Next-Gen-Geburtstag: Xbox One und Playstation 4 sind eins

Xbox One ( Test, 20. November 2013 ) und Playstation 4 ( Test, 26. November 2013 ) stehen seit einem Jahr in vielen Spielerhaushalten. Seit vergangenem November haben sich die Konsolen verändert: Die Betriebssysteme wurden optimiert, Features hinzugefügt. Schlankere Hardware-Revisionen sind - abseits eines neuen WLAN-Moduls für die PS4 - nicht erschienen. Trotzdem hat sich vor allem an der Performance der Xbox durch den Wegfall von Kinect etwas getan.
Wir nehmen das Einjährige zum Anlass, einige unserer Testaussagen von vor zwölf Monaten zu aktualisieren. Andere Aspekte wollen wir dagegen mit noch mehr Sicherheit unterstreichen. Zu diesem Zweck gehen wir immer wieder auf ein paar Aussagen der Testberichte ein.
Überschriften anno 2013
Verglichen mit der Playstation 4 hat sich bei der Xbox One recht viel beim Betriebssystem getan. An beiden Betriebssystemen hatten wir vor einem Jahr einiges auszusetzen, Microsoft war seither aber fleißiger als Sony. In unserem Test zur Xbox One titelten wir "Neue Generation, alte Ladezeiten" . Auf der letzten Seite erläutern wir im Fazit genauer "Insbesondere der langsame Start aus dem Energiesparmodus, das zusehends überforderte Betriebssystem und die häufig langen Ladezeiten enttäuschen."
Stand November 2014 arbeitet das Betriebssystem der Xbox One nun deutlich flotter und erinnert nur noch optisch an die Variante vom vergangenen Jahr. Microsoft hat seit April 2014 monatliche Systemupdates veröffentlicht, die mal größere , mal kleinere Verbesserungen brachten. Insgesamt hat sich die Performance der Xbox One stetig verbessert.
Besonders der neue Social-Feed gefällt uns. Er ist übersichtlicher als die Aktivitätsanzeige der Playstation 4. Die Erfolge werden rasch aktualisiert und zahlreiche intelligente Bestenlisten motivieren, die Freunde doch noch in einem weiteren Versuch zu schlagen. Twitch-Streams und Gameclips von Spielern werden außerdem direkt im Onlineshop angezeigt und geben authentische Eindrücke vor dem Kauf - sehr löblich.
Am besten gefällt uns aber der neue Ruhemodus. Innerhalb von fünf Sekunden bootet die Xbox One aus dem Ruhemodus zurück in den zuletzt gespielten Titel und genau an die Stelle, wo wir ein paar Tage vorher aufgehört haben. Ein vergleichbares Feature hatte Sony ursprünglich im Februar 2013 für die Playstation 4 versprochen, bleibt es den Spielern aber bis heute schuldig.
Weniger Handlungsbedarf bei Sony?
Schauen wir uns auf der anderen Seite die Playstation 4 an, sieht die Oberfläche auf den ersten Blick nahezu genauso aus wir vor einem Jahr - mal abgesehen davon, dass wir jetzt die Farben individuell festlegen dürfen und die Freundesliste nun logischer aufgeteilt ist.
"Die will nur spielen..."
... betitelten wir unseren Playstation-4-Test und wollten damit unterstreichen, wie stark sich die Konsole auf die Spiele fokussiert, statt eine Unterhaltungsbox für Filme, Serien oder TV zu sein.
Drastische Verbesserungen oder Veränderungen hat Sony an seinem Betriebssystem seither nicht vorgenommen. Vielmehr hat sich der japanische Konzern darauf konzentriert, die Systemstabilität zu verbessern und ein paar externe Dienste nachzuliefern. Ab und an gerieten dadurch auch nervige Bugs auf die Konsole.
Inzwischen ist es möglich, aufgezeichnete Spieleclips auch in voller Auflösung zu streamen, im November 2013 störte noch ein Interface-Rahmen um das Bewegtbild herum. Seit Firmware 2.0 können die Szenen zudem auf Youtube veröffentlicht werden.
.jpg)
Sony hat des Weiteren Ambitionen gezeigt, ein eigenes TV-Streaming-Portal aufzubauen und mit Apps für Amazon-Instant-Video oder Watchever mehr Videoinhalte über die Konsole anzubieten.
Musikaffine Spieler können seit der Firmware 2.0 externe Speichermedien über die USB-Schnittstelle verbinden und die darauf gesicherte Musik abspielen. Unterstützt werden unter anderem die Dateitypen MP3, MP4, M4A und 3GP. Audio-CDs werden nach wie vor nicht wiedergegeben.
Wie erwähnt, funktioniert der Ruhemodus der Playstation 4 noch nicht so wie im Vorfeld der Konsole beworben. Ein anderes modernes Feature hat Sony dagegen mit Share Play eingeführt. Das ermöglicht es Spielern, ausgewählte Titel über das Internet gemeinsam zu spielen, auch wenn diese keine Kopie des Spiels haben. Dem Zuschauer kann der eigene Controller übergeben werden, oder er übernimmt die Rolle des zweiten Spielers. Abgesehen von dem naturgemäßen Lag bei der Übertragung der Inhalte funktionierte das beim ersten Ausprobieren überraschend problemlos. Einzige Voraussetzung für Shareplay ist eine aktive Playstation-Plus-Mitgliedschaft des Hosts.
Xbox ohne Kinect - Next-Gen ohne Körpereinsatz
Wer sein Geld für Playstation Plus oder das Microsoft-Gegenstück Xbox Gold ausgeben möchte, aber anderweitig sparen will, kann das bei der Anschaffung der Xbox One seit Juni 2014 tun. Genauer: Seit dem 9. Juni ist die Konsole offiziell auch ohne Bewegungssteuerung Kinect erhältlich - und kostet damit 400 Euro statt 500 Euro wie zuvor. Zuvor hatte Microsoft mehrfach kategorisch abgelehnt, seine Konsole ohne Kinect anzubieten, aber dann wurde der Druck durch die wohl alles andere als prächtigen Verkaufszahlen doch zu groß.
Offenbar wollte kaum ein Spieler die kaum sinnvoll unterstützte und nicht zuverlässig arbeitende Bewegungs- und Sprachsteuerung mitbezahlen. Angenehmer Nebeneffekt: Die bis dahin für die Verarbeitung der Daten von Kinect reservierten Systemressourcen der Xbox One sind mittlerweile für andere Berechnungen freigegeben worden, etwa für die Grafik - was den Leistungsvorsprung der PS4 zumindest etwas geringer ausfallen lässt und bei mehr Titeln den für die Vermarktung wichtigen Grafikmodus von 1080p ermöglicht.

Die Entscheidung, auch eine Xbox One ohne Kinect anzubieten, ist die letzte große 180-Grad-Wende von Microsoft bei der Vermarktung seiner Konsole: Zuvor hatte die Firma unter anderem die ursprünglich geplante Pflicht zur Dauerverbindung zu den Servern von Xbox Live gekippt. So gut wie alle diese zurückgenommenen Entscheidungen sollen übrigens auf einen Manager zurückgehen: Don Mattrick, den ehemaligen Leiter der Sparte Interactive Entertainment Business, der Microsoft im Juli 2013 - kurz vor der Markteinführung der Konsole - verlassen und für ein Millionengehalt bei Zynga angeheuert hat.
Inzwischen ist die Xbox One im stationären Handel so gut wie nur noch ohne Kinect vorrätig - den Kunden ist das Zubehör wohl schlicht nicht mehr wichtig. Für Microsoft hat sich die Zwangsbeigabe zur Xbox One als Desaster entpuppt: Früher, als optionales Peripheriegerät zur Xbox 360, hatte das System durchaus einen respektablen Ruf - die grundlegende Technologie ist schließlich spannend und durchaus innovativ. Jetzt dürfte es kaum noch Spieler geben, die sich ernsthaft mit dem Gerät auseinandersetzen möchten - und Entwickler schon gar nicht.
Patch mich oder ich spiel nich
Zwei Dinge, die Käufern von Xbox One und Playstation 4 gehörig auf die Nerven gehen dürften: Auflösungsdebatten und Patches, die direkt zum Verkaufsstart eines Spieles veröffentlicht werden.
Die Liste der Spiele mit umfangreichen Day-One-Patches ist für beide Konsolen lang: Halo Master Chief Collection, Driveclub, Sunset Overdrive, Destiny, Forza Horizon 2, Titanfall, GTA 5, ... Vor allem Ubisoft hat in den vergangenen zwölf Monaten durch technisch unausgereifte Versionen von Assassin's Creed Unity und Watch Dogs negative Schlagzeilen gesammelt wie manch Spieler Sammelkarten in Hearthstone.

Alle Spiele mit Rang und Namen wollen am besten vor dem ersten Spielstart aktualisiert werden. Ob man bei einer Patchgröße von über 15 Gigabyte für die Halo Master Chief Collection überhaupt noch von einem Patch reden kann, ist zumindest fragwürdig. Sicher ist, dass Microsoft bei genanntem Beispiel einen Großteil der Mehrspielerinhalte erst über diesen Patch verfügbar machte. Und selbst mit dem Update haben Spieler bis heute Probleme mit dem Onlinemodus von Microsofts Vorzeige-Shooter.
Getoppt wird das Halo-Dilemma auf der Xbox One nur durch die Onlinekatastrophe Driveclub auf der Playstation 4. Beworben als Titel, der "die Netzwerkfähigkeiten und sozialen Möglichkeiten der PS4 ausreizt" , bot das Rennspiel der Evolution Studios fast drei Wochen lang nach der Veröffentlichung keine Onlinerennen mit anderen Spielern. Die Herausforderungen für die namengebenden Fahrclubs stehen bis heute nur eingeschränkt zur Verfügung.

Die zahlreichen Day-One-Patches zeigen in unseren Augen eigentlich nur eins: Die Entwickler versuchen krampfhaft, aufwendigere Next-Gen-Spiele in der gleichen Zeit zu produzieren wie für die vergangene Konsolengeneration. Das scheint ihnen jedoch nicht zu gelingen. Hier befindet sich die Branche noch in einer Findungsphase.
PS Plus gegen Xbox Live Gold
Inzwischen bieten beide Konsolenhersteller für ihre Onlineabonnenten monatlich kostenlose Spiele an. Sony veröffentlicht im Monatsrhythmus ein bis zwei Spiele seit dem Start der Konsole, Microsoft begann im Juni 2014 mit einem monatlichen Titel. Aktuell bietet Games with Gold, wie der Service auf der Xbox One heißt, mit Volgär The Viking und Chariot ebenfalls zwei Titel an.
Wer seit dem Start der Playstation 4 PS-Plus-Abonnent ist, konnte sich bereits über zahlreiche sehr gute Titel wie Pixeljunk Shooter Ultimate, Don't Starve, Spelunky, Trine 2, Dust: And Elysian Tail oder Steamworld Dig freuen. In den kommenden zwei Monaten sollen mit der Ultimate Edition von Injustice: Gods Among Us und Infamous: First Light sogar zwei Titel mit erheblich höherem Entwicklungsbudget erscheinen als die sonst üblichen Indie-Games.

Microsoft wie Sony buhlen also kräftig mit ihren Onlineservices, davon profitiert in erster Linie der Kunde, der nun 2014 deutlich mehr für seine Abogebühren bekommt als noch im vergangenen Jahr.
Beim Onlinegaming haben wir insgesamt eine höhere Netzwerkstabilität auf der Xbox One festgestellt. Über Xbox Live hatten wir nur ein paar Disconnects oder mussten die wöchentliche Wartungsphase abwarten, bis es wieder online ging. Auf der PS4 traten dagegen immer mal wieder grundlose Trennungen zum Onlinenetzwerk auf - selbst direkt nach dem Starten der Konsole. Mit großen Spielermassen hatten und haben beide Plattformen ihre Probleme (Halo, Driveclub).
Auffällig finden wir den Trend, dass immer weniger Onlinespieler ihre Headsets zur Sprachkommunikation nutzen. Verglichen mit den ersten Xbox-Live-Jahren auf der 360 trägt kaum jemand die mitgelieferten Mikrofone. Wenn sie genutzt werden, ist die Sprachqualität auf der Xbox One etwas besser als auf der Playstation - wobei es nach wie vor auch vom jeweiligen Titel abhängig zu sein scheint, wie hoch die maximale Bitrate der Sprachübertragungen ist.
Der größte Spielspaß seit Launch
Glücklicherweise waren nicht alle Titel, die wir auf den neuen Konsolen bisher spielen konnten, voller Bugs. So sind uns auf der Xbox One vor allem Sunset Overdrive, Titanfall und Forza Horizon 2 trotz ihrer Day-One-Patches eher positiv in Erinnerung geblieben.

Sunset Overdrive legen wir in unserem Test "Fans von Effektfeuerwerken, die es gerne schön schräg mögen" ans Herz. Für Rennspieler bietet Forza Horizon 2 einen wunderschönen und bewährten Mix aus Simulation- und Arcade-Rennen, bei dem vor allem "die gespürte Freiheit und die grafische Umsetzung der tollen Regeneffekte beeindrucken."

Das erste wirklich wichtige Halbexklusivspiel für die Xbox One war das im März 2014 veröffentlichte Titanfall - es ist sonst noch für Windows-PC und, ein paar Tage später, für die Xbox 360 erschienen, aber nicht für die Playstation 3 oder 4. Das Multiplayerspektakel hat sich klar an Hardcore-Zocker gerichtet, die sonst Call of Duty und ähnliche Spiele lieben - ein Großteil des Entwicklerstudios Respawn Entertainment war zuvor bei Infinity Ward just für Call of Duty zuständig.
Titanfall hat den Absatz der Xbox One kurz- und mittelfristig beflügelt. Seitdem ist es aber eher ruhig um das Spiel geworden - und seitdem das eine ähnliche Zielgruppe ansprechende Destiny veröffentlicht ist, dürfte die Community noch weiter geschrumpft sein. Ende November 2014 will Publisher EA eine Deluxe Editon mit allen drei Erweiterungen für die Xbox One veröffentlichen.

Auf der Playstation 4 ist Infamous Second Son mit dem Addon First Light quasi die Sony-Alternative zu Microsofts Sunset Overdrive. "Unterm Strich ist es bislang das beste Action-Singleplayer-Spiel für die neue Konsolengeneration und eine klare Empfehlung für alle Playstation-4-Besitzer" , resümierten wir im April 2014 über das Actionadventure - das seitdem aber von ein paar besseren Spielen überholt wurde.

Viele Blockbuster, die ursprünglich für 2014 angekündigt waren, wurden aufs kommende Jahr verschoben, wie Fable Legends, Quantum Break, The Division oder The Order 1886.
Schöner auf der Playstation 4?
Den technischen Vorteil der etwas leistungsfähigeren Playstation 4 nutzten die Entwickler nur sehr selten für eine grafisch deutlich hübschere Variante auf Sonys Hardware. Destiny, Assassin's Creed Unity, Far Cry 4, Watch Dogs und Call of Duty Advanced Warfare erschienen auf beiden Plattformen. Die Versionen von Destiny sind nahezu deckungsgleich und laufen flüssig. Assassin's Creed Unity hat dagegen auf beiden Systemen mit technischen Bugs, einer verringerten Auflösung von 900p, Abstürzen und gelegentlichen Rucklern zu kämpfen.

Nur wenige Titel werden in der vollen Full-HD-Auflösung von 1080p gerendert, beispielsweise Sonys Remake von The Last of Us. Im aktuellen Call of Duty liefert die Playstation 4 ebenfalls die volle 1080p-Auflösung, kommt dabei aber manchmal leicht ins Stocken. Auf der Xbox One läuft der Militär-Shooter zeitweise nur in einer dynamisch angepassten Auflösung von 1.360 x 1.080, ist aber von weniger Rucklern geplagt.

Zusammengefasst bietet die Playstation 4 im Zweifelsfall meist die schönere Version eines Titels, die Unterschiede fallen allerdings äußerst marginal aus und wirken sich nicht auf den Spielspaß aus. Erst bei Vergleichen der Konsolenversionen mit einem High-End-PC werden optische Unterschiede deutlicher sichtbar. Bei diesen Vergleichen können bereits beide aktuellen Konsolen schon ein Jahr nach ihrer Veröffentlichung nicht mehr mithalten.
Die persönliche Präferenz, welcher Controller besser in der Hand liegt, wiegt in unseren Augen schwerer bei einer Kaufentscheidung als die grafischen Unterschiede zwischen Xbox-One- und Playstation-4-Versionen. Hier ist uns zudem mit der Zeit der häufig leere Akku des PS4-Controllers negativ in Erinnerung geblieben. Sonys Gamepad wollte deutlich häufiger geladen werden als das Xbox-One-Pendant mit Batterieakkus.



