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Nexperia-Krise: Autobauer nehmen Halbleiterversorgung selbst in die Hand

Die niederländische Regierung ist raus, doch Nexperia und der chinesische Eigner streiten weiter. Autohersteller haben eine kuriose Lösung gefunden.
/ Johannes Hiltscher
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Das Packaging-Werk von Nexperia in Guangdong (Bild: Nexperia)
Das Packaging-Werk von Nexperia in Guangdong Bild: Nexperia

Es klingt ein wenig nach Monty Python: Der niederländische Halbleiterhersteller liefert keine Wafer mehr an seine chinesischen Werke, in denen die Halbleiter verpackt werden. Den Automobilherstellern drohen wichtige Komponenten auszugehen, was die Produktion zum Stillstand bringen könnte. Also kaufen die Autobauer die ganzen Wafer und schicken sie selbst über Hongkong in die Volksrepublik China, um sie dort im Nexperia-Werk weiterverarbeiten zu lassen.

Das scheinen aktuell eine ganze Reihe von Automobilherstellern zu machen, wie die Wirtschaftszeitung Financial Times berichtet(öffnet im neuen Fenster) . Denn Nexperia und der chinesische Hauptaktionär Wingtech streiten sich nach der zeitweiligen Übernahme der Kontrolle bei Nexperia durch die niederländische Regierung weiter.

Es geht dabei um Schadensersatzforderungen von Wingtech, dessen Kontrollrechte über Nexperia durch ein niederländisches Gericht weiter eingeschränkt sind. Wingtech, dessen CEO auch Nexperias Tochter in der Volksrepublik leitet, fordert zudem für die zeitweise Übernahme 8 Milliarden US-Dollar Entschädigung. Die Nexperia-Führung in den Niederlanden hingegen berichtet von ausstehenden Zahlungen für Waferlieferungen, weshalb diese eingestellt worden seien.

Chinesisches Werk hat neue Lieferanten

Das chinesische Werk produziert derweil mit Lagerbeständen weiter, allerdings auf reduziertem Niveau. Gleichzeitig versucht die dortige Leitung, die Abhängigkeit vom Mutterkonzern zu verringern.

So sollen mittlerweile Halbleiterhersteller in China als alternative Lieferanten gefunden sein, welche die fehlenden Wafer aus Europa ersetzen. Das hatte Nexperia China Anfang November 2025 bereits angekündigt . Eigner Wingtech will, wie jüngst bekannt wurde, in der Volksrepublik stärker auf Halbleiterfertigung setzen und sich von Teilen seines Elektronikgeschäfts trennen(öffnet im neuen Fenster) . Auslöser des Streits war, dass Nexperias Führung Wingtech vorwarf, geistiges Eigentum und Maschinen von Nexperia übertragen zu wollen.


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