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Ein molekulares Auto, das von den Nobelpreisträgern konstruiert wurde.
Ein molekulares Auto, das von den Nobelpreisträgern konstruiert wurde. (Bild: Nobelpreiskomitee)

Nobelpreis: Die Wissenschaft vom molekularen Spielzeug

Ein molekulares Auto, das von den Nobelpreisträgern konstruiert wurde.
Ein molekulares Auto, das von den Nobelpreisträgern konstruiert wurde. (Bild: Nobelpreiskomitee)

Der Nobelpreis für Chemie wurde diesmal für die Entwicklung molekularen Maschinen vergeben. Wir zeigen, woraus sie bestehen, warum sie immer noch Spielzeug sind und warum sie trotzdem gebraucht werden.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

Richard Feynman hielt 1959 seinen berühmten Vortrag there is plenty of room at the bottom. Darin beschrieb er, dass es noch viele ungenutzte Möglichkeiten gibt, Maschinen kleiner zu bauen, als sie damals existierten. Auch so klein, dass sie nicht einmal mehr im Mikroskop zu sehen sein würden. Er hatte dafür einen guten Grund. Die Natur macht es vor. Selbst im Inneren der kleinsten Bakterien muss es Mechanismen geben, die Dinge gezielt bewegen können. Also muss es möglich sein, Mechanismen dieser Größe zu konstruieren.

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Der Nobelpreis in Chemie ehrt in diesem Jahr drei Chemiker, die große Fortschritte in der Entwicklung der dafür nötigen Bauteile gemacht haben. Die offizielle Begründung "für Entwurf und Synthese molekularer Maschinen" geht allerdings recht großzügig mit dem Begriff Maschine um. Die Grundlagen für die aktuelle Forschung wurden schon in den 1950er Jahren gelegt. Sie begannen als chemische Kuriosität.

Moleküle bestehen in der Chemie im Allgemeinen aus Atomen, die durch chemische Verbindungen direkt aneinandergekoppelt sind. In der organischen Chemie konnten so schon in den 50er Jahren gezielt unterschiedliche geometrische Formen von Molekülen synthetisiert werden. Dabei kam die Idee auf, dass es möglich sein sollte, zwei ringförmige Moleküle nicht nur durch chemische Verbindungen aneinanderzukoppeln, sondern auch zwei Ringe wie zwei Kettenglieder zu verbinden und ineinander zu verschachteln. Es besteht dann keine chemische Verbindung zwischen den beiden Ringen, sie sind nur rein topologisch nicht in der Lage, sich voneinander zu trennen.

Zur Erzeugung der Ringe sollten dabei Molekülketten dienen, mit Enden, die sich dann zu einem Ring verbinden lassen. Dabei sollte die Kette so gestaltet sein, dass sie eher hydrophob ist und sich deshalb vorzugsweise in das Innere eines schon gebildeten Rings begibt, bevor sich die beiden Enden der Kette verbinden. In den 1950er Jahren scheiterten die Chemiker aber noch daran, diese Reaktion tatsächlich stattfinden zu lassen. Erst in den 1960er Jahren konnten die ersten derartigen Moleküle hergestellt werden, auch wenn der Prozess wenig ergiebig war. Nur wenige Ringe wurden tatsächlich wie gewünscht ineinander verschachtelt.

Gezielte Konstruktionen wurden möglich

1983 gelang es schließlich Jean Pierre Sauvage, einem der drei ausgezeichneten Chemiker, einen zuverlässigeren Prozess zu finden. Dabei werden sichelförmige Moleküle als Ausgangsstoffe benutzt, die sich leichter zu einem Ring schließen lassen als die geraden Ketten. Zusätzlich werden sie mit Hilfe von Kupferionen stabilisiert, bis sie sich miteinader verknüpfen. Später gelangen auch schwierigere Konstruktionen aus drei Ringen.

Einer Forschergruppe um Sir James Fraser Stoddart, dem zweiten ausgezeichneten Chemiker, gelang es in den frühen 1990er Jahren gerade, langkettige Moleküle in ein ringförmiges Molekül, sogenanntes Rotaxan, zu stecken und dabei an beiden Enden mit Stoppern zu versehen. Das Besondere an dieser Konstruktion war, dass der ringförmige Teil dazu gebracht werden konnte, sich zwischen den beiden Stoppern hin und her zu bewegen. Der Forschergruppe um Sauvage gelang es außerdem, einen solchen Ring gezielt um das gerade kettenförmige Molekül rotieren zu lassen, wie ein Rad um eine Achse.

Aber erst Bernard Feringa, dem dritten Preisträger, gelang auch eine gezielte Rotation in eine bestimmte Richtung, mit UV-Licht als Energiequelle. Mit diesen Techniken konnte auch das molekulare Auto gebaut werden. Dazu kamen noch weitere Molekülkonstruktionen, die wie Muskeln ausgedehnt und zusammengezogen werden können. Aber bei keiner dieser Konstruktionen handelt es sich um echte Maschinen. Es sind Spielzeuge, die keinen anderen Zweck als den Selbstzweck erfüllen.

Keine Maschine ohne Spielzeug 

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