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No Man's Sky: Wie aus einer Telefonnummer ein Universum entsteht

Gamescom 2014
Man nehme einen Branchenveteran samt Indie-Studio, eine 64-Bit-Zahl und generiere prozedural aus einer Telefonnummer Trillionen von Planeten: No Man's Sky für die Playstation 4 ist ein Mathematikwunder voller schöner Dinge.
/ Marc Sauter
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Kunterbunte Welten oder realistisch - alles aus einer Zahl. (Bild: Hello World)
Kunterbunte Welten oder realistisch - alles aus einer Zahl. Bild: Hello World

Sean Murray fasst sich an die Stirn, schaut traurig zu Boden und beginnt einen langen Monolog. "Eigentlich will ich gar nicht hier sein und ehrlich gesagt hasse ich euch alle" , sagt der Gründer von Hello Games(öffnet im neuen Fenster) . Zuvor war er bei Kuju Entertainment und Criterion Games, irgendwann "hatte ich keine Lust mehr auf Wolkenkratzer-Projekte" . Gemeint sind AAA-Titel wie Burnout, und auch Murray war irgendwann auf seine Art ausgebrannt, wollte etwas komplett anderes erschaffen.

Zusammen mit einigen Kollegen gründete er daher Hello Games und entwickelt seitdem Indie-Spiele. No Man's Sky für die Playstation 4 ist das zweite Projekt. Aufgrund der Leistungsfähigkeit der Konsole kam dem Studio die Idee, ein komplettes Spiel prozedural zu generieren. Statt Texturen und Polygonmodelle zu bauen, die Gigabyte über Gigabyte des Speicherplatzes belegen, entstehen alle Inhalte aus durch Parameter begrenzten Formeln, die sich häufig Fraktalen bedienen.

Bäume bestehen so gesehen aus sich immer wieder teilenden Bäumen, die dünner und somit zu Ästen werden, bis ein Wert die Teilung stoppt und Blätter prozedural generiert werden.

No Man's Sky – Gameplay (E3 2014, PS4)
No Man's Sky – Gameplay (E3 2014, PS4) (03:22)

Die Basis von bis zu 18 Trillionen Planeten ist eine einzige 64-Bit-Zahl: Die Telefonnummer eines Kollegen. Jeder Planet sieht anders aus, hat andere Klimazonen und Landschaften, Berge und Höhlen. Auch anderes Wetter, eine einzigartige Vegetation und verrückte Tiere. Sean Murray beschreibt No Man's Sky wie folgt: "Es ist eine hoffnungsvolle, freundliche Science-fiction, keine Dystopie. Ihr sollt das Gefühl haben, als erster in den Weiten des Alls einen unbekannten Planeten zu entdecken, auf ihm zu landen und ihn zu erkunden – aber ich sage es euch gleich, das ist die mieseste Demo, die es jemals gab. All das wird euch enttäuschen."

Sony würde Hello Games keine einzige Stunde Zeit gewähren, wenn das, was Murray zeigt, nicht doch faszinierend wäre: Innerhalb weniger Sekunden rast der Entwickler mit einem Raumschiff aus dem All hinab auf einen sonnigen Planeten, der organischer und bunter kaum sein könnte. Vor einer Tropfsteinhöhle grasen Hirsch-ähnliche Kreaturen zwischen Palmen, in einem mit Seerosen bewachsenen See stehen mutierte Brachiosaurus.

No Man's Sky
No Man's Sky (01:58)

Andere Planeten, alle anhand einer Nummer identifizierbar, bestehen aus gigantischen Wüsten mit zyliderförmigen Bergen oder sind mit dichten, mit Nebelschwaden durchzogenen Nadelwäldern bewachsen und es regnet in Strömen oder sie bestehen nur aus einem einzigen Meer voller Fischwesen. Auch die Raumstationen und Schiffe sind prozedural erstellt. Später sollen die Spieler in dieser gigantischen Welt handeln und kämpfen.

"Das müsst ihr aber nicht, denn das Tollste ist es, Welten zu entdecken, die vor euch noch niemals jemand gesehen hat – auch ich nicht. Ist das nicht großartig?" , fragt Sean Murray und sieht überhaupt nicht mehr traurig aus.


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