No One Lives Forever: Remake oder Fortsetzung bitte!

Der Aufbau eines Levels ist bei Weitem nicht so starr und linear, wie es bei den meisten modernen Actionspielen der Fall ist. Wieso gibt es so etwas heute nicht mehr?

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Kleine Aufgaben, zum Beispiel das Präparieren von Sprengstoff oder das Abfotografieren von Dokumenten, lockern das Spielkonzept geschickt auf. Wohlgemerkt gibt es hier keinen Pfeil oder irgendein verkapptes GPS-System, das mich blind von einem Punkt zum nächsten führt.

In NOLF muss ich selbst suchen, was in den meisten Fällen überraschend gut funktioniert. Und warum? Weil sich die einzelnen Orte sichtlich voneinander unterscheiden und genügend grafische Merkmale besitzen, anhand derer ich mich zurechtfinden kann.

Man merkt ganz einfach: Die Leveldesigner haben ihre Hausaufgaben gemacht und sich mächtig ausgetobt. Weil ich laut Story eine Agentin spiele, führt mich nahezu jede Mission in ein anderes Land und konfrontiert mich mit einem komplett neuen Szenario. Das macht selbst das eigentlich dröge Bürogebäude am Ende der Berliner Mission zu einer spannenden Angelegenheit.

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Mein dritter Einsatz ist so kurz wie linear und doch einer der besten des ganzen Spiels. Ich befinde mich in einem Flugzeug, als plötzlich ein anderer Flieger regelrecht andockt (!) und seine Mannschaft zum Sturmangriff bläst. Ich kann mich nur mit Mühe und Not verteidigen und werde am Ende aufgrund einer Explosion aus der Maschine geschleudert.

Nun muss ich im freien Fall einen Gegner ansteuern, um ihm seinen Fallschirm abzuluchsen. Habe ich Erfolg, darf ich mein armes Opfer beim Sturz in eine Scheune beobachten, in der es mit den Worten "Please be full of hay ... PLEASE be full of hay!" ("Bitte sei voller Heu!" ) kracht.

  • Cate Archer in voller Pracht: Ihr schrilles Outfit versprüht feinstes 1960er-Jahre-Feeling. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Die Bar von No One Lives Forever gehört zu den buntesten Schauplätzen der Ego-Shooter-Geschichte. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Die Flucht aus dem sinkenden Schiff entpuppt sich als eine der schwierigsten Stellen von No One Lives Forever. Hier darf man keine Sekunde trödeln. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • In regelmäßigen Abständen erhält man lustige Gadgets. Etwa diesen Enterhaken, mit dem man sich an weit entfernte Stellen raufziehen kann. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Sobald man im schick ausgestatteten Büro eines Schurken diese Miniatur aufgedeckt hat, kommt bestes James-Bond-Flair auf. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Gleich der erste Auftrag stellt das Können des Spielers als Scharfschütze auf die Probe. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Wie es sich für eine gute Espionage-Geschichte gehört, muss man sich ständig mit irgendwelchen Informanten treffen – auch wenn diese nicht immer glücklich mit ihren Codewörtern sind. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Schleich dich: In der zweiten Mission lohnen sich heimliches Vorgehen und das Verstecken im Schatten. In einem offenen Kampf würde Cate Archer nicht lange überleben. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Einerseits reagieren die Wachen in No One Lives Forever sehr schnell, wenn sie irgendein verdächtiges Geräusch hören. Andererseits tappen sie in jede noch so dämliche Falle, nur weil man ihnen eine Münze vor die Füße wirft. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Die Geschichte ist für einen Ego-Shooter aus dem Jahr 2000 erstaunlich komplex, was nicht zuletzt an den vielen Dialogen mit den zahlreichen Charakteren wie dem hier zu sehenden Dr. Otto Schenker liegt. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Sowohl der Humor als auch skurrile Bösewichter wie der Schotte Magnus Armstrong sorgen dafür, dass No One Lives Forever eher einer James-Bond-Persiflage anstatt -Hommage gleicht. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Eine der coolsten Szenen im ganzen Spiel: Nachdem man ohne Fallschirm aus einem Flugzeug geschubst wird, muss man sich in der Luft einen Ersatz besorgen. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
  • Wenn doch nur alle Menschen so nett wären: Weil Cate Archer beim Betreten dieser Bar nicht gesehen werden darf, lenkt eine junge Frau den Türsteher ab. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)
Die Geschichte ist für einen Ego-Shooter aus dem Jahr 2000 erstaunlich komplex, was nicht zuletzt an den vielen Dialogen mit den zahlreichen Charakteren wie dem hier zu sehenden Dr. Otto Schenker liegt. (Bild: Monolith Productions / Screenshot: Medienagentur plassma)

Alle genannten Vor- und Nachteile erstrecken sich praktisch über das gesamte Spiel, insbesondere was die hohe Abwechslung anbelangt. Ich besuche eine Diskothek in Hamburg, flüchte von einem sinkenden Schiff, gebe mich als Reporterin für ein Magazin aus, bekriege mich mit feindlichen Agenten in einem fahrenden Zug und lande zwischenzeitlich gar in einer Raumstation.

Die Anzahl der Settings ist bemerkenswert und könnte damals wie heute einen Rekord unter den Ego-Shootern darstellen. Des Weiteren überlässt mir die Technikabteilung von Unity immer wieder neue Gadgets, dank derer ich meine Gegner mit einem Parfüm ausknocke oder per Enterhaken entfernt gelegene Punkte erreiche.

Leider ist NOLF nicht frei von unfairen Passagen. Ich hasse jede Mission, in der ich zum Schleichen genötigt werde und das Auslösen eines Alarms zum sofortigen Abbruch führt - was selbst bei einem Kopfschuss mit einer schallgedämpften Pistole passieren kann.

In einer kurzen Unterwassersequenz, in der ich mangels eines Sauerstoffgeräts so schnell wie möglich schwimmen muss, kommt es im wahrsten Sinne des Wortes auf jede Sekunde an - ohne dass ich konkret erfahre, was überhaupt mein Ziel ist. Und mittendrin verlangt das Spiel von mir, acht Geheimdokumente zu sammeln. Nervtötende Sucharbeit!

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Hoffen auf eine Neuauflage

Am Ende meines Retrotrips bin ich dennoch überzeugt, dass No One Lives Forever eine Wiederveröffentlichung verdient und sogar dringend benötigt. Denn nahezu alle Mängel, die mir unangenehm aufgefallen sind, könnte man mühelos in einer Remastered-Fassung glattbügeln.

Die Story zieht sich in meinen Augen zwar unnötig in die Länge, doch zum Glück darf ich die meisten Zwischensequenzen abbrechen. Am Ende könnte also eine fehlerfreie und zeitgemäße Version herausspringen, die gleichzeitig die vielen Vorzüge des Originals hervorhebt.

Dies gilt im Übrigen auch für den hervorragenden Nachfolger No One Lives Forever 2: A Spy in H.A.R.M.'s Way (2002) und das nicht ganz so gute Spin-off Contract J.A.C.K. (2003). Beide Spiele sind unter Fans ähnlich gefragt wie der Vorgänger und würden sicherlich auch heute Käufer finden, wenn sie nicht vom gleichen Lizenz-Hickhack ausgebremst wären.

Gibt es also gar keine Hoffnung mehr, dass No One Lives Forever zurückkehrt? Nur eine kleine: Die Nightdive Studios, die bereits Klassikern wie Wizardry 7 und System Shock 2 ein Comeback beschert haben, versuchen seit sechs Jahren, an die Rechte von No One Lives Forever heranzukommen und haben immer noch nicht aufgegeben. Wie bereits zu Beginn erwähnt, scheint es sich hierbei um einen bürokratischen Albtraum zu handeln.

Doch meines Erachtens lohnt sich die Mühe, am Ball zu bleiben und Cate Archers Abenteuer auf Dauer für weitere Generationen zugänglich zu machen. NOLF hätte es in jedem Fall verdient!

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 Ego-Shooter der sehr alten Schule
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Sybok 01. Dez 2020

Na dafür gibt es doch genügend belangloses Einheitsgeballer und dergleichen, da ist ein...

StaTiC2206 01. Dez 2020

Zitat: naja so unrealistisch ist das garnicht. Es kommt eigentlich immer zum...

derKlaus 27. Nov 2020

Das war mir tatsächlich neu. Gerade dieses Spiel ist mit dem O-Ton so super und vom...

Truster 27. Nov 2020

und der ist sogar sehr gut gemacht, zocke ich regelmäßig. Das einzige was Engine...

dreamtide11 26. Nov 2020

+1 Ich schließe mich uneingeschränkt an. Das ist ja noch das Schräge dabei. Zu der Zeit...



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