Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Nicht eingepreist: Betreiber unterschätzen Klimarisiken für Rechenzentren

Für KI-Rechenzentren ist das Risiko für Klimaschäden um ein Vielfaches höher als bei herkömmlichen Anlagen.
/ Mike Faust
4 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Kühlventilatoren auf dem Dach eines Rechenzentrums von Digital Reality in Ashburn, Virginia, USA (Bild: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP via Getty Images)
Kühlventilatoren auf dem Dach eines Rechenzentrums von Digital Reality in Ashburn, Virginia, USA Bild: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP via Getty Images

Der Energieausrüster Schneider Electric (SE) hat in einer Untersuchung festgestellt(öffnet im neuen Fenster), dass die wirtschaftlichen Auswirkungen von Klimakrisen auf die globale Rechenzentrumsinfrastruktur zwar als Risiko anerkannt, aber nicht in die Marktbewertung einbezogen werden.

Für die 8.572 Rechenzentren weltweit, die in der Analyse als Datenbasis betrachtet werden konnten, berechnet SE einen potenziellen Verlust von Unternehmenswerten in Höhe von 388 Milliarden US-Dollar. Das entspräche etwa 38 Prozent des gesamten Marktwerts dieser Anlagen. Mit dem Ausbau der Infrastruktur für KI-Anwendungen könnte dieser Wert auf 1 bis 1,3 Billionen US-Dollar steigen.

Diese, als Climate Value of Risk bezeichnete Bewertung, soll laut SE nicht als einmaliges Katastrophenszenario betrachtet werden, sondern als dauerhafte Beeinträchtigung der Zahlungsströme über die Lebensdauer der Anlagen.

Globaler Durchschnittswert wenig aussagekräftig

Da die Intensität und die Art der Klimakrisen weltweit sehr unterschiedlich sind, sollten standortspezifische Strategien in die Planung von Rechenzentren einbezogen werden. Für die USA schätzt SE die Risikointensität auf 27 Prozent, für China auf 56 Prozent und für Europa auf 53 Prozent.

Während in den USA Betriebsunterbrechungen das Risikoprofil dominieren, wirken sich in Europa wegen immer strenger werdender Regeln die CO2-Preise deutlich auf das Risiko aus. Im asiatisch-pazifischen Raum stehen hingegen physische Schäden im Vordergrund der Risikobewertung. Circa 98 Prozent der Betriebsunterbrechungen entstehen durch Risiken bei Zulieferern, beispielsweise bei der Halbleiterfertigung oder der Energieversorgung.

Ein globaler Durchschnittswert ist hierbei wenig aussagekräftig, da zwei identische Rechenzentren je nach Standort völlig unterschiedliche klimabedingte Bewertungsabschläge erhalten können.

KI-Racks erzeugen mehr Abwärme

Der Bericht hebt zudem hervor, dass KI-Rechenzentren deutlich anfälliger für physische Klimarisiken sind und pro Gigawatt einem um das 2,6-Fache höheren Ausfallrisiko unterliegen. Dieses erklärt SE mit der Standortkonzentration auf den Süden und die Ostküste der USA sowie Südchina, die eine erhöhte physische Klimagefährdung aufweisen.

KI-Racks mit einer Leistung von 30 bis 100 Kilowatt pro Rack erzeugen zudem pro Quadratmeter deutlich mehr Abwärme als herkömmliche Anlagen mit circa 5 Kilowatt pro Rack. Ein Ausfall der Kühlung führe daher in KI-Anlagen innerhalb weniger Minuten zu einer thermischen Notabschaltung, heißt es weiter.

Ein einziger klimabedingter Stromausfall kann dabei die Rechenergebnisse von mehreren Wochen entwerten, da es häufig nicht möglich ist, KI-Trainingsprozesse zu unterbrechen. Hinzu kommt, dass der finanzielle Wert von KI-Rechenzentren mit 28 bis 42 Millionen US-Dollar pro Megawatt deutlich höher ist als bei herkömmlichen Rechenzentren mit neun Millionen US-Dollar pro Megawatt. Physische Schäden treffen damit einen wesentlich wertvolleren Vermögenswert.

Risiken kalkulieren

Zur Reduzierung des Risikos empfiehlt SE proaktive Investitionen in die Resilienz der Rechenzentren. Durch Anpassungsmaßnahmen bei der Kühlung, eine unabhängige Energieversorgung und eine klimabewusste Standortwahl ließen sich bereits 30 bis 39 Prozent der gefährdeten Vermögenswerte schützen. Die Investition in Resilienz zahle sich immer aus und sei am günstigsten, wenn sie bereits in der Planungsphase berücksichtigt werde, so SE.

In Deutschland reagieren Rechenzentrumsbetreiber ebenfalls verhalten auf Fragen zur Klimaresilienz und gehen derzeit nicht davon aus, dass Abschaltungen von Rechenzentren während Hitzewellen zum Regelfall werden.


Relevante Themen