Nextcloud statt Sharepoint: Mecklenburg-Vorpommern verabschiedet sich von Microsoft
Mecklenburg-Vorpommern schlägt in der Digitalpolitik einen neuen Weg ein und setzt auf mehr Eigenständigkeit bei Cloud- und KI-Lösungen. Wie das Finanz- und Digitalisierungsministerium bekannt gab, trennt sich das Land schrittweise in einigen Bereichen von der Software großer Tech-Konzerne wie Microsoft.
Stattdessen wird eine landesweite Plattform auf Open-Source-Basis aufgebaut. Dabei gehe es nicht nur darum, digitale Souveränität zu erlangen, sondern auch mittel- und langfristig Geld einzusparen, sagte Finanzminister Heiko Geue (SPD) der Nachrichtenagentur dpa. Im Zentrum der neuen Strategie steht die Einführung der in Deutschland entwickelten quelloffenen Onlineplattform Nextcloud.
Mit Nextcloud sollen sich Dateien sicher speichern und teilen lassen. Zudem sind Chats gemeinsam in Teams möglich. Videokonferenzen lassen sich darüber abhalten, ohne die Kontrolle über die eigenen Daten an fremde Anbieter zu verlieren.
Wechsel von Sharepoint auf Nextcloud läuft bereits
Der bisherige Umstieg von Microsoft Sharepoint sei für die ersten 5.000 Beschäftigten reibungs- und datenverlustfrei abgeschlossen worden, sagte Marco Anschütz, der als Chief Information Officer (CIO) für IT und Digitalisierung im Bundesland verantwortlich ist.
Mittelfristig ist das Projekt größer angelegt: Mehr als 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst sollen künftig mit dem System arbeiten. Das gelte für Mitarbeiter in Ministerien sowie in kommunalen Einrichtungen. Betrieben wird die Software auf eigener Infrastruktur durch den landeseigenen IT-Dienstleister DVZ M-V GmbH.
Zwei Bundesländer im Norden kooperieren
Mecklenburg-Vorpommern geht diesen Weg nicht allein. Im Oktober 2025 schloss das Land eine Kooperationsvereinbarung mit Schleswig-Holstein, das bundesweit als Pionier beim Wechsel auf Open-Source-Software gilt. Zusammen bilden die beiden Bundesländer eine technologische Allianz im Norden. Man stimme die Infrastrukturen aufeinander ab, um insbesondere die IT-Sicherheit zu erhöhen und gegenseitige Notfallszenarien abzusichern.
Beim Thema künstliche Intelligenz (KI) versucht Mecklenburg-Vorpommern von vornherein eine Abhängigkeit von US-Techriesen wie Microsoft, OpenAI, Google oder Amazon zu vermeiden.
Kein vollständiger Verzicht auf Microsoft-Produkte
Bei der Entwicklung des Verwaltungs-Chatbots Lea werde bewusst auf US-Hyperscaler verzichtet. "Stattdessen wollen wir auf europäische Sprachmodelle wie Mistral aus Frankreich oder Tilde aus Lettland setzen", sagte Anschütz.
Der Verzicht auf Microsoft-Lösungen im Bereich Cloud und KI heißt allerdings nicht, dass Mecklenburg-Vorpommern dem weltgrößten Softwarekonzern komplett den Rücken kehren wird. Es sei nicht geplant, die in der Verwaltung eingesetzten Windows-PCs kurzfristig durch Rechner mit dem offenen Betriebssystem Linux zu ersetzen. Dies habe derzeit noch keine Priorität, betonte Anschütz.
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