Liminale Räume als Film-Trend
Besonders Hollywood dürfte danach gerade gierig die Hände ausstrecken. Wenig überraschend soll noch dieses Jahr ein Film basierend auf den Poolrooms(öffnet im neuen Fenster) erscheinen, der Schwimmbad-Abwandlung von Backrooms, die ihrerseits ziemlich sicher(öffnet im neuen Fenster) nicht nur ein Sequel bekommen.
Im Falle von Exit 8 entfaltet sich für Zuschauer, die das Game gespielt haben und gut kennen, noch eine andere großartige Wirkung – über den U-Bahn-Gang als liminalem Raum hinaus. Anders als die meisten Spieleadaptionen, können wir diesen Spielefilm selbst fast genauso mitspielen wie das Original an PC und Konsole.
Das Gameplay bestand ja genau genommen hauptsächlich darin, wie in einem dreidimensionalen Suchbild Unterschiede zwischen den Räumen zu entdecken. Im Kino können wir das genauso und wissen durch die Erfahrung mit dem Spiel schon besser als selbst der Protagonist, worauf besonders zu achten ist. Mehrmals trifft er im Film die falsche Wahl. Wir haben in der Kulisse dagegen direkt erkannt, dass er gerade wieder blindlings an einer Anomalie vorbeigewandert ist.
Obwohl als Film nicht mehr interaktiv, verschwimmt die Schwelle zwischen Spielvorlage und Verfilmung stärker als bei einer typischen Games-Adaption. Ein weiterer Faktor, der Exit 8 zu einem besonderen Film seiner Art macht.
Zuschauer erleben ihn deswegen grundsätzlich anders, je nachdem, ob sie die Spielvorlage kennen oder nicht. Wenn sie die kennen, spielen sie bewusster mit und freuen sich, Details und Eigenarten des Games authentisch umgesetzt wiederzufinden. Das betrifft selbst die atmosphärischen Hintergrundgeräusche aus dem Spiel.

Wenn Zuschauer die Spielvorlage nicht kennen, ist der Faktor des Neuentdeckens größer; sie wissen nicht, was sie in Exit 8 erwartet, wenn die unwirklich erscheinenden Anomalien zum ersten Mal für sie auf der großen Leinwand erlebbar werden.
Egal, welcher der beiden Zuschauergruppen wir angehören: Der Film fungiert als ein eigener Tunnel der Erkenntnis – auf der Bild- wie auf der Handlungsebene.
Auch wir werden gefragt: Wollen wir der Mann mit der Aktentasche sein, der sein Dasein im ewigen Idle-Mode fristet? Oder finden wir einen Ausgang aus den Dauerschleifen des Alltags, indem wir wieder mehr Sinn für die Details und für das Besondere entwickeln? Und indem wir bewusst Verantwortung übernehmen, anstatt Probleme zu ignorieren.
Exit 8 ist am 13. August 2026 in den Kinos erschienen. Wir empfehlen für das beste Erlebnis, das Spiel und auch dessen Nachfolger Station 8 gespielt zu haben, auch wenn es für das Verständnis des Films nicht zwingend ist. Beide Spiele zusammen gibt es als Bundle für 7,18 Euro, das ist günstiger als eine Kinokarte.


