Noch vor Cortana: Menschen werten Sprachaufnahmen seit sechs Jahren aus

Nicht erst mit der Einführung von Cortana hat Microsoft damit begonnen, Mitschnitte des eigenen Sprachassistenten durch Mitarbeiter anzuhören. Diese Praxis gibt es bereits seit sechs Jahren, angefangen hat es mit der Sprachsteuerung Kinect in der Spielekonsole Xbox One.

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Sprachbefehle der Nutzer einer Xbox One wurden schon vor sechs Jahren mitgehört.
Sprachbefehle der Nutzer einer Xbox One wurden schon vor sechs Jahren mitgehört. (Bild: Daniel Pook/Golem.de)

Sprachsteuerung kommt noch längst nicht ohne menschliche Hilfe im Hintergrund aus. Das war auch schon vor sechs Jahren so, wie ein aktueller Bericht von Motherboard zeigt, in dem ehemalige Mitarbeiter von Microsoft davon berichten, wie sie für das Unternehmen Sprachaufzeichnungen angehört und analysiert haben. Auch schon lange vor Einführung von Cortana hat Microsoft die Sprachbefehle der Nutzer durch Menschen anhören und auswerten lassen - im Rahmen der Kinect-Funktion auf der Spielekonsole Xbox One.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass Microsoft-Mitarbeiter nicht nur Sprachbefehle über Cortana, sondern auch Skype-Anrufe nachträglich anhören. Als Reaktion darauf hat Microsoft die eigene Datenschutzerklärung überarbeitet und weist seitdem darauf hin, dass Menschen die Sprachaufnahmen anhören können. Zuvor fehlte ein ausdrücklicher Hinweis auf menschliche Beteiligung bei der Analyse der Sprachaufzeichnungen.

Ein ehemaliger Microsoft-Mitarbeiter hat nach eigenen Angaben die Sprachaufnahmen in den Jahren 2014 und 2015 analysiert, also bevor Cortana erschienen ist. Erst im Sommer 2015 brachte Amazon in den USA den ersten Echo-Lautsprecher auf den Markt. Der Google Assistant folgte ein Jahr später. Microsoft soll Mitarbeiter damals darauf hingewiesen haben, dass sie nicht darüber sprechen sollten, was ihre Aufgabe bei der Arbeit war.

Wenn der Sprachassistent versehentlich lauscht

Bei der Analyse der Kinect-Sprachbefehle ging es - wie dann auch bei Cortana, Alexa, Google Assistant und Siri - oft um Sprachmitschnitte, die entstanden sind, wenn der Assistent ungewollt aktiviert wurde. Das bedeutet, dass die Sprachbefehle vor allem dann angehört werden, wenn der Nutzer die Assistenten nicht nutzen wollte. Und dabei können dann vertrauliche Informationen leicht bei den Unternehmen landen.

In den vergangenen Monaten wurde zuerst bekannt, dass bei Amazon Alexa-Mitschnitte von Menschen angehört und mit Nutzerdaten verknüpft werden. Danach wurde das Mithören beim Google Assistant aufgedeckt, dann traf es Apple mit Siri. Alle Anbieter digitaler Assistenten haben versäumt, bei der Einrichtung auf das Mithören durch Menschen hinzuweisen.

Google und Apple haben Auswertung von Mitschnitten gestoppt

Google setzte Anfang Juli die Auswertung der Google-Assistant-Aufnahmen durch Menschen aus - auf Druck des Hamburger Datenschützers Johannes Caspar, der ein Verwaltungsverfahren gegen Google eingeleitet hatte. Allerdings gilt das nur innerhalb der EU und auch nur für drei Monate - also nur bis Anfang Oktober.

Apple folgte mit einem weltweiten Stopp des Mithörens der Siri-Sprachaufnahmen durch Menschen. Der Konzern will es Nutzern in einem künftigen Software-Update ermöglichen, das nachträgliche Anhören von Mitschnitten durch Mitarbeiter zu untersagen. Wann ein solches Software-Update kommen wird, ist nicht bekannt.

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koelnerdom 28. Aug 2019

Nee, denn unlogische Schlussfolgerung. Die hören sich die Aufzeichnungen an. Das hat in...

Olliar 28. Aug 2019

In dem Moment, wenn es es um die Rechte der Menschen geht: Ja natürlich! Was bist Du...

iDiot 23. Aug 2019

Als wenn es die Leute, die die Sprachfetzen auswerten müssen, interessieren würde was...

Hotohori 22. Aug 2019

Und das alles primär, weil es der breiten Masse schlicht egal ist, was diese Unternehmen...



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