten anheben oder auf permanent stellen. Der Home-Button mit integriertem Fingerabdrucksensor liegt mittig unter dem Display und passt ins schlichte Design, er ist kaum zu sehen.

Das IPS-Display misst 5,5 Zoll in der Diagonalen und stellt 1.920 x 1.080 Pixel, also Full-HD-Auflösung, dar. Der Kontrast des Bildschirms ist mit einem Wert von knapp 1.000:1 ziemlich hoch, die Leuchtstärke reicht auch für das Ablesen der Anzeige im Freien bei Tageslicht aus. Die Blickwinkelstabilität ist gut: Außer leichter Abschattung gibt es beim Neigen des Geräts kaum Veränderung an der Darstellungsqualität. Ebenfalls gut, weil recht genau, ist die Wiedergabe von Farben und Grautönen. Die Farbtemperatur und die Farbsättigung lassen sich manuell verändern, ein Blaufilter lässt sich bei Bedarf einschalten.

SoC passt nicht zur restlichen Hardware

Als SoC verbaut HMD Global im Nokia 6 einen Snapdragon 430 mit bis zu 1,4 GHz und einer Adreno 505 als Grafikeinheit. Dieser Mittelklasseprozessor eignet sich eher für alltägliche Arbeiten, rechnerisch anspruchsvolle Spiele sind nicht seine Stärke. Das Betriebssystem läuft allerdings flüssig in der Bedienung.

Die Speicherausstattung ist gut: Das Nokia 6 hat 3 GB Arbeitsspeicher, der Flash-Speicher ist 32 GByte groß. Eventuell kommt später noch eine besser ausgestattete Variante mit 4 GB RAM und 64 GB internen Speicher nach Deutschland. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist eingebaut.

Mäßige Werte bei den Benchmark-Tests

Bei den Benchmarks kommt das Mittelklasse-SoC nicht über mittelmäßige Werte hinaus: Im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark erreicht das Smartphone 10.000 Punkte. Im Single-Test des Geekbench 4 sind es nur 663 Punkte. Zum Vergleich: Das Galaxy A3 von Samsung schafft hier 697 Punkte, das neue P8 Lite von Huawei 769. Einen Snapdragon 625 hätten wir nicht nur wegen besserer Leistung für die bessere Wahl gehalten, er hätte wegen der moderneren Fertigung in 14 Nanometer auch Vorteile beim Akkuverbrauch gebracht.

Ein Grund dafür, dass das Nokia 6 im Test dennoch weitgehend flüssig und schnell reagiert, dürfte das nahezu unveränderte Android sein. HMD Global verzichtet auf Bloatware: Weder die typischen Drittanbieter-Apps wie Hotelsuche, Virenscanner oder Pizzadienst sind installiert noch eine eigene Kamera- oder Kalender-App – alles auf dem Nokia 6 ist pures Android. Das Sicherheitspatch ist auf unserem Testgerät durchaus auf recht neuem Stand, es ist von Juni 2017. Die Benutzeroberfläche ist der Pixel-Launcher, der Google Assistant ist vorinstalliert.

Das Smartphone unterstützt LTE mit 150 Mbit/s im Download und WLAN nach 802.11a/b/g/n. Bluetooth läuft in der Version 4.1, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut. Der Fingerabdrucksensor funktioniert schnell und sehr genau, Fehlerkennungen sind selten.

Gute Kamera mit 16 Megapixeln

Das Nokia 6 hat eine Hauptkamera mit 16 Megapixeln, die Frontkamera hat 8 Megapixel. Die Anfangsblende der Hauptkamera ist f/2.0. Die Bildschärfe ist gut, auch wenn es Steigerungspotenzial im Vergleich zur Kameraqualität von Highend-Smarthones gibt; das Gerät soll es allerdings auch nicht mit Topgeräten aufnehmen können.

Details matschen auf den Fotos nicht, die Farbwiedergabe ist zurückhaltend, lediglich einige Blau-Grün-Töne stechen zu stark hervor. Bildrauschen ist auf Tageslichtaufnahmen kaum zu erkennen, dank automatischer HDR-Funktion werden auch starke Unterschiede zwischen hellen und dunklen Bildbereichen überwiegend gut herausgearbeitet. Absaufen von Details in dunklen Bildbereichen gibt es daher kaum, hin und wieder werden aber helle Bildbereiche leicht überstrahlt, so dass dort feine Details verloren gehen. Die Qualitätsverschlechterung bei abnehmendem Licht hält sich in Grenzen, hier wird selbst Bildrauschen überraschend spät störend.

Videos kann die Hauptkamera mit maximal 1080p aufnehmen. Die Videos haben eine gute Bildqualität, eine differenzierte Tonaufnahme und eine wirkungsvolle Bildstabilisierung. Allerdings kann sich die Belichtungsautomatik bei Schwenks häufig nicht entscheiden, ob der Vordergrund oder der Hintergrund hell belichtet sein soll. Dieser Effekt lässt sich mangels manueller Einstellungsmöglichkeiten kaum abmildern.

Gute Gesprächsqualität

Auch die Sprachqualität stimmt: Gesprächspartner klingen an beiden Enden der Leitung klar, laut und natürlich, Gesprächsaussetzer konnten wir im Test nicht verzeichnen.

Der Akku hat eine Nennladung von 3.000 mAh und ist nicht ohne weiteres wechselbar. Im Videostreaming-Test bei aktiviertem WLAN hält das Nokia 6 mit einer Ladung 6:21 Stunden durch, was bei höchster Display-Helligkeit ein durchaus guter Wert ist. Bei üblicher Nutzung muss der Akku des Smartphones alle ein bis zwei Tage neu gefüllt werden – je nach Nutzungsintensität.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Nokia 6 kostet im Onlinehandel aktuell um die 250 Euro in der Dual-SIM-Version. Der Kauf der Single-SIM-Version lohnt sich nicht, da sie genauso viel kostet.

Fazit

Schickes Design, tolles Display, ausreichende Speicherbestückung und hohe Kameraqualität: Das Nokia 6 ist ein gutes Mittelklasse-Smartphone, das mit Konkurrenzmodellen mithalten kann. Der traditionsreiche Markenname könnte das 249 Euro teure Smartphone sogar zum Verkaufsschlager machen.

Allerdings hätte wir uns auch bei diesem Preis einen etwas leistungsfähigeren Chipsatz gewünscht, beispielsweise einen Snapdragon 625. Dieser wäre der Leistung und der Akkulaufzeit des Smartphones zugutegekommen.

Der schwache Prozessor ist besonders ärgerlich, weil wir an der restlichen Ausstattung kaum etwas auszusetzen haben. Der Speicher ist für ein Gerät dieser Preiskategorie großzügig bemessen, die Kamera macht gute Bilder, die Verarbeitung ist top. Mit einem etwas besseren Chip hätte HMD Global in dieser Preiskategorie wirklich ein Zeichen setzen können.

Gleichzeitig müssen wir betonen, dass wir im gleichen Preissegment im deutschen Handel tatsächlich kaum ein vergleichbares Gerät finden, das 3 GByte RAM, 32 GByte eingebauten Flash-Speicher und Android 7.1.1 bietet – zu nennen ist hier noch das BQ Aquaris X. Eine derartige Ausstattung inklusive Metallgehäuse ist aktuell für diesen Preis nicht häufig zu bekommen.


Relevante Themen